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100 articles, 2016-06-25 00:02

 

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"Hurricane"-Festival wegen Unwetters unterbrochen (1.02/2)

Das "Hurricane"-Festival im niedersächsischen Scheeßel ist am Freitag wegen eines schweren Unwetters unterbrochen worden. "Wir unterbrechen für zwei Stunden den Veranstaltungsbetrieb aufgrund eines schweren Unwetters", teilten die Veranstalter mit. Dies sei keine Absage des Festes. Die Festivalmacher riefen zu Rücksicht und Hilfe auf. "Bitte verlasst das Veranstaltungsgelände zu euren Fahrzeugen und nehmt andere Besucher in euren Fahrzeugen auf. Bleibt ruhig und achtet auf eure Mitmenschen. "
Die 20. Ausgabe Festivals hatte am Nachmittag begonnen. Bereits am Donnerstag, als viele Teilnehmer anreisten, waren heftige Gewitter über die Gemeinde hinweggezogen und hatten auch das Festivalgelände in Mitleidenschaft gezogen. Bei dem ausverkauften Event werden rund 75 000 Zuschauer erwartet.

 

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Eilgesetz: Bundestag verabschiedet verschärftes Anti-Terror-Paket (1.02/2)

Das Parlament hat eine Gesetzesinitiative beschlossen, wonach binnen eines Jahres eine Ausweispflicht beim Kauf von Prepaid-Handykarten greifen und die Kooperation mit ausländischen Geheimdiensten deutlich ausgebaut werden soll.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) kann künftig Daten jugendlicher "Gefährder" schon von 14 statt bisher 16 Jahren an sammeln. Trotz des NSA-Skandals dürfen deutsche Geheimdienste zur Terrorismusbekämpfung enger mit ausländischen Partnern zusammenarbeiten und "gemeinsame Dateien" anlegen. Dazu kommt zügig eine Ausweispflicht beim Kauf von Prepaid-Mobilfunkkarten. Dies sind die Kernpunkte des neuen Anti-Terror-Pakets, das der Bundestag am Freitag nach einer hitzigen Debatte mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD verabschiedet hat. Die Opposition votierte gegen das im Eiltempo durch das Parlament gejagte Vorhaben.
Die Volksvertreter haben mit dem Beschluss den bereits umstrittenen Regierungsentwurf für ein Gesetz für den "besseren Informationsaustausch bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus" noch verschärft. So verkürzten sie etwa die Übergangsfrist bei der Auflage für Provider und Händler, bei Prepaid-Nutzern von Mobilfunkgeräten stets ein gültiges Identitätsdokument mit vollständigen Adressangaben zu verlangen, von 18 auf 12 Monate.
Der Normenkontrollrat hatte schon angesichts der Regierungsinitiative nicht nur die kurze Frist zur Stellungnahme im Laufe eines Tages gerügt , sondern auch, dass die Exekutive den "Erfüllungsaufwand" für die Wirtschaft nicht ausreichend dargestellt habe. Dabei sei durch die neue Pflicht, Bestandsdaten bei vorausbezahlten Tarifen zu prüfen, "eine dauerhafte, zusätzliche Belastung der Telekommunikationsanbieter beziehungsweise deren Vertriebspartner zu erwarten", schreibt das für den Bürokratieabbau zuständige Gremium. Laut mittlerweile nachgereichten Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums kommen allein auf Supermärkte und Tankstellen zweistellige Millionenkosten zu.
Datenschützer hatten im Vorfeld gewarnt, dass die vorgesehenen "Verbund-Dateien" einen brisanten "Quantensprung nach vorne" beim Informationsaustausch der Sicherheitsbehörden darstellten. Alle angeschlossenen Ämter könnten darauf "massenhaft" und letztlich unkontrollierbar zugreifen, was verfassungswidrig sei. Die Frist für projektbezogene Datenbanken deutscher Sicherheitsbehörden soll mit dem Vorhaben um mehrere Jahre verlängert werden. Die Bundespolizei darf zudem verdeckte Ermittler einsetzen und diese mit "technischen Mitteln" wie großen und kleinen Lauschangriffen zu sichern versuchen.
Ulla Jelpke von den Grünen warf Schwarz-Rot bei der abschließenden Lesung vor, Menschenrechtsverletzungen die Hand zu reichen. Die beschlossenen unbrauchbaren Maßnahmen seien "hoch bedenklich", "massiv grundrechtsgefährdend" und ein "Affront für das Bundesverfassungsgericht", monierte der grüne Fraktionsvize Konstantin von Notz. Der parlamentarische Innenstaatssekretär Günter Krings betonte, dass die Sicherheitsbehörden bei der Terrorabwehr vor einer internationalen Aufgabe stünden und Befugnisse nicht an Staatsgrenzen halte machen dürften. Rechtsstaatliche Standards würden aber gewahrt.
Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) beklagte, dass der "deutsche Sicherheitsflickenteppich" mit dem weiteren Paket größer werde und dies den Schutz der Bürger unterlaufe. Der geheimdienstliche Informationsaustausch werde intensiviert, ohne dass harte rechtsstaatliche Kontrollmechanismen eingezogen würden. Der Verein Digitale Gesellschaft sprach von einem "rechtsstaatlichen Fiasko". Die Koalition habe eine breite Debatte über die Initiative torpediert und verfassungsrechtliche Hürden ignoriert. Auch der Verein Digitalcourage lehnte den "Schnellschuss" ab, der eigentlich nur als "Gesetzesterror" bezeichnet werden könne. ( vbr )

 

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Wer Sexualkunde bei der eigenen Mutter hatte! - Leute - Bild.de (0.01/2)

Die Schulzeit – lange her, und doch unvergessen!
Die Pickel sind längst weg, die Brüste da, der Hormonpegel wieder im Gleichgewicht und die peinlichen Fotos im Keller vergraben. Und so genau erinnert sich da ohnehin keiner mehr dran. Pustekuchen! Das gilt wohl auch für so manchen Promi.
Wie sich Leo, Liam und Co. einst in der Schule benommen haben, erfahren Sie mit BILDplus!

 

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Raten Sie mal, was Anbieter für diesen Schrott bekamen … - News Inland - Bild.de (0.01/2)

Es gibt keinen Schrott – außer man verkauft ihn schlecht!
Das ist das Motto eines Mannes aus Oberhausen (NRW), der seine Renault bei Ebay loswerden will – mit einer äußerst charmanten Artikelbeschreibung: Der 15 Jahre alte Clio sei eine „Scheißkarre“ mit einer Kupplung, die „im Arsch ist“.
BILD hat fünf weitere absurde Auto-Auktionen zusammengesucht, die mit persönlichen Anekdoten oder schonungsloser Offenheit Käufer anlockten – auch eine „beschissene Rolex der Ex“ ist dabei …

 

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Nach Mandel-OP! Hunt verliert 9 Kilo - Bundesliga Saison 2015/16 - Bild.de (0.01/2)

Mandel-Operation, Komplikationen, zwei Wochen Krankenhaus – und neun Kilo Gewichts-Verlust. Sieben Wochen nach dem Eingriff ist Aaron Hunt wieder im Training. Auch gestern schwitzte er im Volkspark. Danach traf BILD den HSV-Spielmacher zum Interview.

 

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Hier gibt’s das BILD-TV-Zeugnis - Fussball - Bild.de (0.01/2)

Die EM-Vorrunde war ein Quoten-Kracher! 27,32 Millionen TV-Zuschauer verfolgten das 0:0 gegen Polen – bisher absoluter Spitzenwert. Auch die Abend-Spiele der anderen Mannschaften sahen meist mehr als 10 Millionen Deutsche im Fernsehen.
Aber jetzt, liebes TV, jetzt musst du ganz tapfer sein. Hier gibt‘s Zwischenzeugnisse von BILD. Unsere Reporter bewerten Kommentatoren, Experten und Sendungen. Dazu gibt es ein Voting der Leser bei BILD.de.
Die große TV-Abrechnung.

 

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Thema des Tages - Flut und Feuer (0.01/2)

Zum Thema Sicherheit gehören auch der Brand- und Katastrophenschutz. Bei beidem ist die Münchner Branddirektion federführend, die Katastrophenschutzpläne bereit hält und im Ernstfall den Einsatz koordiniert. Bei einem Hochwasser etwa hilft nicht nur die Feuerwehr, sondern es werden zusätzlich das Technische Hilfswerk, diverse städtische und staatliche Behörden, private Hilfsorganisationen und in bestimmten Fällen auch die Bundeswehr eingebunden. Fast die Hälfte aller KVR-Mitarbeiter sind Feuerwehrleute. Die Münchner Berufsfeuerwehr besteht aus mehr als 1700 Kollegen, die in zehn Feuerwachen Dienst schieben. Dazu kommen noch 22 Einheiten der freiwilligen Feuerwehr und fünf Jugendgruppen der Jugendfeuerwehr. 291 Fahrzeuge können in München eingesetzt werden, 211 davon gehören der Berufsfeuerwehr. Die Feuerwehr löscht aber nicht nur, sie kümmert sich auch um den vorbeugenden Brandschutz. Denn jährlich gut 80 000 Alarme sind genug.

 

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Wahlkampf in Berlin: Rant:... kreuzweise!

Am Donnerstag wurde im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses das Licht ausgeschaltet. Zeit für die Sommerpause! Nur die Politiker, die dem Bau-, Stadtentwicklungs- oder Innenausschuss angehören, müssen nachsitzen – dort wurden für die kommende Woche letzte Sitzungen anberaumt. Anschließend kehrt komplett Ruhe ein. Erst Anfang September treffen die Abgeordneten im Plenum erneut zusammen, zum wahrscheinlich letzten Mal vor den Wahlen am 18. September. Der Senat schaltet ebenfalls bald in den Urlaubsmodus.
Die Politiker machen Ferien, so als ob es in Berlin nichts für sie zu tun gäbe. Zweieinhalb Monate, gut zehn Wochen lang, vertreten die Parlamentarier uns und unsere Interessen nicht im Abgeordnetenhaus. Warum eigentlich so lange? Das gemeine Wahlvolk hat im Sommer in der Regel zwei bis drei Wochen Urlaub, in wenigen Fällen auch mal vier. Brauchen Politiker wirklich so viel mehr davon?
Nein, versichern mir treuherzig die Abgeordneten, mit denen ich darüber sprach. Nur ein bisschen möchten sie sich erholen, um gestärkt in die heiße Wahlkampfphase zu ziehen. Ab Ende Juli werden sie unterwegs sein, um uns überall auf der Straße mit ihren Plakaten die Sicht zu versperren. Das ist anstrengend für sie – und die vom Wahlkampftheater genervten Bürger. Wobei die davon zum Glück gar nicht so viel mitbekommen: In den Schulferien schlappen ja vor allem Touristen durch die City. Die nehmen bestimmt gerne eine Rose oder eine Broschüre von einem Bezirkspolitiker entgegen – und wundern sich vielleicht über die plötzliche Freundlichkeit der Berliner. Immerhin!
Dieser Wahlkampf hat noch gar nicht richtig begonnen , aber mir ist die Lust darauf schon vergangen. Ich möchte keine verschwurbelten Wahlprogramme mit wohlfeilen politischen Vorhaben lesen. Das Konzept der SPD, die seit 2001 den Regierenden Bürgermeister stellt – erst Klaus Wowereit, seit anderthalb Jahren Michael Müller –, lege ich schon nach dem ersten Satz aus der Hand: „In den vergangenen 15 Jahren hat sich Berlin hervorragend entwickelt.“ Viele Berliner haben wohl andere Erfahrungen gemacht: Der unvollendete BER ist ein Skandal sondergleichen, an der Großbaustelle der Staatsoper sieht es nicht besser aus, die Schulen verrotten, Kitaplätze fehlen, die Parks sind vermüllt. Dass die Stadt – der Politik zum Trotz! – einen Boom erlebt, davon profitiert hier längst nicht jeder. Wie sonst ist es zu erklären, dass rund ein Drittel der Berliner Kinder an der Armutsgrenze lebt?
Beim Koalitionspartner CDU springt einen auf der Homepage der Slogan „Starkes Berlin“ an, neben Bildern des Innensenators und Union-Spitzenkandidaten Frank Henkel. Starker Henkel also? Wohl kaum. Wer verantwortet noch mal das Chaos bei den Ämtern und bei der Wahl-Software , das fehlende Vertrauen der Bürger in die Sicherheitspolitik der Stadt? Hinzu kommt, dass sich SPD und CDU seit Monaten Scharmützel liefern, die sie nicht mehr als professionelle Partner erscheinen lassen, sondern als politische Gegner. Da haut CDU-Generalsekretär Kai Wegner auf die SPD ein, und SPD-Abgeordnete wie Sven Kohlmeier twittern giftig zurück.
Doch auch die Opposition macht keine bessere Figur: Die wiederauferstehende FDP bietet nichts, als sich als „Wir halten Tegel offen“-Partei zu profilieren. Bei der AfD erwarte ich mit Grauen, wie sie uns noch mit rechten Parolen bearbeiten will.
Und Grüne und Linke? Wenn Ramona Pop, die Spitzenfrau des grünen Spitzenquartetts, bei einem ihrer ersten Wahlkampftermine eine Wohlfühltour durch Neuköllns Spätiszene unternimmt, ist das für mich ein klarer Fall von falscher Prioritätensetzung. Ein marginales Thema, ausgedacht für eine hippe Innenstadt-Klientel. Auch die rhetorische Wahlkampffrage der Linken – „Wem gehört die Stadt?“ – weckt bei mir null Interesse an der Partei und der Frage, welche konkreten politischen Lösungen sie anbieten könnte.
Momentan möchte ich aber eh vor allem eins wissen: Wer garantiert mir, dass wir überhaupt wählen können am 18. September? Michael Müller? Frank Henkel? Auf die soll ich mich verlassen? Im Wahlkampf?
Dieser Text erschien zunächst als Rant in unserer gedruckten Samstagsbeilage Mehr Berlin.

 

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Boxkampf Klitschko vs. Fury verschoben

Der für den 9. Juli in Manchester angesetzte Rückkampf zwischen dem Ukrainer und dem WBO-Weltmeister und WBA-Superchampion fällt aus und wird wohl auf Oktober verschoben. Fury hatte sich bereits vor zehn Tagen beim Training eine Knöchelverletzung zugezogen und muss nun sechs bis sieben Wochen pausieren. Dies teilte der britische Schwergewichtler am Freitag auf Instagram selbst mit.
«Natürlich bin ich total enttäuscht über die Absage», sagte Klitschko in einer Mitteilung seines Managements. «Auch für meine Fans, die schon alle auf den Kampf hingefiebert haben, tut es mir sehr leid», betonte der 40-Jährige und kündigte an: «Dann hole ich mir meine WM-Gürtel eben ein paar Wochen später zurück.»
Ein Olympia-Start in Rio de Janeiro kommt für Klitschko, der 1996 in Atlanta Olympiasieger geworden war, dennoch nicht in Frage. «Das ist kein Thema. Wladimir ist viel zu enttäuscht, zumal der Kampf gegen Fury im Oktober nachgeholt werden soll», sagte sein Manager Bernd Bönte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.
Auch Fury war enttäuscht über die Absage, die Ärzte hätten ihm aber nach mehreren Untersuchungen dazu geraten. «Der Kampf wird auf jeden Fall stattfinden», versicherte der 27-Jährige, «Sobald es dem Knöchel wieder besser geht, werden wir den Kampf neu ansetzen.»
«Ich bin besessen von meinem Ziel, Fury zu bezwingen», hatte Klitschko, der sich im Trainingscamp in der Nobelherberge Stanglwirt im österreichischen Going auf das Re-Match vorbereitete, am Mittwoch noch gesagt. Den ersten Kampf vor sieben Monate hatte er überraschend nach Punkten verloren. Es war die erste Niederlage des Ukrainers nach elf Jahren.
Klitschko bereitet sich schon seit Ende Mai in Going auf den wichtigen Kampf vor. Direkt aus dem Trainingslager wollte er am 4. Juli nach Manchester fliegen. (dpa)
Kampfbilanz Klitschko
Kampfbilanz Fury
Instagram-Video von Fury

 

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Bis zu 71 Messerstiche: Vater wegen Mordes an Mutter verurteilt

Für die Ermordung seiner Ehefrau mit bis zu 71 Messerstichen ist ein Mann aus Moers (Nordrhein-Westfalen) zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Kleve sprach den 49-Jährigen am Freitag schuldig. Es habe sich um eine heimtückische Tat gehandelt.
Zuvor habe es einen Streit um die anstehende Scheidung gegeben. Die 31-Jährige habe die beiden Kinder nach Hamburg mitnehmen wollen, sagte der Vorsitzende Richter. Dorthin hatte sie sich in ein Frauenhaus geflüchtet, nachdem ihr Mann sie bei einer vorangegangenen Auseinandersetzung gewürgt haben soll.

 

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«Goodbye, UK» - Was die Kulturszene zum Brexit sagt

«Goodbye, UK», schrieb die britische Bestsellerautorin Joanne K. Rowling (50, «Harry Potter») auf Twitter. «Schottland wird jetzt die Unabhängigkeit anstreben. Camerons Vermächtnis wird sein, zwei Staatenbündnisse zerbrochen zu haben. Beides hätte nicht sein müssen.»
Der Chefdirigent der Hamburger Symphoniker, Jeffrey Tate (73), sagte: «Heute ist ein schwarzer Tag für Europa und vor allem für England.» Der Brexit gefährde das vereinte Europa und den Frieden seit 1945. «Ich weiß nicht, wie David Cameron ruhig in seinem Bett liegen und schlafen kann.»
Die Journalistin Carolin Emcke (48), die am Freitag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zugesprochen bekam, erklärte, wie wichtig der Einsatz für Europa nun sei. «Mein ganzes Leben lang war ich dankbar dafür, dass ich Europäerin sein darf», sagte Emcke der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Und ich fürchte, vielleicht haben wir das auch ein bisschen zu selbstverständlich genommen.» Es sei an der Zeit, Europa auch zu verteidigen gegen diejenigen, die es mit ihrem Nationalismus und ihren Ressentiments unterwandern.
Der schottische Autor Martin Walker (59, «Bruno»-Romane) sieht die Wurzeln des Votums in der Rezession, die 2008 begonnen habe, und in der sprunghaft gestiegenen Zuwanderung, der «Great Migration». «Die Brexit-Entscheidung war ein Sieg der Vergangenheit über die Zukunft, von den Alten über die Jungen, von den weniger Ausgebildeten über die Uni-Absolventen (...)», zitierte der Diogenes Verlag den Schriftsteller. Die Folgen würden düster, so Walker. Das gelte sicher für Großbritannien, wahrscheinlich für Europa und sehr wahrscheinlich auch für den ganzen Westen.
Der Ex-Oasis-Sänger Liam Gallagher (43) war entsetzt: «Haltet die Welt an, ich steige aus», twitterte der britische Musiker. Der Kommentar des TV-Satirikers Jan Böhmermann (35) klang ironisch: «Zum Glück ist es die Spezialität der Bundesregierung, Menschen zu inspirieren und Leidenschaft für gemeinsame Werte und Ideale zu wecken.»
«Überrascht und enttäuscht» zeigte sich der britische Musiker Andrew Manze. «Der Brexit ist eine Erklärung der Ablehnung von politisch-historischen Freunden und Nachbarn», sagte der Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie in Hannover der dpa. Das Vereinigte Königreich werde unter der selbst zugefügten Wunde leiden. «Meine größere Sorge aber ist die Zukunft einer zerbrochenen EU.»
Der in England lebende deutsche Comedian Christian Schulte-Loh (37) zeigte sich am Freitag im dpa-Interview «echt überrascht». Alle Leute, mit denen er gesprochen habe, hätten gesagt, der Ausstieg werde wohl nicht kommen. Was das Ganze für ihn bedeute, wisse er noch nicht, sagte Schulte-Loh, der gerade zu einem Gastauftritt im Quatsch Comedy Club in Berlin ist.
Auf Deutschland schauten die Briten mit Respekt und Anerkennung: «Man hätte, glaube ich, selber gerne so jemanden wie Angela Merkel», so der Nordrhein-Westfale, der im Londoner Viertel Lambeth wohnt.
Als Comedian wird der Brexit für ihn sicher ein Thema auf der Bühne. Natürlich vergehe im persönlich etwas der Spaß, weil er die Entscheidung schade und falsch finde. Aber: «Comedy entsteht ja immer aus Leiden und aus Tragödie.» So malt sich Schulte-Loh schon aus, wie es würde, falls Boris Johnson Premierminister würde und auf einen US-Präsidenten namens Donald Trump träfe - «das sieht dann wirklich aus wie zwei Bond-Bösewichte». (dpa)
Tweet Rowling 1
Tweet Rowling 2
Tweet Gallagher
Tweet Böhmermann 1
Tweet Böhmermann 2
Shows im Quatsch Comedy Club

 

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Kaeser eröffnet neue Siemens-Zentrale in München

Mit einem Bekenntnis zu Europa hat Siemens-Chef Joe Kaeser die neue Zentrale des Elektrokonzerns in München eröffnet. «Europa ist längst eine Selbstverständlichkeit der modernen Zivilisation geworden, und das ist gut so», sagte Kaeser am Freitag vor zahlreichen geladenen Gästen mit Blick auf das Brexit-Votum der Briten. Gerade in einer Zeit, in der Weltoffenheit und Toleranz von Manchen in Frage gestellt werde, sei es Siemens wichtig, ein einladendes und offenes neues Haus für Mitarbeiter und Besucher aus aller Welt zu bieten. «Mit unserer neuen Konzernzentrale wollen wir ein Zeichen setzen für das Miteinander von globaler Unternehmerschaft, gesellschaftlicher Integration und nachhaltigem Handeln.»
Europa werde sich durch das Votum der Briten verändern und Großbritannien auch, sagte Kaeser. Wichtig sei aber jetzt, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Entscheidung sorgfältig zu bewerten. Für Siemens selbst dürften die Auswirkungen überschaubar bleiben, erwartet der Konzernchef. «Wir haben seit jeher eine starke Wertschöpfung vor Ort.» 
Deutlicher als Kaeser wurde Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme. Das Votum sei eine «schlechte Nachricht», sagte der Manager, «das wirft uns alle zurück». Vor allem die große Verunsicherung, die dadurch geschaffen werde, könne sich «ganz schnell zu einem negativen Wachstum auswirken». Siemens werde die Entwicklung aber nicht umwerfen. «Es wird in Zukunft möglicherweise das Sahnehäubchen fehlen», doch herrsche keine «Katastrophenstimmung» bei dem Konzern.
Mit dem neuen Hauptquartier hat Siemens eine moderne Arbeitswelt für rund 1200 Mitarbeiter geschaffen. Sie umfasst unter anderem offene Bürostrukturen, Restaurants und andere gastronomische Einrichtungen sowie lichtdurchflutete Innenhöfe und ein Atrium, durch das sich Besucher und Passanten frei bewegen können. Die Baukosten belaufen sich auf einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.

 

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Wann eröffnen die neuen Primark-Filialen in der Region?

Das Angebot Primarks bewegt sich in einem ähnlichen Preisrahmen wie das des Billiganbieters Kik. Während Kik aber unter vielen jungen Menschen mit seinem Image zu kämpfen hat, passiert bei Primark in dieser Altersschicht das völlige Gegenteil. Allein die Facebookseite Primark Ingolstadt , die ganz offensichtlich nicht vom Unternehmen stammt, hat über 12.000 Likes. Auch wenn Primark im südbayerischen Raum noch nicht einmal vertreten ist, ist die Kette auch hier in dieser Altersschicht schon als Platzhirsch bekannt.
Dementsprechend kommen solche Sätze kaum überraschend: "Wie schnell wir expandieren, hängt davon ab, wie schnell wir passende Läden finden. " Dieser Satz stammt aus einem Interview mit Finanzvorstand des Primark-Mutterkonzerns Associated British Foods, John Bason. Daran scheiterte es in der Vergangenheit wohl schon häufiger. Schon mehrmals gab es Gerüchte, dass Primark im Süden Bayerns eine Filiale eröffnen will. In Augsburg konnte man sich mit dem Besitzer einer passenden Immobilie wohl nicht einigen, auch Pläne in Ulm sollen im Sande verlaufen sein.

 

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Fotos vom Bahnhofstunnel: Hier werden 1500 Tonnen Beton bewegt

Auf der Baustelle für den Straßenbahn- und Fußgängertunnel am Hauptbahnhof waren am Freitagmorgen 1500 Tonnen Beton in Bewegung: In einer etwa zweistündigen Aktion wurde ein 20 Meter breites und jeweils zehn Meter langes und hohes Betonfertigteil mit Hydraulikpressen in den Gleisbereich der Bahn verschoben. Die Arbeiter stehen dabei auch am Wochenende unter Zeitdruck: Das betreffende Bahngleis, das während der Aktion gesperrt ist, darf nur 84 Stunden zu sein – am Montagmorgen muss das Betriebsgleis der Bahn wieder befahrbar sein.
Der Zeitdruck ist auch der Hintergrund der Aktion: Der 20 Meter breite Tunnel (15 Meter davon für die Straßenbahn, fünf Meter für Fußgänger) wird seit Anfang des Jahres momentan im Bereich der Gütergleise des Bahnhofs betoniert. Üblicherweise gießen die Arbeiter erst die Bodenplatte aus Beton, dann die Wände in einer Verschalung und setzen dann die Decke drauf. Allerdings gibt es auf den 135 Metern Tunnelstrecke zwei knifflige Stellen, an denen Gleise der Bahn die Baugrube kreuzen. An diesen Stellen laufen die Schienen auf Behelfsbrücken aus Stahl über die Grube.
„An diesen Stellen haben wir wenig Zeit, um den Tunnel zu bauen, denn dafür müssen die Gleise oben gesperrt werden“, so Dietmar Orwat, Technischer Leiter bei der Projektgesellschaft der Stadtwerke. Statt die Seitenteile einzeln zu betonieren, wurde der zehn Meter lange Tunnelabschnitt ein paar Meter neben der Behelfsbrücke betoniert und am Freitagmorgen rund acht Meter weit geschoben. Auf Stahlträgern und Teflonkissen glitt das Tunnelmodul – geschoben von Hydraulikpressen einer Spezialfirma – in seine endgültige Position. In der kommenden Woche steht bei einer zweiten Brücke eine ähnliche Aktion an. Der Rest des Tunnels wird dann auf herkömmliche Weise betoniert.
Laut Stadtwerken befinden sich die Arbeiten auf beiden Seiten des Tunnels aktuell im Zeitplan. In diesem Jahr soll im Westen der Tunnel unter den Gütergleisen fertiggestellt werden, im Osten zu Innenstadt hin wird das letzte Teilstück unter dem Bahnhofsvorplatz gebaut. Deshalb ist seit einigen Wochen ein Teil des Vordachs des Bahnhofsgebäudes abgebaut. Es wird nach den Bauarbeiten wieder aufgestellt. Kommendes Jahr soll dann der Tunnel unter dem Bahnhofsgebäude gegraben werden. Dann wird ein Teil der Haupteingangshalle gesperrt sein, weil dort eine Baugrube klafft.

 

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Seehofer: Union will Brexit-Herausforderung gemeinsam gerecht werden

Die Entscheidung der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union sei ein historischer Moment und die Union habe große historische Prozesse von der Sozialen Marktwirtschaft bis zur Wiedervereinigung immer gemeinsam gestaltet, sagte Seehofer zu Beginn einer Klausur der Spitzen von CDU und CSU am Freitagabend in Potsdam. «Wir sind jedenfalls entschlossen, dieser historischen Herausforderung gerecht zu werden. (...) Die Union ist dafür bestens legitimiert.»

 

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Tipps zum Wochenende: Nicht nur die Sommernächte rufen!

Keine Frage: Die Sommernächte sind DAS Highlight am kommenden Wochenende in und um Augsburg. Die Voraussetzungen könnten besser nicht sein: Bis Samstag sagen die Meteorologen Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad voraus. Die Nächte dürften als wahrlich "sommerlich" werden.
Wer sich an diesem Abend, sowie am Freitag und Samstag – täglich von 17 bis 1 Uhr – durch die Innenstadt treiben lässt, wird unterschiedliche kulturelle Angebote erleben: Es gibt insgesamt 80 Events an 13 Plätzen. Was konkret geboten ist, wo der Verkehr fließt, wo Bus und Tram fahren und wie die Besucher den Überblick behalten, lesen Sie hier.
Aber auch über die Sommernächte hinaus ist zwischen Ulm, Augsburg und München am Wochenende viel geboten. Egal ob Theater, Musical oder Party - in unseren Tipps zum Wochenende finden sie eine breite Auswahl an Freizeitveranstaltungen. Viel Spaß!
20.30 „Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche“, von Alina Bronsky; Theater Augsburg/Hoffmannkeller, Kasernstr. 4–6, Tel. 08 21/3 24 49 00
22.00 Electro City & Harry Schwarz & Gary Beat & Bezau_bernd & Herr Lindemann, Techno, Minimal; Ballonfabrik, Austr. 27
23.00 Counterstrike & Cutana, Drum, Bass; Soho Stage, Ludwigstr. 32
20.30 „Toutou“, Komödie ohne Hund, von D. Besse und A. Tutenuit, (bei Regen im Neuen Theater, Tellerstraße 12); Schlosshof, Tel. 01 72/4 72 22 04
20.30 „Monty Python’s Spamalot“, Premiere, Musical nach dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“, von Eric Idle und John du Prez; Theater am Turm Baur, Brückenkopf 3, Tel. 08 41/30 54 72 00
19.00 „Die Rosenkriege“, nach William Shakespeare, mit dem LTS, Premiere; Stadttheater/Großes Haus, Theaterplatz 2, Tel. 0 83 31/94 59 16
19.30 „Viktoria und ihr Husar“, Operette v. P. Abraham, mit dem Gärtnerplatztheater; Prinzregententheater, Prinzregentenplatz 12, Tel. 0 89/21 85 28 99
20.00 „Mit 17 hat man noch Träume“ (auch Sa.), Comedy-Revue v. D. Voßberg-Vanmarcke und K. Vanmarcke, mit P. u. V. Malente; Bayerischer Hof, Promenadeplatz 2, Tel. 0 89/29 16 16 33
20.00 „Hot pepper, air conditioner and the farewell speech“, von Toshiki Okada, Premiere; Kammerspiele/Kammer 2, Falckenbergstr. 1, Tel. 0 89/23 39 66 00
20.00 „König Ödipus“, von Sophokles; Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, Tel. 0 89/21 85 19 40
20.00 Carmina Burana meets Haindling, cross-over-project; Gasteig, Rosenheimer Str. 5, Tel. 0 89/54 81 81 81
21.00 Peter Cudek Trio; Jazzclub Unterfahrt, Einsteinstr. 42, Tel. 0 89/4 48 27 94
20.30 Hans-Georg Panczak, Lesung über zeitgenössische und antike Heroen u. a. mit Star-Wars-Texten; Kleine Olympiahalle, Spiridon-Louis-Ring 21, Tel. 0 89/54 81 81 81
20.00 Gogol & Mäx und Knabenkapelle; Stadtsaal Klösterle, Beim Klösterle 1
19.30 Albert Hammond; Klosterhof, Söflingen, Tel. 01805/700733
20.00 We Banjo 3, Irish Folk; Ulmer Zelt, Friedrichsau, Tel. 07 31/9 60 85 13
11.30 „Renaissancefest“, Tanz, Musik, Handwerk, Feuershow und Mitmachaktionen; Botanischer Garten/Gärtnerhalle, Dr.-Ziegenspeck-Weg
12.00 „Schwabentag 2016 – Tag der Begegnung“, zum Thema „Inklusion“, u. a. Kunst, Theater, Sport, Eintritt frei; Messe Augsburg/Halle 7, Am Messezentrum 5
20.30 „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, nach dem Roman v. Olga Grjasnowa; Theater Augsburg/Hoffmannkeller, Kasernstr. 4–6, Tel. 08 21/3 24 49 00
20.30 „Kunst“, von Y. Reza, Premiere; Sensemble-Theater, Freilichttheater Ja-koberwallturm, Vogelmauer 46, Tel. 08 21/3 49 46 66
23.00 Tanzwaldvisionen, Psychedlic Sound; Soho Stage, Ludwigstr. 32
16.00 u. 20.00 „Winnetou II“; Western-City, Neulwirth 3, Tel. 0 82 05/9 62 48 72
20.00 Walwalzer, Premiere, Projektentwicklung des Jugendspielclubs d. Stadttheaters Ingolstadt; Theater/Kleines Haus, Schlosslände 1, Tel. 08 41/30 54 72 00
20.30 „Monty Python’s Spamalot“, Musical nach dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“, von Eric Idle und John du Prez; Theater am Turm Baur, Brückenkopf 3, Tel. 08 41/30 54 72 00
15.30 „Marathon Faust I & II“, von Goethe, Thalia Theater Hamburg; Kammerspiele/Kammer 1, Maximilianstr. 26–28, Tel. 0 89/23 39 66 00
19.00 „Tosca“, Oper v. Puccini; Bayerische Staatsoper, Max-Joseph-Platz 2, Tel. 0 89/21 85 19 20
19.30 „Schuld und Sühne“, nach Dostojewski; Volkstheater/Kleine Bühne, Brienner Str. 50, Tel. 0 89/5 23 46 55
19.30 „Viktoria und ihr Husar“, Operette v. P. Abraham, mit dem Gärtnerplatztheater; Prinzregententheater, Prinzregentenplatz 12, Tel. 0 89/21 85 28 99
20.00 „Torquato Tasso“, von Goethe; Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, Tel. 0 89/21 85 19 40
20.00 „Wir sind Gefangene“, Stück v. O. M. Graf; Marstalltheater, Max-Joseph-Platz 1, Tel. 0 89/21 85 19 40
20.00 „Der neue Mensch. Vier Übungen in utopischen Bewegungen“, von Ligna; Kammerspiele/Kammer 2, Falckenbergstr. 1, Tel. 0 89/23 39 66 00
11.15 Orgelsommer: Martin Baker, London; Mariä Himmelfahrt, Ludwigstraße 167
15.00 „Marathon Faust I & II“, von Goethe, Thalia Theater Hamburg; Kammerspiele/Kammer 1, Maximilianstr. 26–28, Tel. 0 89/23 39 66 00
18.00 Opernfestspiele: „La Juive“, Oper v. F. Halévy, Premiere; Bayerische Staatsoper, Max-Joseph-Platz 2, Tel. 0 89/21 85 19 20
18.00 „Mit 17 hat man noch Träume“, Comedy-Revue v. D. Voßberg-Vanmarcke und K. Vanmarcke, mit P. u. V. Malente; Bayerischer Hof, Promenadeplatz 2, Tel. 0 89/29 16 16 33
18.00 „Du Welt meiner Träume“, Operettengala mit dem Gärtnerplatztheater; Prinzregententheater, Prinzregentenplatz 12, Tel. 0 89/21 85 28 99
19.00 „Hexenjagd“, von A. Miller; Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, Tel. 0 89/21 85 19 40
20.00 „Dämonen“, von Lars Norén; Volkstheater/Kleine Bühne, Brienner Str. 50, Tel. 0 89/5 23 46 55
20.00 „Figaros Hochzeit“, Oper v. Mozart; Kammerspiele/Kammer 1, Maximilianstr. 26–28, Tel. 0 89/23 39 66 00
20.00 „Der neue Mensch. Vier Übungen in utopischen Bewegungen“, von Ligna; Kammerspiele/Kammer 2, Falckenbergstr. 1, Tel. 0 89/23 39 66 00
14.00 „Lohengrin“, Oper von Richard Wagner; Theater Ulm/Großes Haus, Herbert-von-Karajan-Platz 1, Tel. 07 31/1 61 44 44
18.00 Michail Uryvaev, Cello-Suiten von Bach (1, 3, 5); Gartenpalais der Schaezler, Schaezlerstraße 9
20.00 „Augsburg goes Hollywood – Highlights der Filmmusik“, Augsburger Philharmoniker & Philharmonischer Chor, Isabell Münsch (Sopran), Ltg. W. Reß; Kongress am Park, Gögginger Str. 10
20.00 Kantine goes Soho: Wolf Down & Felony & Waves like Walls, Hardcore, Metal; Soho Stage, Ludwigstr. 32
17.00 Neue Nürnberger Ratsmusik, Michaela Zeitz, Sopran, Werke v. Pergolesi, Vivaldi u. a.; St. Vitus, Druisheim, Fuggerstraße  2
17.00 Residenzkonzerte: Concert Royal Köln, K. Schröter, Barockoboe; Residenzschloss/Festsaal, Schlossstr. 1, Karten 09082/70952
19.30 „Frisch gestrichen“, „... on Broadway“, Benefizkonzert; Kurhaus/Saal, Hauptstr. 16, Tel. 0 82 47/99 33 57
15.30 Martina Herz, Gospels und Spirituals; Kloster/Abteikirche, Oberschönenfeld, Tel. 0 82 38/9 62 50
17.00 „Winnetou II“; Western-City, Neulwirth 3, Tel. 0 82 05/9 62 48 72

 

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Fotos, Video, Eindrücke: Spazieren Sie mit uns über die "Sommernächte"

Vielleicht liegt es daran, dass die vielen Besucher am Eröffnungsabend ausgehungert nach Sommer sind, oder am neuen Konzept oder der guten Kooperation aller Beteiligten – die Stimmung bei den Augsburger Sommernächten ist von Anfang an so, wie es sich für Sommernächte seit Shakespeare und Joe Cocker gehört: lässig und magisch. Ein bisschen was von „Mittsommernachtstraum“ und ein bisschen was von „Summer in the City“, wo es so schön heißt „But at night it’s a different world“ – Aber in der Nacht ist es eine andere Welt.
Gänzlich verändert ist die Welt am Rathausplatz, wo Lichtprojektionen alle Gebäude rundum funkeln lassen und eine Bühne für die Augsburger Philharmoniker neben der Radio Fantasy Lounge thront. Promi-Auflauf zur Eröffnung am Donnerstagabend: Bürgermeisterin Eva Weber und CIA-Geschäftsführer Heinz Stinglwagner steht die Freude darüber ins Gesicht geschrieben, nun endlich die verdienten Lorbeeren für jahrelange Konzept-Überlegungen und monatelange Vorbereitungen ernten zu können.
Sie bekommen einen Riesenapplaus und dann spielen die Augsburger Philharmoniker. Beim „Entertainer“ summen und wippen die ersten Besucher mit und spätestens bei Filmmusiken wie „Fluch der Karibik“ sind alle aus dem Häuschen. Ein Mann mit markantem Schnauzbart hat einen Liegestuhl ergattert, funktioniert das Tischchen daneben um und trommelt versonnen mit.
Am Rand der Klassikbühne steht der König von Augsburg und erzählt, dass er dank seiner Zeit beim Fanfarenzug in Ravensburg die Lautstärke großer Orchester mag. Warum er hier ist? „Ein Haufen Leute, kein Verkehr, die Maxstraße so festlich, Atmosphäre, Sommer, Musik – es gibt viele Argumente für dieses Fest.“
+++ Hier geht's zum Facebook-Video vom ersten Abend +++
Nicht nur ältere Besucher und Theater-Abonnenten wollen die Klassiker hören, hier wie überall und die ganze Nacht lang trägt die Sommernächte ein Wir-Gefühl: Hipster mit Hut neben Rentnern mit Rollator, Spirituelles in St. Ulrich neben Spirits rund um die Mahagoni-Bar, köstliche Bio-Burger neben schnellem Junkfood. 80 Veranstaltungen an 13 Orten entlang der Maxstraße, am Kö und auf dem Stadtmarkt, machen es möglich.
Am Steigenberger gönnt man sich Champagner und am nächsten Mülleimer sucht Pfandflaschen-Sammler Ricci Leergut, das er morgen in Münzen umsetzen kann. Auch das sind die Augsburger Sommernächte. Neidisch auf die Champagner-Gesellschaft ist Ricci nicht, auch er macht ja heute „ein gutes Geschäft und die Musik ist überall umsonst.“
Alle lassen sich treiben und bummeln die verschiedenen Veranstaltungsorte ab. Bei den kleinen Bühnen der Neuen Szene gibt es spanische Gitarrenmusik, französische Crêpes und ein Student aus Fürstenfeldbruck: Marwin Dialer wohnt jetzt am Milchberg und hat also nur die Wahl zwischen Ohrstöpseln oder Mitfeiern. Wie fast alle Anwohner hat er sich für letztes entschieden.
Manche Besucher wie Vincent Schulan steckten beim letzten Maxstraßenfest Jahr 2010 noch in Windeln – aber jetzt ist der Sechsjährige schon groß genug, um ein Jazz-Fan zu sein und zieht seine Mama zur Bühne des Jazzclubs am Fugger-Platz.
Andere wie der junge Lehrer Daniel Hanberger aus Neusäß erinnern sich noch gut an die Max-Feste und freut sich, „dass es endlich wieder ein Innenstadtfest gibt. Ich schau jetzt mal auf den kleineren Bühnen nach Bands, die ich kenne.“
Ein paar Bohemians haben selbst Gitarren dabei und singen und tanzen spontan mit. Die Familien- und Sexualtherapeutin Andrea Krämer ist begeistert, wie die Augsburger heute aus sich herausgehen, und will ebenfalls tanzen, „eigentlich überall aber am allerliebsten zu lateinamerikanischer Musik.“ Bei der Silent Disco, der stillen Disko im Garten des Drei Mohrens schaut es lustig aus, wie Menschen sich stumm mit Micky Mouse-Kopfhörern auf den Ohren bewegen – aber sobald man selbst einen aufhat, taucht man ein in eine zauberhafte Atmosphäre und als alle „I Gotta Feeling“ mitgrölen ist es dann auch nach außen gar nicht mehr so still. Niemand zählt die Stunden.
Als es auf Mitternacht zugeht, tanzt an der Bühne des Jazzclub am Fuggerplatz jemand zu „I Will Survive“ einen Pflanztopf mit Kirschlorbeer an, aber das ist um diese Zeit auch egal. Mitgehen muss man bei allerfeinsten Klängen von „Jazz and the City“ und der fantastischen Stimme von Andrea Beschle.
Lauter verzauberte Besucher, die bei einem letzten Hugo die Vorfreude auf zwei weitere Sommernächte am Freitag und Samstag pflegen. Und dann? Die Laune stände den Augsburgern nach weiteren Sommernächten in den nächsten Jahren und Eva Weber resümiert, als sie spät nachts noch auf dem Balkon sitzt: „Die Sommernächte passen zum Lebensgefühl hier, gerade weil sie so vielfältig und offen sind wie unsere Stadt.“

 

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Wetter-Regel beim Siebenschläfertag: So soll der Sommer werden

Eine Regel zum Siebenschläfertag lautet: "Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt. " Und eine andere: "Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne. " Laut diesen Bauerregeln entscheidet das Wetter am Siebenschläfertag 2016 also darüber, wie der Sommer in diesem Jahr ausfällt.
Aber was ist eigentlich dran an dieser Regel zum Siebenschläfertag? Und bewahrheitet sie sich regelmäßig?
Der Siebenschläfertag hat eine Bedeutung, die erst einmal gar nicht mit dem Wetter zusammenhängt. Er bezieht sich auf eine Legende von sieben schlafenden Jünglingen, die in der Zeitung der Christenverfolgung angeblich in eine Höhle ieingemauert wurden und dort 195 Jahre schliefen. Als sie dort laut Legende im Jahr 446 entdeckt wurden, sollen sie wieder erwacht sein - und so den Glauben an die Wiederauferstehung gestärkt haben.
Im 16. Jahrhundert wurde der Siebenschläfertag dann mit der Regel verbunden, dass das Wetter sieben Wochen lang anhalten soll. Und das hat sich bis heute gehalten - da diese Vorhersage laut Statistiken tatsächlich zu 62 bis 70 Prozent zutrifft.
Was ist der Grund dafür, dass die Regel zum Sieberschläfertag wirklich so oft recht hat und eine ungefähre Vorhersage für die nächsten sieben Wochen im Sommer treffen kann? Die Begründung hat nichts mit höheren Mächten zu tun. Laut Meteorologen herrscht Ende Juni und Anfang Juli generell eine Großwetterlage, in der der Wechsel  zwischen Warm- und Kaltluft stabil ist.

 

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Das ist die Erfolgsgeschichte des Joshua Kimmich

In Zukunft drehen sich mehr Menschen nach Joshua Kimmich um. Bisher kann der 21-Jährige recht unerkannt durch München gehen, berichtet er. Das zumindest ändert sich nach der Europameisterschaft. Kimmich hat gegen Nordirland sein erstes Pflichtspiel für die deutsche Nationalmannschaft bestritten, sein zweites folgt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Sonntag im Achtelfinale gegen die Slowakei folgen. Dann wird er wieder über die rechte Seite das Spiel ankurbeln und rund 30 Millionen Zuschauern fühlen sich an Philipp Lahm erinnert.
Der agierte in jungen Jahren ähnlich unaufgeregt. Lahm war es auch, der Kimmich eine SMS schrieb und ihm zu seiner Leistung gegen Nordirland gratulierte. Dass der Defensivallrounder deswegen seine Bodenhaftung verliert, ist unwahrscheinlich. Zusammen mit seiner jüngeren Schwester Deborah wohnt er in einer WG in München. Während sie studiert, trainiert er zusammen mit Thomas Müller, Robert Lewandowski und Manuel Neuer. Mutter Anja ruft häufig an, um dem Sohn am Herd zu helfen. Schließlich soll es nicht jeden Tag Nudeln mit Tomatensauce geben. Bevor er seine Profikarriere startete, legte er sein Abitur mit 1,7 ab., konnte sich auch ein BWL-Studium vorstellen.
Im vergangenen Jahr aber überwiesen die Bayern rund sieben Millionen an den VfB Stuttgart. Sieben Millionen für einen 20-Jährigen, der gerade einmal ein Jahr in der Zweiten Liga gekickt hat. Unverantwortlich viel Geld für ein Talent. Heute gelten nicht mehr die Bayern als verrückt, weil sie das Geld gen Stuttgart überwiesen, sondern der VfB, weil er Kimmich ziehen ließ. Zuvor hatten die Schwaben ihn ja schon an RB Leipzig ausgeliehen, weil sie keine Verwendung für ihn hatten.
Kimmich entwickelte sich formidabel. Das erste Jahr in München war als reines Lehrjahr gedacht. Ein wenig bei den großen Meistern Xabi Alonso und Thiago lernen, sich das ein oder andere abschauen. So lief es dann auch hauptsächlich in der Vorrunde. Sein zweites Bundesligaspiel von Beginn an bestritt er im November - gegen Stuttgart. Die Bayern gewannen 4:0 und anschließend trug VfB-Trainer Alex Zorniger seinen Hang zum offenen Wort offen zur Schau. Er würde "gerne jeden erschlagen, der an dieser Entscheidung beteiligt war", umschrieb er seine Gefühlslage bezüglich des Weggangs von Kimmich. Der lernte immer schneller. War eigentlich als Mittelfeldspieler eingeplant worden, spielte dann aber auch rechter Verteidiger und als die Not besonders groß war in der Defensivzentrale. Kimmich machte das auffällig unauffällig, fügte sich einfach in das Kombinationsspiel der Bayern an und Pep Guardiola entwickelte väterliche Gefühle. "Er ist wie ein Sohn für mich", sagte er über Kimmich.
Der Zögling bekam das Vertrauen gegen Juventus und gegen Dortmund, stand im Pokalfinale 120 Minuten auf dem Platz. Die Berufung in den EM-Kader überraschte kaum mehr. Wie abgeklärt er dann auch gegen die Nordiren agierte, wunderte zumindest Manuel Neuer nicht: "Ich weiß, wie cool Joshua ist und dass er die Aufgabe gut lösen kann. " Kimmich gibt die Blumen an den Torwart sofort wieder zurück. Schließlich könne man von Neuer viel lernen. Lediglich die Niederlage im Tennisduell gegen den Keeper am trainingsfreien Donnerstag habe ihm nicht so gefallen. Was er auch nicht mag, ist die falsche Aussprache seines Namens. Das "h" in seinem Namen sei lediglich aus optischen Gründen in den Ausweis gerutscht, gerufen möchte er aber Josua werden.
Sollte er zusammen mit der Mannschaft am Sonntag erfolgreich sein, verdient er bei dieser Europameisterschaft erstmals auch Geld. Der Einzug ins Viertelfinale würde 50.000 Euro bringen. Bei einem vorzeitigen Aus, müsste der DFB keine Prämie zahlen - beim Titelgewinn hingegen 300.000 Euro pro Spieler.
Offen ist noch, ob Jerome Boateng gegen die Slowakei mithelfen kann, die ersten 50.000 Euro zu verdienen. Das Mannschaftstraining am Freitag musste er noch ausfallen lassen. Seine Wadenprobleme ließen lediglich eine Laufeinheit zu. Ob er spielen kann, entscheidet sich erst nach dem Abschlusstraining am Samstag. Falls es nicht reichen sollte: Kimmich hat Boateng auch schon beim FC Bayern vertreten.

 

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Wir leben in Deutschlands staubigstem Haus - Stuttgart - Bild.de

eWieder nichts. Erst 2018 sollen an Deutschlands schmutzigster Kreuzung weniger Autos vorbeirollen. So verspricht es das Land vor Gericht. Doch diese Mieter können so lange nicht warten.
WIR LEBEN IN DEUTSCHLANDS STAUBIGSTEM HAUS!
Was die Bewohner berichten und um welches Haus es sich genau handelt, lesen Sie hier mit BILDplus!

 

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Rezept "Rehrücken mit Kohlrabigemüse"

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NDR.de - Fernsehen - Sendungen A-Z - NDR Talk Show

Welcher Sportart ist Marcel Reif von früher Jugend an verfallen? Wie heißt die neue CD von Linda Hesse? Beantworten Sie unsere fünf Fragen zu den Gästen der Sendung am Freitag, 24. Juni , und gewinnen Sie zwei Eintrittskarten für eine der nächsten Sendungen der NDR Talk Show! Die Studio-Plätze für diesen TV-Klassiker sind heiß begehrt. Nutzen Sie also die Chance und erleben Sie die Gastgeber Hubertus Meyer-Burckhardt und Barbara Schöneberger und ihre prominenten Gäste live beim NDR Fernsehen in Hamburg!
Und so geht's:
- Es werden Ihnen fünf Fragen gestellt.
- Pro Frage geben wir drei Antwortmöglichkeiten vor, von denen nur eine richtig ist.
- Um an dem Gewinnspiel teilzunehmen, müssen Sie alle Fragen richtig beantworten. Wenn's bei einer Frage daneben geht, starten Sie einfach noch einmal.
Das können Sie gewinnen:
Unter allen Teilnehmern verlosen wir 1 x 2 Karten für die NDR Talk Show.
Einsendeschluss: Montag, 27. Juni, 23.59 Uhr.
Viel Glück!
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NDR und deren Angehörige sind nicht gewinnberechtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

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Rewe und Coop: Eine schön verpackte Übernahme

Tag der Entscheidung bei Coop: Die gewählten Vertreter der rund 76.000 Teilhaber der Genossenschaft müssen am Sonnabend entscheiden, ob sie dem geplanten Joint Venture mit Rewe zustimmen. Und die Genossen müssen offenbar darüber abstimmen, ob sie ihren eigenen Einfluss auf das Unternehmen faktisch aufgeben. Denn nach Recherchen von NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin hätte Rewe die weitreichende Kontrolle über das zukünftige Geschäft. Auch die Umwandlung von ersten Sky-Supermärkten in Rewe-Märkte ist vertraglich bereits geregelt. Ohne die Hilfe von Rewe stünde Coop aber wohl vor dem Aus, eine echte Wahl haben die Genossen deshalb kaum.
Dabei klang am Anfang alles so harmlos. In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten die beiden Unternehmen im vergangenen Mai, die bereits bestehende Partnerschaft "auf eine neue strategische Stufe" heben zu wollen. Coop könne so "noch besser" von Synergien mit Rewe profitieren. Man wolle den "genossenschaftlichen Gedanken" weiterhin mit Leben füllen und "aktiv die Weichen für eine sichere Zukunft" stellen. Wirtschaftliche Probleme waren in der Mitteilung allenfalls angedeutet.
Dabei war die Lage längst katastrophal. Das geht aus einem internen Gutachten hervor, das NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin vorliegt. Darin heißt es: "Eine Fortführung der bisherigen operativen Geschäftstätigkeit" sei im März nicht möglich gewesen. Das Bankenkonsortium hatte schlicht den Geldhahn zugedreht und für nötige Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro keinen neuen Kredit mehr gegeben. Denn die Coop hatte im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 7,6 Millionen Euro eingefahren - noch mal deutlich mehr als im Jahr zuvor.
Insgesamt wurde ein Jahresfehlbetrag von 14,5 Millionen Euro ausgewiesen. Im ersten Quartal 2016 hatte sich die Lage weiter zugespitzt. Die Banken weigerten sich, weitere Kredite für nötige Investitionen zu vergeben. Sie forderten eine Art Notfall-Szenario umzusetzen, das in früheren Vereinbarungen mit dem Kooperationspartner Rewe bereits verhandelt worden war. Dieses Modell steht nun zur Diskussion. Coop und Rewe gründen eine gemeinsame Gesellschaft, in das die Coop ihr komplettes operatives Geschäft einbringt - von Rewe kommt eine Millionen-Finanzspritze. Wie das Modell funktioniert, ist in der folgenden Blätterbox erklärt.
Es wäre eine Lösung, die für die Coop-Besitzer (rund 76.000 Genossenschaftsmitglieder) die komfortabelste wäre: Sie behalten ihre Anteile, bekommen jährlich wie bisher eine Dividende ausgeschüttet und können weiterhin mit ihrer Rabatt-Karte vergünstigt einkaufen – wenn die Planungen aufgehen. Daran haben aber die Gutachter offenbar ihre Zweifel. Sie schreiben: "Wir halten diese Geschäftsplanung (…) für ambitioniert. "
Aber auch wenn die Planungen der Coop-Leitung aufgehen, könnte der Anteil von Coop noch schrumpfen. Die Gutachter halten nämlich fest, es sei vor dem Hintergrund der Lage bei Coop "nicht auszuschließen", dass vor dem Eintritt von Rewe "zusätzliche finanzielle Mittel benötigt werden. " Dann würde Rewe wohl weitere Millionen in die Gesellschaft schießen. Der Anteil von Coop an der neuen Gesellschaft könne sich dadurch erheblich reduzieren – und damit auch die möglichen Erträge für die Genossen.

 

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Mark Forster: Bilder vom Mega-Auftritt auf der Kieler Woche

Er hat uns alle geflasht: Mark Forster hat den Ostseekai auf der Kieler Woche aus allen Nähten platzen lassen. Über 13.000 Menschen sind zur N-JOY Bühne an der Förde gekommen, um den smarten Berliner zu feiern.
So viel wie am Donnerstagabend war selten los an der Bühne direkt am Wasser. Eingefleischte Fans warteten schon seit 15 Uhr auf ihren Mark, und noch bevor es losging, war das Gelände so voll, dass keiner mehr drauf kam. Der Musiker zieht einfach die Massen an! Und sein Auftritt auf der Kieler Woche hat mal wieder gezeigt, was den Ausnahmemusiker so unfassbar sympathisch macht.
Hach, wie viel positive Energie Mark Forster auf der Bühne versprüht! Wenn er nicht singt, lacht er ....
...und er lacht ...
... und er lacht.
"Meine Schwester und ich haben ein sehr gutes Verhältnis. Aber wir sagen uns nicht jeden Tag, dass wir uns lieb haben", verrät Mark auf der Bühne.
Und um seiner kleinen Schwester Natalie mal zu sagen, wie gern er sie hat, schreibt Mark ihr ein Lied. Er schickt es ihr per Mail und fragt, ob er es veröffentlichen darf. "Sie war gerade bei der Arbeit und musste weinen. Und dann hat sie es ihren Kollegen vorgespielt, und dann haben alle geweint", erzählt Mark. Ein Bruder zum Niederknien!
Ob bei seinen neuen Songs wie "Wir sind groß" oder bei älteren wie "Flash mich" - die Menge sang wortsicher mit. Kein Wunder: Der Sänger, der seine Songs selbst schreibt, trifft den Nerv der Zeit.
Mark steht auf richtige Instrumente - wir auch! Echte Menschen mit echten Saxophonen, Posaunen und Co. stehen auf der Bühne und sorgen für den unvergleichlichen Sound. Dafür ein offizielles: We like!
Unfassbar, wie viele Menschen zum Mark Forster Konzert kamen! Er zieht sie einfach an, der Mark - ob groß oder klein.
Klar, bei seinen ruhigen Stücken macht auch Mark ein bisschen langsamer. Wenn es aber heißer zugeht auf der Bühne, ist der Sänger gar nicht zu stoppen. Ganz geil!
Auf der Bühne ist Mark Profi durch und durch - doch nach dem Gig wird hinter der Bühne noch gekickt, wie damals als kleiner Junge auf der asphaltierten Straße. Fußballkind bleibt eben Fußballkind - wie auch als EM-Reporter für N-JOY.
Auch wenn es immer nur "Mark Forster" heißt, steht ja nicht nur Mark Forster auf der Bühne - klar. Aber das macht der Sänger gerne deutlich: Seinen Jungs an den Instrumenten wendet sich Mark regelmäßig zu....
... beim Abschlusslied kommt die ganze Truppe mit nach vorne ...
... und am Ende gibt's eine Gruppenumarmung. Die Band und der Sänger verstehen sich - und das merkt und hört man.
Er ist stets freundlich, nett, bescheiden - und am Ende des Konzerts verbeugt sich Mark respektvoll vor seinem Publikum. Ein wahrer Gentleman eben!
Egal, wie stressig es auch sein mag: Mark nimmt sich stets Zeit für seine Fans und beantwortet Fragen. So auch während der Kieler Woche beim Meet&Greet im Backstagebereich vor traumhafter Ostsee-Kulisse.
Mark ist für euch als unser offizieller EM-Reporter in Frankreich unterwegs. Regelmäßig schickt er uns Bilder und berichtet von seinen Eindrücken vor Ort.
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Klickt euch durch die Künstler auf der N-JOY Bühne.
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„Die Alten sollten sich schämen“ – Reaktionen junger Londoner*innen auf den Brexit

Sie jubelten und sie schrien, doch am Ende stand nur die Enttäuschung in ihren Gesichtern: Bis 5 Uhr morgens fieberten die Besucher*innen des Londoner Pubs „The Lexington“ während der Auszählung des Referendums mit. Wann immer eine Region sich für „Remain“ ausgesprochen hatte, applaudierte und johlte die Menge. Wenn auf der Video-Leinwand Ukip-Chef Nigel Farage zu sehen war, gab es nur vereinzelte, einsame Klatscher zu hören, manche Besucher*innen riefen „Fuck You“. Hätte man nicht gewusst, dass es hier um Politik geht, hätte man es für das Finale der Fußball-Europameisterschaft halten können. Es war ein emotionaler Abend, und genauso emotional waren einige der Reaktionen nach der großen Ernüchterung.
[Alle Informationen zum Brexit findet ihr in unserem Newsblog.]
„Ich glaube, wir sehen den erneuten Aufstieg von Faschismus in Europa, und ich habe nie gedacht, dass das in meinem Land passieren würde. Ich bin so enttäuscht, ich bin so verletzt, und ich bin wirklich sauer auf die Leute, die das getan haben.
Die Jungen wollen ein Teil von Europa sein, es war vor allem die ältere Generation, die für Leave gestimmt hat. Die Alten haben sich für die Vergangenheit entschieden. Dabei müssten sie es besser wissen: Sie haben Spaltung und Kriege in Europa und auf der ganzen Welt viel stärker erlebt. Sie sollten sich schämen.“
„Alle unsere Jobs im Baugewerbe werden von Ausländern weggenommen. Das war der Hauptgrund für mich, für Leave zu stimmen. Ich denke, jetzt haben wir die Kontrolle zurück und können Großbritannien zu einem besseren Land machen.”
„Viele Leute machen da eine große Sache draus. Es ist ein wenig wie zu sagen “Oh, das Bienensterben hat begonnen.” Ich meine: Na und? Ich glaube einfach nicht, dass sich nach dem Referendum groß was verändern wird. Mich persönlich betrifft es nicht.”
„Ich kann wirklich nicht ausdrücken, wie ich mich gerade fühle. Ich bin unheimlich enttäuscht. Ich kann einfach nicht fassen, was gerade passiert ist, und ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weitergehen soll. We are a fucking stupid country. Ich kann einfach nicht glauben, dass wir so abgestimmt haben. Es gibt so viele ignorante Leute in Großbritannien. Wir haben doch nicht mehr das Jahr 1945. Es ist einfach ein trauriger Tag. Für Großbritannien und für Europa.“
„Es ist ein sehr schlechtes Ergebnis für ganz Europa und vor allem Großbritannien. Die Menschen hier werden sehr darunter leiden: Für alles, was sie importieren, werden sie ab jetzt mehr zahlen müssen. Außerdem hilft das Ergebnis all den rechtspopulistischen Strömungen in Europa. Ich glaube, als nächstes wird Premierminister David Cameron zurücktreten. Was danach kommt, weiß ich nicht.“
„Ich habe für Leave gestimmt, aber aus anderen Gründen, als die von Leuten wie Nigel Farage und Boris Johnson. Die Europäische Union hat in ihrer Verfassung eine neoliberale Doktrin verankert, die voll auf Deregulierung ausgerichtet ist. Das Problem ist, dass die EU – zum Beispiel durch den Fiskalpakt und den Euro-Plus-Pakt – das “deficit spending” nicht erlaubt, also dass ein Staat in einer Rezession Schulden aufnehmen kann, um die Wirtschaft anzukurbeln. Außerdem werden dadurch Ausgaben für soziale Maßnahmen erschwert. Der Slogan “Take Back Control” ist meiner Ansicht nach korrekt, aber es geht nicht um Migration, sondern um soziale Wirtschaftspolitik. Indem wir die EU verlassen, können wir sagen: Damit stimmen wir nicht überein. Es gibt einen besseren Weg.“
„Ich bin frustriert und am Boden zerstört. Ich denke, die Leave-Wähler haben aus einem Nostalgie-Gefühl heraus abgestimmt. Mit der Erinnerung an eine Kultur, die schon lange verloren ist. Die heutige Kultur basiert auf einem Mix aus verschiedenen Kulturen, und das ist wichtig. Wenn man sich sagt “Eine Zivilisation, eine Kultur”, dann ist sie dazu verdammt, unterzugehen. Ich hätte gerne, dass Großbritannien ein wenig mehr wie London wird. London ist ein großartiges Beispiel für einen Mix verschiedener Kulturen. Es ist einfach schade, dass das nicht für den Rest des Landes gilt.“
„Ich komme aus Paris, lebe aber seit drei Jahren in London und habe mich für die Remain-Kampagne engagiert. Ich durfte ja nicht wählen gehen, das war also das Einzige, was ich tun konnte. Und jetzt bin ich wirklich geschockt. Ich glaube an das europäische Projekt: Trotz aller Fehler, die es hat, ist es eine gute Sache. Doch nach diesem Ergebnis wird es sicher auch in Frankreich mehr Leute geben, die dem Beispiel der Briten folgen wollen. Es liegen schwierige Zeiten vor uns. Es wird mehr Extremismus, mehr Nationalismus und mehr Angst geben.“

 

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Warum flog Minister Müller 1. Klasse? - Politik Inland - Bild.de

Mit sechs Ministern trat Kanzlerin Angela Merkel (61, CDU) am 11. Juni ihren Staatsbesuch in China an. Doch ein Minister machte eine Extra-Tour: Entwicklungsminister Gerd Müller (60) flog vorab - in der 1. Klasse!
Lesen Sie exklusiv mit BILD-Plus, wie es dazu kam und wie viel Zusatz-Kosten für den Steuerzahler dieser Extra-Trip verursacht hat.

 

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BILD bei der rettenden Nasen-OP - Berlin - Bild.de

Haartransplantation, Wangen- und Brustimplantate. Die Liste der Schönheitsoperationen von Rodrigo Alves (32) ist lang. Er investierte 400   000 Euro, weil er aussehen will wie Ken! Doch sein Traum von makelloser Schönheit wurde zu einem Albtraum. 
Nach seiner letzten Schönheits-OP im Februar zog sich Alves eine Infektion zu, bei der Bakterien ein Loch in seine Nase fraßen. Heute kann er kaum noch durch die Nase atmen. 
Ein Berliner Arzt soll dem Briten-Ken nun das Leben retten.

 

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Bei Pleite-Berti läuft(s) wieder Super! - Düsseldorf - Bild.de

Es läuft wieder super bei Pleitier Bert Wollersheim (65). Zumindest an der Tanke in Leoparden-Hose...
Doch wo ist sein schicker, Sprit schluckender Ami-Schlitten? Warum tankt er den alten Audi seiner Silikone Sophia? Und was ist an den Trennungsgerüchten dran?
Fragen über Fragen...und die Antworten gibt's hier mit BILDplus!

 

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Brettharte Muskeln dank Stand-up-Paddeln - Wellness & Fitness - Bild.de

„‚Stand-up-Paddeln‘ ist die optimale Kombination aus Sport und Entspannung – und trainiert die Tiefenmuskulatur besonders effektiv“, weiß SUP-Trainer Martin Teichman.
► Technik, Zubehör, Sicherheit, Sonnenschutz: In BILD erklärt der Experte, was es sonst noch braucht, um beim Trendsport eine gute Figur zu machen.
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Wirtschaft: BREXIT/ Russlands Nationalisten bejubeln den Brexit

MOSKAU (dpa-AFX) - Einen Krimsekt auf den Brexit! In Russland wird das Ergebnis der britischen Volksabstimmung vor allem von nationalistischen Politikern bejubelt. Doch die Folgen sind für das Riesenland nicht absehbar. Es kann sein, dass mancher Verantwortliche verzweifelt einen Wodka kippt.
Mit der Europäischen Union kann Russland traditionell wenig anfangen, Brüssel gilt als Feind. "Das ländliche, provinzielle, arbeitende Großbritannien hat Nein gesagt zu der Union, die von der Finanzmafia, Globalisten und anderen geschaffen wurde", freute sich Parlamentsvize Wladimir Schirinowski (70), Chef der nationalistischen Liberaldemokraten.
Politisch sympathisiert Russland zwar mit den EU-Gegnern, doch in der Realpolitik agiert es vorsichtig. Präsident Wladimir Putin mag keine Unruhe, keine abrupten Entwicklungen, die der Kreml nicht steuern kann.
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Äußerungen des britischen Premierministers David Cameron über ein angebliches Interesse Moskaus an einem EU-Ausstieg Londons entbehren aus Putins Sicht jeder Grundlage. "Russland hat sich in die Frage eines Brexits nie eingemischt, nie darüber geäußert, es hat sie nicht beeinflusst und dies auch nie versucht", sagte Putin am Freitag in Usbekistan. Die Vorwürfe seien ein Versuch des scheidenden Regierungschefs Cameron gewesen, die Briten zu beeinflussen.
Einen Seitenhieb auf die EU kann sich der Kremlchef dennoch nicht verkneifen: Er sehe in der Brexit-Entscheidung den Protest der Briten gegen eine zunehmende Machtfülle der Brüsseler Bürokratie.
Anders als Kanzlerin Angela Merkel oder US-Präsident Barack Obama hatte Putin im Vorfeld nicht klar gegen den Brexit Stellung bezogen. "Moskau ist daran interessiert, dass die Europäische Union eine blühende, stabile und berechenbare Wirtschaftsmacht bleibt", sagte sein Sprecher Dmitri Peskow am Freitag.
Für Russland zählt, wie es mit seinen Öl- und Gasexporten weitergeht. Der Brexit werde den Ölpreis noch stärker schwanken lassen, erwartet Vize-Energieminister Alexej Teksler. Außerdem ist Großbritannien ein wichtiger Zielmarkt für die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Der Bau der Gasleitung zwischen Russland und Deutschland ist in der EU umstritten. "Zum jetzigen Zeitpunkt" erwarte er aber keine Auswirkungen auf das Projekt, sagte Teksler.
Von einem "unangenehmen Ereignis" spricht Finanzminister Anton Siluanow. Dem Rubel täten Turbulenzen in der Weltwirtschaft nicht gut. Insgesamt hält Siluanow aber die Folgen des Brexit für Russlands Wirtschaft für überschaubar. Fraglich ist, was mit dem Handel russischer Aktien, mit russischen Investitionen in London wird.
Russlands Außenpolitiker versuchten abzuschätzen, wie sich der EU-Abschied auf die bilateralen Beziehungen mit Brüssel und London auswirkt. Der russland-kritische Block in der EU aus Briten, Polen und Balten werde geschwächt, sagte der kremltreue Experte Sergej Karaganow. Er tröstete die Europäer: Vielleicht sei die EU ohne die Briten als ständige Spielverderber (wörtlich: Spoiler) besser dran. Das Außenministerium in Moskau erwartet keine Verbesserung im chronisch angespannten Verhältnis seines Landes zu Großbritannien.
Russland hofft allerdings darauf, dass die transatlantische Anbindung der EU geschwächt wird. "Der Austritt trennt Europa von den Angelsachsen ab, also von den USA", meint Boris Titow, Vorsitzender der russischen Fortschrittspartei. "Ab dann dauert es nicht lange bis zu einem geeinten Eurasien - vielleicht zehn Jahre. "

 

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Boxen: Michel erreicht Finale der Olympia-Qualifikation in Baku

Baku (dpa) - Amateur-Boxer Serge Michel ist als einziger Deutscher in das Finale der vorletzten Olympia-Qualifikation eingezogen. Der Traunreuter gewann in Baku seinen Halbfinalkampf gegen den Weißrussen Michail Dolgolewez einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 29:28). 
Tags zuvor hatte Michel mit seinem Viertelfinalsieg über den Bosnier Dzemal Bosjak das vierte Olympia-Ticket für den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) geholt. Die anderen sechs deutschen Faustkämpfer, die in der aserbaidschanischen Hauptstadt in den Ring gestiegen waren, hatten die Qualifikation verpasst.
Vor dem Turnier in Baku hatten sich lediglich Erik Pfeifer aus Lohne im Superschwergewicht, der Sindelfinger David Graf im Schwergewicht und im Halbweltergewicht APB-Weltmeister Artem Harutyunyan aus Hamburg für Rio qualifiziert. Das letzte Qualifikationsturnier findet vom 3. bis 8. Juli in Vargas/Venezuela statt. Der Ausscheid ist den Boxern der neuen Profi-Sparte APB und der halbprofessionellen Serie WSB vorbehalten.

 

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Wirtschaft: BREXIT/GESAMT- Schock für Börsenwelt - Finanzwerte rauschen in Keller

(Aktualisierung: Mit Handelsschluss Frankfurt/London/Paris und -eröffnung in New York, weiteren Details)
FRANKFURT/LONDON (dpa-AFX) - Von wegen Brexit-Angst "abgehakt": Der nun beschlossene EU-Austritt Großbritanniens hat für ein böses Erwachen an den Weltbörsen gesorgt. Nachdem es zuvor tagelang von vielen Händlern und Analysten noch geheißen hatte, die Befürchtungen zum Ausgang des Referendums seien fast schon verflogen, brachen nach dem "Out"-Votum Finanzwerte rund um den Globus ein.
Unklar ist bisher, ob sich die Schock-Reaktion zu einem Abwärtstrend verfestigen könnte. "Wir müssen sofort versuchen, den Prozess in den Märkten zu stabilisieren", sagte der britische Außenminister Philip Hammond am Freitag. Bis zum Abend fing sich der Handel wieder ein wenig. Aber der Internationale Währungsfonds, Notenbanken und die G7-Staaten betonten ausdrücklich, dass man für Hilfen bereitstehe.
- NEW YORK: Auch das Haupt-Börsenbarometer der USA reagierte auf den Sieg der Brexit-Befürworter. Am Donnerstagabend hatte der Dow Jones Industrial 1,29 Prozent höher bei 18 011,07 Punkten geschlossen. Der Handelsstart am Freitag fiel nach der großen Zuversicht der Vortage ernüchternd aus: minus 2,09 Prozent auf 17 635,34 Zähler. Der Dow sackte damit aber lange nicht so stark ab wie die Europa-Börsen.
- PFUND: Am Devisen markt kam es ebenfalls zu heftigen Turbulenzen. Das britische Pfund sank am Freitagmorgen auf bis auf 1,3229 Dollar. Das war der tiefste Stand zur US-Währung seit dem Jahr 1985. Am Nachmittag berappelte sich das Pfund wieder auf 1,3795 Dollar.
- EURO: Die europäische Gemeinschaftswährung verlor klar an Wert. Gegenüber dem US-Dollar büßte der Euro 3,5 Prozent ein, zwischendurch ging es bis auf 1,0913 Dollar herab, das niedrigste Niveau seit März. Die EZB setzte ihn nach leichter Erholung auf 1,1066 Dollar fest.
- YEN: Viele Devisenanleger flüchteten in den Yen, dem gegenüber das Pfund am Freitag um über 14 Prozent einbrach. Umgekehrt war Japans Währung zum Pfund dabei so viel wert wie zuletzt im Dezember 2012.
- FRANKEN: Angesichts des nachgebenden Euro legte auch der Außenwert des Franken zu. Gegenüber der Schweizer Währung fiel der Euro von mehr als 1,10 Franken zwischenzeitlich auf bis zu 1,06 Franken.
- GOLD: Der Preis für das als "sicherer Hafen" geltende Edelmetall schoss auf bis zu 1358 Dollar je Feinunze (31 Gramm) empor - der höchste Stand seit Sommer 2014. Im Internet suchten die Briten sechsmal häufiger "Gold kaufen" als sonst, ergab eine Google -Analyse.
- ANLEIHEN: Der Durchschnittszins deutscher Bundesanleihen fiel am Freitag auf ein Rekordtief - wie beim Gold gab es hier eine hohe Nachfrage. Die Umlaufrendite sank von -0,07 auf -0,20 Prozent.

 

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96-Zugang Babacar Guèye fällt mit Adduktorenzerrung aus

Hannover 96 muss die ersten Testspiele ohne Neuzugang Babacar Guèye bestreiten. Der Stürmer hat sich im Training des Fußball-Zweitligisten am Freitag eine Adduktorenzerrung zugezogen. Er fällt mehrere Tage aus. Das Team von 96-Trainer Daniel Stendel tritt am Wochenende zu zwei Vorbereitungsspielen bei Germania Walsrode (Samstag) und beim Landesliga-Aufsteiger TSV Barsinghausen (Sonntag) an.

 

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Unwetter trifft Turnfest Göttingen: Mitmachaktionen abgesagt

Das schlechte Wetter mit Gewitter und starken Regenfällen hat das Erlebnis Turnfest in Göttingen in Mitleidenschaft gezogen. Nach einer Unwetterwarnung unterbrach der Niedersächsische Turner Bund (NTB) am Freitagnachmittag für einige Stunden das Programm. Die Teilnehmer wurden in geschlossene Räume geschickt, alle Mitmachangebote und Aktionen abgesagt. Nach der Entwarnung fand am Abend ein eingeschränktes Bühnenprogramm statt - ein Stromausfall verhinderte auf einer Bühne den Auftritt der Künstler.
Die unterbrochenen Leichtathletik-Wettbewerbe sollen am Samstag nachgeholt werden. "Das Turnfest-Programm wird wie geplant fortgesetzt, sofern uns das Wetter nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht", teilte der NTB am Abend mit. An dem Breitensport-Spektakel beteiligen sich bis Sonntag 20 000 Athleten. Vorgesehen sind am Wochenende unter anderem zwei Länderspiele im Blindenfußball gegen Argentinien.

 

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Terminkalender - Weiterkommen

Ein Online-Lehrgang zum islamischen Finanzwesen, ein Master über digitale Medien, ein Workshop für angehende Strategen, ein Einführungskurs ins Coaching - Veranstaltungen rund um Ausbildung und Jobsuche.
Islamisches Finanzwesen. Die Frankfurt School of Finance & Management und mehrere islamische Organisationen starten im September einen sechsmonatigen Online-Zertifikatskurs zur Islamischen Mikrofinanz, einem wachsenden Segment in der Entwicklungsfinanzierung. Dabei geht es um Retail-Banking, die Ethik des islamischen Bank- und Finanzwesens, Compliance- und Regulierungsthemen. Das Programm richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die in der islamischen Mikrofinanz tätig sind. Tel. 069-154 00 87 08, www.fs.de
Digitale Medien. Die Hochschule Darmstadt startet im Herbst den Master Internationale Medienkulturarbeit. Studenten beschäftigen sich vier Semester lang mit medientechnologischen Entwicklungen oder Medienpädagogik. Der englischsprachige Master ist breit aufgestellt. Es geht beispielsweise um die Kuration von Ausstellungen zum Thema Digitale Medien, aber auch um die Vermittlung von Wissen in diesem Bereich. Tel. 06071- 82 94 42, www.mediencampus.h-da.de
Strategische Fallstudie. Die Unternehmensberatung McKinsey lädt exzellente Studierende und Doktoranden vom 1. bis 4. September nach Lissabon ein. Im Workshop "Eintauchen 2016" können sie die Consulting-Arbeit kennenlernen und eine europäische Arbeitsmarktbehörde auf dem Weg ins digitale Zeitalter beraten. Ihre Aufgaben: Wie können Online-Angebote die Jobsuche vereinfachen? Wie bleibt eine hohe Betreuungsqualität trotz Sparzwangs erhalten? Die Bewerbungsfrist endet am 10. Juli. Tel. 069- 71 62 57 34, www.mckinsey.de/events
Praktisches Coaching. "Die besten Basis-Coaching-Tools auf den Punkt gebracht" ist der Titel eines Workshops am 8. Juli in München. Er bietet einen Mix aus Coaching-Wissen und praktischen Übungen. Zielgruppe sind Frauen, die ein Coaching erwägen, die Coach-yourself-Tools suchen, außerdem Führungskräfte, die sich und andere effektiv führen wollen und Frauen, die selbst mit dem Gedanken spielen, Coach zu werden. Tel. 089-44 71 72 75, www.womans.de

 

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Finanzmarktregulierung - Wenn Geld im Feuer steht

Praktiker aus Banken und Behörden lernen bei einem berufsbegleitenden Lehrgang der Universitäten Bern und Genf, wie die Finanzmärkte reguliert werden und welche Probleme es dabei noch gibt.
Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einer Bank und entscheiden über die Vergabe von Krediten. Würden Sie einem Ihrer vermögendsten Klienten ein Darlehen in dreistelliger Millionenhöhe geben? Sämtliche andere Banken reißen sich um den Auftrag. Also, machen Sie das Geschäft mit dem Superreichen - oder schicken Sie ihn weg?
Mit solchen Fragen müssen sich Top-Bankerinnen wie Roselyne Renel beschäftigen. Renel, Keilabsätze, weißes Kleid, kurze Strickjacke, strahlendes Lächeln, ist für das unternehmensweite Risikomanagement bei der Bank Standard Chartered verantwortlich. Schon oft hat die resolute Managerin nach harten Verhandlungen Geld, das im Feuer stand, wieder eingetrieben. Das war alles andere als sicher, berichtet sie stolz. Dinge können schief gehen, Superreiche hoch verschuldet sein. Und dann wird es schwierig, das Geld der Bank wiederzubekommen.
"Kenne deinen Kunden", lautet Renels Lektion. 25 Kursteilnehmer lauschen gebannt, als Renel von ihren Erfahrungen mit der rauen Finanzwelt erzählt. Sie kommen selbst aus den verschiedensten Bereichen der Finanzbranche und sind die ersten, die an dem neuen berufsbegleitenden Lehrgang zur Finanzmarktregulierung der Universitäten Bern und Genf teilnehmen. An diesem Freitag-Samstag-Modul geht es um Wirtschaftskrisen in der Geschichte, um die jüngste Finanzkrise und um viele neue Regularien.
Renel ist eine von fünf Top-Referenten. Sie ist überzeugt: "Man kann nicht alles regeln. Ihr müsst für eure Überzeugungen aufstehen, und wenn euch eine Transaktion nicht richtig erscheint, den Mund aufmachen und nicht einfach mit dem Strom schwimmen. " Wie wahr. Verantwortungsbewusste Banker, die sich im Zweifel gegen ein Geschäft entscheiden, um allzu große Risiken zu vermeiden, bräuchte es. Doch wer sich dies im harten Geschäft der Top-Etagen traut, muss schon mutig sein.
Von April bis November gibt es acht solcher Module, an denen Professoren und Gastreferenten aus der Wirtschaft zu einem jeweils anderen Aspekt referieren, außerdem zwei Prüfungen. "Wir wollen einen Überblick über die großen aktuellen Themen der Finanzmarktregulierung geben und juristische und ökonomische Hintergründe aufzeigen", sagt Urs Zulauf, Studiendirektor des neuen Lehrgangs. Für Finanzinstitute ist die zunehmende Regulierung ein großer Aufwand. Bei Großbanken können die Kosten für die Umsetzung schnell zwei- oder dreistellige Millionenbeträge ausmachen. Der Bedarf an gut ausgebildetem Personal ist entsprechend groß. Zulauf hat dies bereits bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) erkannt, für die er 30 Jahre lang tätig war, zuletzt als Geschäftsleitungsmitglied. Seit Februar 2014 ist er für die Kundensteuerpolitik der Credit Suisse in Zürich verantwortlich. Die Inhalte des Lehrgangs seien aber ohne Einfluss von Interessengruppen festgelegt worden, betont er.
Solche Weiterbildungsangebote für Berufstätige sind noch rar. "Es gibt in der Schweiz nur ein vergleichbares Angebot in Zürich. Das ist aber stärker juristisch ausgerichtet", sagt Zulauf. In Deutschland bieten etwa die Frankfurt School of Finance and Management, die Goethe-Universität Frankfurt, die Technische Universität München oder die WHU Otto Beisheim School of Management Kurse an.
"Zu allen möglichen Teilfragen gibt es Weiterbildungsangebote, aber kein Gesamtpaket wie dieses", sagt Michael Bommer, der als Rechtsanwalt beim Bundesverband Alternative Investments arbeitet. 10 800 Schweizer Franken müssen die Teilnehmer für den Lehrgang bezahlen, der mit einem Zertifikat abschließt. Die meisten sind wie Bommer Spezialisten und erhoffen sich ein besseres Verständnis bei ihrer täglichen Arbeit.
Für Sandra Schneider, Rechtsanwältin beim Eidgenössischen Finanzdepartement in Bern, ist die Finanzmarktregulierung ein Kernthema: "Wir erarbeiten die Gesetzes- und Verordnungsentwürfe für den Schweizer Finanzmarkt. Als Juristin habe ich hier die Möglichkeit, neben den rechtlichen auch die ökonomischen und historischen Aspekte kennenzulernen. Das ist das große Plus der Veranstaltung. "
Jan Bumann, stellvertretender Direktor der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken, findet die Gastreferenten sehr beeindruckend. "Sie berichten sehr offen von ihrem Berufsalltag und haben die Finanzkrise teils hautnah miterlebt. Das ist ein Zugang, den man sonst nicht hat", sagt Melanie Bitterli, die bei der Credit Suisse als Expertin für regulatorische Themen arbeitet. Als sehr bereichernd empfindet sie auch die Gruppe, "mit der man aktuelle, regulatorische Herausforderungen diskutieren kann".
Laure Deppierraz, die als Anwältin bei der Banque Cantonale du Valais arbeitet, fand den Vortrag von Roselyne Renel sehr praxisnah. "Sie stellt viele Fragen, sodass man einfach mitdenken und mitarbeiten muss. Und ihr Unterrichtsstil ist unterhaltsam. " Um alle Konzepte zu verstehen und tiefer in die Materie einzusteigen, sei die Zeit jedoch fast zu knapp, sagt sie.
Sind die Sicherheitspolster der Banken ausreichend? Bleibt bei der nächsten Krise der Steuerzahler verschont? Viele Fragen bleiben bei dem schnellen Ritt durch die Thematik offen. Gerne hätten manche Teilnehmer darüber mit den Referenten noch mehr diskutiert.

 

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Recht so - Neue Urteile

Darf ein Zeitungsredakteur für eine politische Partei arbeiten? Steht einem Mitarbeiter Schmerzensgeld zu, wenn er in ein leeres Büro abgeschoben wird?
Verletzte Verpflichtungen. Im Streit um die Kündigung des Welt -Redakteurs Günther Lachmann wegen angeblicher Nähe zur AfD haben beide Seiten einen Vergleich geschlossen. Sie einigten sich auf ein Ende des Arbeitsverhältnisses zum 31. Mai, wie das Berliner Arbeitsgericht mitteilte. Der Journalist hatte seine Kündigung nicht akzeptiert und war vor Gericht gegangen. Die Tageszeitung hatte den Rauswurf damit begründet, der Redakteur habe der AfD Beratungsleistungen angedient und damit seine arbeitsvertraglichen Verpflichtungen verletzt. Die Welt hatte sich im Februar von Lachmann getrennt. Chefredakteur Stefan Aust sagte damals, der Redakteur habe die Echtheit mehrerer Mails an die AfD bestätigt. "Aus den Mails geht klar hervor, dass Lachmann der AfD eine Art Konzeptvorschlag für eine Neuausrichtung der Partei geschrieben hat", so Aust. Dies sei ein grober Verstoß gegen journalistische Grundsätze. (Az.: 42 Ca 2980/16).
Entwürdigendes Büro. Firmen, die missliebige Mitarbeiter in ein Büro ohne normale Ausstattung versetzen, können zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt werden. Das Mainzer Landesarbeitsgericht sprach einem ehemaligen leitenden Angestellten eines Backformen-Herstellers einen Betrag von 1000 Euro zu. Der Mann hatte sich geweigert, gegen Zahlung einer Abfindung einvernehmlich seinen Arbeitsvertrag als Fertigungsleiter aufzuheben. Daraufhin wurde er für mehrere Wochen in einen Raum versetzt, der anfangs weder über Computer noch über ein Telefon verfügte. Außerdem wurde ihm ausdrücklich verboten, den von ihm geleiteten Fertigungsbereich zu betreten. Das Gericht sah in dem Vorgehen eine offene "Ausgrenzung und Herabwürdigung des Klägers". In dem eigentlichen Kündigungsschutzverfahren erklärten die Richter eine Weiterbeschäftigung des Mitarbeiters für nicht mehr möglich, sprachen ihm jedoch eine Abfindung in Höhe von mehr als 28 000 Euro zu. Vor der von den Richtern gerügten Strafversetzung hatte die Firma lediglich die Hälfte angeboten. (Az: 5 Sa 313/15)

 

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Jobcoach: Wie lange muss ich in einem Job durchhalten?

SZ-Leser Thomas F. ist unzufrieden mit seinem aktuellen Arbeitgeber. Kann er sich nach nur einem Jahr auf neue Stellen bewerben? Karriere-Experte Vincent Zeylmans weiß Rat.
SZ-Leser Thomas F. fragt:
Ich arbeite seit gut einem Jahr als Ingenieur in einem kleinen Unternehmen. Dort wird recht kurzfristig gedacht: Projekte werden schnell durchgedrückt, Fehler nur notdürftig behoben, langfristige Verbesserungen werden nicht umgesetzt, Teamarbeit findet nicht statt, jeder arbeitet isoliert vor sich hin. Ich habe anfangs versucht, meine Ideen einzubringen, aber die Unternehmensleitung sieht keine Notwendigkeit, an den Strukturen etwas zu ändern. Andere Mitarbeiter teilen viele meiner Auffassungen, haben aber meist resigniert. Deshalb bewerbe ich mich nun neu. In Vorstellungsgesprächen stoße ich nun auf das Problem, meinen gewünschten Wechsel zu erklären. Oft sieht es so aus, als sei ich unfähig oder unwillig, Konflikte zu lösen. Oder es wirkt, als wolle ich über meinen alten Arbeitgeber lästern. Was kann ich hier sagen? Oder sollte ich einen anderen Grund für den Wechsel vorgeben?
Vincent Zeylmans antwortet:
Lieber Herr F., wer nach einem Jahr den Arbeitgeber wechseln möchte, muss dieses in der Tat gut begründen. Unternehmen erwarten, dass Sie im Normalfall mindestens drei Jahre eine Funktion ausüben. Ab diesem Zeitpunkt wird es als legitim angesehen, dass Sie sich weiter entwickeln wollen. Vielleicht weil Sie auf einen Job stoßen, der besser zu Ihnen passt. Oder weil Sie die Chance bekommen, bei einem renommierteren Arbeitgeber einzusteigen. Oder Sie entscheiden sich für eine Führungskarriere und können das anderswo besser erreichen.
Ein Wechsel nach einem Jahr ist allerdings erklärungsbedürftig. Der potenzielle Arbeitgeber könnte den Eindruck gewinnen, dass es Ihnen an Ausdauer fehlt. Oder dass Sie sich in neuen Situationen nur unzureichend durchbeißen. Schließlich beruhte der Einstieg beim derzeitigen Arbeitgeber auf einer Fehleinschätzung. Ihr Gesprächspartner könnte auch verunsichert sein und sich fragen, ob Sie in der neuen Funktion länger bleiben.
Daher empfehle ich Ihnen, zunächst durchzuhalten. Das ist zumutbar, wenn ausreichend Motivation vorhanden ist. Wenn Sie unabhängig vom unstrukturierten Umfeld Ihren Job erledigen können, sollten Sie diese Option ernsthaft in Erwägung ziehen. Wenn Sie nach zweieinhalb Jahren beginnen, sich umzuorientieren, kommen locker drei Jahre zusammen, bevor Sie eine neue Stelle antreten können. Das ist für Sie vielleicht überschaubar.
Wenn Ihnen das nicht möglich ist, müssen Sie gut über die Begründung nachdenken. Sie haben recht: Schuldzuweisungen oder Selbstmitleid helfen nicht weiter. Enttäuschungen und Bitterkeit werden zum Bumerang. Daher sollten Sie jede Wertung vermeiden. Sie können bestimmte Geschäftspraktiken neutral darstellen und erklären, dass diese nicht mit Ihrer Persönlichkeitsstruktur übereinstimmen. So könnten Sie beispielsweise darlegen, dass bei Ihrem derzeitigen Arbeitgeber eher kurzfristig und flexibel entschieden wird, Sie aber ein langfristiges Handeln bevorzugen. Diese Beobachtung sollten Sie unbedingt mit persönlichen Lektionen verbinden. Erwähnen Sie, dass Sie Ihre schnelle Entscheidung für diese Firma im Nachhinein als Fehler ansehen. Und dass Sie daraus gelernt haben, sich eingehender mit der Unternehmenskultur zu befassen. Sie können auch sagen, dass Sie sich künftig zunächst mit dem Team unterhalten wollen, bevor Sie erneut einen Job antreten.
So entsteht beim neuen Arbeitgeber der Eindruck, dass Sie aus Ihrer Erfahrung der Vergangenheit gelernt haben. Schließlich gilt: Selbstreflexion und persönliche Weiterentwicklung sind gute Empfehlungen für einen neuen Job.
Haben Sie auch eine Frage zu Berufswahl, Bewerbung, Arbeitsrecht, Etikette oder Führungsstil? Schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere sechs Experten wählen einzelne Fragen aus und beantworten sie im Wechsel. Ihr Brief wird komplett anonymisiert.

 

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Banken - Ausbildung für Aufseher

Seit der Finanzmarktkrise sind Regulierer gefragt. Sie bestimmen die Spielregeln für Banken und Versicherungen. Doch nur wenige Hochschulen bieten Regulierungskurse an.
Seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise sind Regulierer gefragt. Sie bestimmen die Spielregeln für Banken und Versicherungen. Als Aufseher kontrollieren sie die Einhaltung der Regeln. Die Nachfrage nach entsprechenden Talenten steigt, sagt Andreas Hackethal, Professor an der Goethe-Universität Frankfurt.
SZ: Die Regulierung stand vor der Krise nicht so im Fokus wie heute. Konnten Professoren ihre Studenten mit diesem Thema überhaupt in die Hörsäle locken?
Andreas Hackethal: Auch vor der Finanzkrise gab es schon einen entsprechenden Schwerpunkt in der Bankentheorie: die Einlagensicherung als klassischer Schutz vor "Bank Runs", also vor dem Ansturm auf die Bankschalter. Dieser Schutz verleitet Banken zu Bilanzrisiken, und hierauf sind die Baseler Eigenkapitalregeln, die Sicherheitspuffer vorschreiben, die Antwort. Ich erinnere mich noch gut daran, dass viele Studierende irgendwann die Begriffe Basel I und Basel II nicht mehr hören konnten.
Unis haben das Thema Regulierung auch eher stiefmütterlich behandelt.
Regulierung gehörte schon immer zum Banken- und Finanzmarkt dazu, spielte aber im Hörsaal und in den Lehrbüchern eine Nebenrolle.
Durch die Krise hat sich dies geändert.
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Veranstaltungen, nicht nur im Bereich Banken. Über die Verhaltensökonomie ist zum Beispiel auch der Anlegerschutz in den Mittelpunkt gerückt, und auch die Vergütung von Bankmanagern wird im Personalwesen intensiver diskutiert.
Streben Studierende heute eine Karriere in der Aufsicht oder Regulierung an?
Die Zahl der Studierenden, die eine Karriere in Aufsicht oder Regulierung anstreben, hat definitiv zugenommen. Dort winken anspruchsvolle und vor allem sichere Jobs. Und auch die Nachfrage von Aufsichtsbehörden und Zentralbanken nach Talenten ist gewachsen.
Bräuchte es einen eigenen Studiengang für das Thema Regulierung?
Sollte man die teils 17-jährigen Bachelorstudenten gleich am Anfang mit hoch komplexer Finanzmarktregulierung konfrontieren? Sicherlich nicht. Man muss erst mal die Grundlagen von Finanzmärkten und von Finanzintermediären vermitteln. Die meisten Hochschulen haben auch nicht die Kapazitäten, um den Bereich Finanzmarktregulierung in der nötigen Breite und Tiefe abzubilden. Ein Schwerpunkt Regulierung auf Master- Level ist daher oft der bessere Weg.
Was empfehlen Sie Studenten, die sich für den Bereich interessieren?
Es bietet sich etwa an, im Bachelor den Schwerpunkt Finanzen zu durchlaufen und danach einen spezialisierten Masterstudiengang und berufsbegleitende Weiterbildungsangebote zu wählen. Gerade der Bereich Regulierung ist aber nur lernbar und erlebbar, wenn man in den Austausch zwischen Regulierern, Politikern und Verantwortlichen in den Banken eintaucht. Dafür gibt es zum Beispiel in Frankfurt auch viele Veranstaltungen außerhalb des Hörsaals, wo Praktiker vortragen und sich der Diskussion stellen.
Sehen Sie da nicht die Neutralität und Unabhängigkeit gefährdet, wenn Banker etwa als Gastprofessoren referieren?
Unabhängigkeit und Neutralität ist unser höchstes Gut. Das setzen wir sicherlich nicht leichtfertig aufs Spiel. Der wissenschaftlich fundierte Dialog ist für beide Seiten sehr wichtig. Eine Regulierung, ohne zu bedenken, was das für Auswirkungen und Kosten auf der Bankenseite haben kann, wird immer verfehlt sein. Die Sicht der Banken ist eine, die auch wichtig ist, aber sie muss eben kommentiert und moderiert werden.
Aufseher bieten auch selbst Ausbildungsprogramme für Mitarbeiter an. Warum?
Die Aufgabe für Aufseher, ihre Mitarbeiter auf den aktuellen Stand zu bringen, wächst mit dem Tempo und der Komplexität im Finanzsektor. Es gibt ein Netzwerk von internationalen Aufsehern, das ein breites Programm an Weiterbildungsmaßnahmen europaweit anbietet. Es nennt sich European Supervisory Education Initiative, und hier bringen sich auch Hochschulen ein.

 

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Arbeitsrecht - Kleine Fluchten

Private Telefonate, Arztbesuche, Geburtstagsumtrunk mit den Kollegen: Arbeitsrechtler erklären, welche persönlichen Erledigungen im Job erlaubt sind.
Ein Kommentar in einem sozialen Netzwerk, eine Nachricht an Freunde, eine Zigarettenpause. Nur mal eben kurz - der Chef wird es wohl nicht merken. Aber eigentlich steht in dieser Zeit die Arbeit still. Wie viel Privates darf man mit der Arbeitszeit vermischen, und was sollte man auf den Feierabend verschieben?
Nachrichten schicken. Ein Blick auf das Display, eine SMS an die Freunde oder ein kurzes Telefonat mit den Kindern. Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber darf es auch während der Arbeitszeit genutzt werden? "Wenn der Arbeitnehmer während der Arbeitszeit unterm Tisch eben eine SMS tippt, ist dies schwer nachzuweisen", sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. "Wenn allerdings drei Kollegen bezeugen können, dass man den ganzen Tag am Smartphone hängt, wird es problematisch. " Hier kommt es auf die Häufigkeit an. Wer nur mal eben der Familie schreibt, dass es etwas später wird, dem droht keine Abmahnung. Wer hingegen stundenlang privat telefoniert oder private Nachrichten tippt, begeht einen Arbeitszeitbetrug. Das kann die Kündigung zur Folge haben. Grundsätzlich gilt immer: "Die Arbeitszeit ist zum Arbeiten da. Dafür wird man bezahlt", sagt Michael Henn vom Verband Deutscher Anwälte (VDA).
Allerdings gibt es Ausnahmen. Besonders dann, wenn es sich um einen Notfall handelt - wenn sich beispielsweise das eigene Kind in der Schule verletzt oder die Kinderbetreuung kurzfristig abgesagt hat: In solchen Fällen sind private Telefonate während der Arbeitszeit erlaubt. "Dabei handelt es sich um ein unvorhersehbares Ereignis", erklärt Jens Pfanne vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).
Im Internet surfen. Mal eben etwas auf Facebook posten oder nach dem Wetter googeln: Wer das während der Arbeitszeit macht, sollte vorsichtig sein. "Ein Gericht entschied, dass der Arbeitgeber den Browser-Verlauf des Dienstrechners kontrollieren und im Prozess verwenden darf. Die Privatsphäre tritt in diesem Fall zurück", so Pfanne. Auch wenn das private Surfen vom Arbeitgeber erlaubt ist, sollte man es nicht exzessiv machen. Die Arbeit darf darunter nicht leiden, sonst handelt es sich wieder um einen Arbeitszeitbetrug.
Raucherpause einlegen. Beim Rauchen scheiden sich die Geister nicht nur unter den Arbeitgebern, sondern sogar unter den Kollegen. Die Nichtraucher sind sauer, wenn die Raucher mehrere kurze Pausen während der Arbeitszeit machen dürfen. Und die Raucher beschweren sich, wenn diese Unterbrechungen verboten sind. Grundsätzlich gelten die normalen Pausenansprüche. "Wenn der Arbeitgeber das Rauchen in der Arbeitszeit verbietet, gibt es nichts zu diskutieren. Darunter leidet die Arbeit", sagt Henn.
Arzttermine wahrnehmen. Wer Vollzeit unter der Woche arbeitet, findet kaum Zeit für einen Arztbesuch. Oft hat die Praxis nach Feierabend schon geschlossen. Muss man sich also dafür einen Tag freinehmen? "Grundsätzlich sollten Arztbesuche während der privaten Zeit stattfinden", sagt Bredereck. Allerdings gibt es eine Ausnahme. "Wenn es nicht anders möglich ist, darf man während der Arbeitszeit zum Arzt gehen. Beispielsweise bei einem CT- oder Röntgentermin", sagt Michael Henn vom VDA. In solchen Fällen werde das Gehalt gezahlt, ohne dass man arbeitet. Wichtig ist dann aber, die Arzttermine möglichst an den Anfang oder an das Ende des Arbeitstages zu legen, damit man nur einen Teil des Tages ausfällt.
Aussortiertes mitnehmen. Die aussortierten Ordner stehen auf dem Flur. Ob sie nun auf dem Müll landen oder man sie mit nach Hause nimmt - eigentlich kommt das doch auf das Gleiche raus. Aber Vorsicht - das ist Diebstahl. "Auf eigene Faust darf man nichts mitnehmen. Bis die Entsorgungsfirma das Ausrangierte abgeholt hat, ist es Eigentum des Arbeitgebers. Hier muss man um Erlaubnis fragen", sagt Pfanne. Sonst kann sogar die Kündigung drohen.
Geburtstag feiern. Zum Geburtstag kommen oft die Kollegen zum Gratulieren vorbei. Ein kleiner Umtrunk gehört in vielen Abteilungen dazu: geschmierte Brötchen, Kuchen und ein Glas Sekt. Aber ist das erlaubt? "In den Pausen ist es in der Regel erlaubt, während der Arbeitszeit nicht. Das muss man mit dem Vorgesetzten absprechen", sagt Fachanwalt Bredereck. Vor allem, wenn Alkohol ausgeschenkt werden soll. Denn dieser ist in der Regel komplett untersagt.

 

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Berufsbild - Alles hängt zusammen

Produktionstechnologen sind Industrie-4.0-Experten. Die Ausbildung ist unbekannt - und sehr aussichtsreich.
Robert Möldner ist nicht der Erste, der eine Ausbildung zum Produktionstechnologen abschließen wird. Doch ein Stück weit ist er trotzdem Pionier. Möldner ist im ersten Lehrjahr bei Bosch in Stuttgart. Die dreijährige Ausbildung wird erst seit 2008 angeboten, 2014 haben sich bundesweit nur 45 Jugendliche für den Beruf entschieden. Doch dass die Ausbildung noch unbekannt ist, sagt nichts aus über die Perspektiven: Azubis wie er sind gesuchte Experten. Der Produktionstechnologe gilt als Fachmann für die Industrie 4.0, also für die vernetzte Fabrik.
Der Produktionstechnologe plant, betreut und vernetzt Maschinen in Fabriken. "Er arbeitet zwischen Planung und Produktion", sagt Möldners Ausbilderin Sabine Schäfer. Zwar haben Facharbeiter auch bisher schon einen ähnlichen Job gemacht wie jetzt der Produktionstechnologe. In der Regel sind das Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung. "Doch das Berufsbild im Werk gab es bislang nicht", sagt Schäfer. Es ist eine Weiterentwicklung des Mechatronikers.
Das Besondere: Produktionstechnologen müssen die Sprache aller Beteiligten sprechen. Sie müssen sowohl wissen, wie die Maschinen funktionieren als auch mit Kunden und Technikern im Gespräch bleiben, um Probleme zu lösen, erläutert Jörg Friedrich, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Mitte. Und die Probleme werden immer komplexer. Die Kunden verlangten stärker als früher nach individuellen Lösungen sowie nach Produkten und einer Produktion, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sei.
Die Anlagen, die in Deutschland gebaut werden, stehen fast überall in der Welt. Wer also nicht immer an demselben Ort arbeiten will, hat als Produktionstechnologe beste Chancen, auch weltweit eine Stelle zu finden oder von seinem Unternehmen entsandt zu werden. Bei Bosch werden bereits die Auszubildenden für einige Wochen ins Ausland geschickt.
Der Job verlangt schon während der Ausbildung eine gewisse Mobilität, wie Gert Zinke vom Bundesinstitut für Berufsbildung (Bibb) in Bonn sagt. Deutschlandweit gebe es nur drei Berufsschulen, die Kurse anböten: Aalen, Köln und Ilmenau. Der Berufsschulunterricht findet daher blockweise statt. Das ist auch bei Robert Möldner der Fall: "Wir sind immer zwei bis drei Wochen in der Schule, dann wieder fünf bis sechs Wochen in der Lehrwerkstatt. "
Der junge Mann hat bereits viel technisches Verständnis und Wissen mitgebracht. Er war auf einem Gymnasium mit einem Schwerpunkt auf Mechatronik. Einen Teil des Lernstoffs wiederholt er derzeit in der Berufsschule. Der Beruf sei auf Bewerber mit mittlerer Reife ausgelegt, erläutert Friedrich. Allerdings gebe es häufig Auszubildende mit Abitur oder welche, die ihr Studium abgebrochen hätten. "Sie sind schon ein paar Jahre älter und bringen etwas mehr Reife mit", sagt Zinke. Das sei nicht schlecht in einem Job, bei dem man jederzeit den Überblick behalten müsse.
Die Noten in Mathematik und den Naturwissenschaften seien ausschlaggebend bei der Bewerbung, so der Experte. Dennoch: "Wir schauen uns im Vorstellungsgespräch immer an, ob ein Bewerber ein grundsätzliches technisches Verständnis hat", sagt Schäfer. Kommunikationstalent sei ebenfalls ein wichtiges Kriterium, weil die Produktionstechnologen mit Menschen mit ganz unterschiedlichem Wissensstand in den verschiedenen Abteilungen zu tun hätten.
Wer sich für die Ausbildung entscheidet, hat einen sicheren Job, denn Produktionstechnologen werden in vielen Unternehmen gebraucht. "Die Prozesskette bekommt in Zukunft eine immer größere Bedeutung", sagt Friedrich. Und damit braucht es Menschen, die sich um die verschiedenen Glieder dieser Kette kümmern können.
Schlecht bezahlt ist die Ausbildung auch nicht: Im ersten Jahr zahlen die Unternehmen zwischen 830 und 930 Euro brutto pro Monat, im dritten Jahr zwischen 970 und 1060 Euro. Derzeit seien die Chancen gut, nach der Ausbildung übernommen zu werden, erklärt Friedrich. Nach der Ausbildung gibt es die Möglichkeit, sich zum Prozessmanager in Produktionstechnologie weiterzubilden.
Bosch-Azubi Robert Möldner möchte nach seiner Ausbildung zunächst ein paar Jahre praktisch arbeiten. "Aber dann ist nicht ausgeschlossen, dass ich noch ein Studium mache - am liebsten in Teilzeit, damit ich nebenher weiter in der Fertigung bleibe. "

 

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Russland - Gefühl und Vorurteil

Altkanzler Gerhard Schröder hat vor einer Woche im SZ-Interview über sein besonderes Verhältnis zu Russland gesprochen. Das hat ihm viel Lob, aber auch Kritik seitens der Leser eingebracht.
Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.
Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch in der digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen.
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Sprachlabor - Maul und Augen auf

Im allgemeinen Ärger über die "Gaffer" ergreift ein Leser Partei für sie und meint, Journalisten sollten sich fragen, ob sie selbst immer auf der edlen Höhe eines "begründeten Informationsinteresses" seien.
"JEDENNOCH GAFFTEN wir / das Maul und Augen auff / und hofften für und für. " So Martin Opitz in seinen "Klag-Liedern", und wenn das auch seltsam klingt, so leidet es doch keinen Zweifel, dass gaffen hier den auch bei Grimm erwähnten Sinn von erwartend, hoffend, wünschend, gläubig blicken hat. Davon ist unser heutiges gaffen samt dem Gaffer weit entfernt, und es bedarf nur solcher Katastrophen wie der jüngsten Überschwemmungen, dass der allgemeine Ärger über die Gaffer wieder breitesten Raum an den Stammtischen und in den Medien einnimmt.
Wenn in solchen Zeiten einer wie unser Leser R. für die Gaffer Partei ergreift, so ist das an sich schon bemerkenswert, noch mehr aber wegen der Argumente, die er für sein Engagement ins Feld führt. Es hat sich deswegen zwischen ihm und dem Leserredakteur des Lokalen ein Diskurs entwickelt, der hier in den Kernpunkten wiedergegeben sei - nicht zuletzt deswegen, weil für unseren Berufsstand ein paar Notizen abfallen, die Anlass zur Gewissenserforschung sein können.
Zunächst sagt Herr R., dass jemand "sehr dumpf gestrickt sein" müsse, wenn ihn das von den Naturgewalten veranstaltete Schauspiel kaltließe. Wer davon mitgerissen wird, müsse jedoch kein Gaffer im abwertenden Sinn sein. Unser Kollege definierte daraufhin den Gaffer als einen Schaulustigen, der seine Sensationsgier über das Gemeinwohl stellt. Aus R.s Antwort darauf hier nur zwei Elemente:
Zum einen, schreibt er, stehe aus psychologischer Sicht hinter der Schaulust "möglicherweise das Bedürfnis, sich der eigenen Unversehrtheit zu versichern, indem man das Leid anderer miterlebt. " Der Gaffer im ursprünglichen Sinn unterscheide sich vom Schaulustigen durch die Intensität der Betroffenheit. Seine Körperhaltung (offener Mund) zeuge davon: "Der Psychologe erkennt darin Staunen, Überraschung oder auch Überforderung. " Zum anderen sollten wir Journalisten uns fragen, ob wir immer auf der edlen Höhe unseres "begründeten Informationsinteresses" stehen. Wird gemacht, Herr R.!

 

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Brexit - Auch eine Chance

Warum nur suchen die Briten ihr Heil im Ausstieg aus der Europäischen Union? Leserinnen und Leser liefern Antworten, die weder für die Bundesregierung noch für die EU-Verantwortlichen schmeichelhaft sind.
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SZ-Werkstatt - Betreten verboten

Christof Kneer aus der SZ-Sportredaktion erklärt, wie es sich im DFB-Quartier Évian so arbeitet.
Der erste Unterschied zur letzten Fußball-Europameisterschaft ist unüberhörbar: Es gibt keine Iren in der Stadt. Wobei man auch darüber erst mal diskutieren müsste: Ist Évian-les-Bains eine Stadt? Laut offiziellen Angaben handelt es sich um eine aus knapp 9000 Einwohnern bestehende Gemeinde im französischen Department Haute-Savoie, auf der einen Seite der Genfer See, auf der anderen die Berge. Der Ort, in dem die deutsche Nationalmannschaft untergekommen ist, verströmt das Aroma einer freundlichen, in die Jahre gekommenen Kurstadt. Vor vier Jahren, bei der EM in Polen und der Ukraine, haben die Deutschen im sehr belebten Ostseebad Sopot gewohnt, und da waren die Iren, und die Iren waren laut. Bis vier Uhr morgens haben sie auf dem zentralen Platz gesungen, aber die Deutschen wohnten etwas außerhalb, sie haben das nicht gehört.
Im edlen Hotel Ermitage in Évian hören sie nun gar nichts, außer der Kirchenuhr, die immer um fünf nach die volle Stunde schlägt. Mehr lässt sich vom Hotel kaum ausmachen, außer dem schmiedeeisernen Tor, das die eine Welt von der anderen trennt. Selten war es für Reporter so schwer, sich vorzustellen, wie diese Mannschaft wohnt. Selbst in Campo Bahia in Brasilien konnte man durch Löcher im Zaun spähen und Terrassen mit Spielern erahnen. Und in Sopot führte man die Spielerinterviews sogar im Hotelgarten, was zu regelrechten Völkerwanderungen vom Pressezelt ins Teamhotel führte. Das war die Zäsur - seit 2012 gilt fürs Teamhotel "Betreten verboten". Und die bewaffneten Männer vor dem Tor sehen nicht aus, als seien sie für Argumente oder Sachspenden zugänglich.
Den Reportern, die ein Interview bewilligt bekommen, werden die Spieler dieses Mal zugeführt, sie werden vor dem Pressezentrum aus Kleinbussen ausgeladen und können dann in einem getrennten Raum von einem oder mehreren Reportern 20 Minuten befragt werden. Das ist der Moment, in dem man merkt, dass die Spieler tatsächlich in Évian sind. Unten im Ort sind sie so oft wie die Iren, nämlich nie.

 

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Wolbergs gewährte SPD-Ortsverein ein Privatdarlehen

Es ist Freitag, zwölf Uhr mittags, als Joachim Wolbergs (SPD) sein Büro im Rathaus betritt. Er kommt von draußen und draußen ist es heiß. So heiß, dass der Regensburger Oberbürgermeister erst mal eine Flasche Mineralwasser auf den Tisch stellt, daneben packt er einen dicken Stapel Papier. "Ich mache mich jetzt nackt", sagt er, denn der Papierstapel besteht aus privaten Dokumenten. Aus Dokumenten, die tief blicken lassen in die Welt des Joachim Wolbergs.
Er zieht einen Kreditvertrag aus dem Papierstapel. Ein Privatkredit, den der OB und seine Frau vor ungefähr einem Jahr mit ihrer Bank geschlossen haben. Etwa 220 000 Euro dieser Kreditsumme hat das Ehepaar Wolbergs wiederum als Darlehen an den SPD-Ortsverein Regensburg Süd überwiesen, dessen Vorsitzender Wolbergs ist. Es ist jener Kredit, der den SPD-Landesschatzmeister so misstrauisch machte, dass er sich den Rechenschaftsbericht kommen ließ und danach die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat, die nun wegen des Verdachts der Vorteilsannahme gegen Wolbergs ermittelt. Hat der OB seine eigene Partei mit 220 000 Euro verschuldet, um so seinen Wahlkampf in den Jahren 2013/14 zu finanzieren?
"Am Ende des Wahlkampfes mussten noch viele Lieferantenrechnungen bezahlt werden", sagt Wolbergs, dafür habe das Budget auf dem Wahlkampfkonto nicht mehr gereicht. Er habe nicht gewollt, dass die SPD in Zahlungsschwierigkeiten komme. Also habe er dem Ortsverein einen Kredit aus seinem Privatvermögen gegeben. Dass er damit Privates und Politisches vermengt hat, findet Wolbergs nicht schlimm. Ein Fehler sei aber gewesen, dass er sich den Kredit an den Ortsverein nicht vom SPD-Landesverband habe genehmigen lassen. "Das habe ich nicht beachtet", räumt Wolbergs ein.
Er hätte es beachten müssen, weil die Parteisatzung die Genehmigung eines jeden Kredits vorschreibt, der nicht innerhalb eines Jahres getilgt wird. "Das ist hier nicht geschehen", sagt SPD-Landeschef Florian Pronold. Wolbergs hätte den Landesvorstand informieren müssen. Das ist aber nur die parteipolitische Sicht, nicht die juristische. Das fragwürdige Darlehen beantwortet nämlich nicht die Frage, weshalb SPD-Landesschatzmeister Thomas Goger die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat. Was hat Goger, selbst Staatsanwalt von Beruf, in dem Rechenschaftsbericht entdeckt, das ihn die Strafverfolgungsbehörden unterrichten ließ?
SZ-Recherchen haben ergeben, dass in dem Rechenschaftsbericht etwa ein halbes Dutzend Spender mit ein und derselben Adresse aufgelistet sind. Besagte Anschrift ist identisch mit der eines der drei Bauträger, die Wolbergs laut Staatsanwaltschaft wohl mit mehr als 500 000 Euro im Wahlkampf unterstützten. Es handelt sich offenbar um juristische Personen, also um Tochterfirmen oder Projektgesellschaften des Bauträgers, die jede für sich jeweils knapp 10 000 Euro an Wolbergs gespendet haben sollen. Bei Beträgen unterhalb dieser Grenze darf eine Partei die Identität des Spenders geheim halten. Formal ist daran nichts zu beanstanden.
Heikel wäre die Sache jedoch, würde eine Firma eine höhere Summe spenden wollen, diese stückeln und auf mehrere Personen verteilen, um einerseits die Herkunft zu verschleiern und andererseits unter der Grenze von 10 000 Euro zu bleiben. Nach SZ-Informationen trifft dies auf eine weitere dieser Bauträgerfirmen zu. So sollen mehrere Strohmänner - offenbar Mitarbeiter - an Wolbergs gespendet und das Geld von ihrem Arbeitgeber wieder als Gehaltszuschlag zurückerhalten haben. Die Staatsanwaltschaft jedenfalls ermittelt auch in diese Richtung.
Beide Baufirmen, die über Tochterfirmen, Projektgesellschaften oder ein Strohmann-System gespendet haben könnten, haben sich am Freitag auf SZ-Anfrage nicht geäußert. "Mir ist keine Stückelung bekannt", sagt derweil Joachim Wolbergs, der die Spendensummen und die Namen der Spender als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Süd ebenso kennen muss wie seine Frau, die Kassiererin des Ortsvereins. Und falls es doch Stückelungen gab? "Nicht mein Problem", sagt Wolbergs, sondern das Problem der Spender.
Indem er den Kreditvertrag offengelegt hat, entkräftet der OB Spekulationen, die in Regensburg kursierten. Demnach hätte Wolbergs das 220 000-Euro-Darlehen nicht von einer Bank bekommen, sondern von einer der drei Baufirmen, die im Visier der Staatsanwaltschaft stehen. Und noch etwas offenbart der Kreditvertrag: Dass der Kommunalwahlkampf der SPD noch teurer war, als bislang bekannt gewesen ist. So teuer, dass Wolbergs zu den ohnehin hohen Spendeneinnahmen weitere 220 000 Euro aus seiner privaten Kasse zugeschossen hat.
Wolbergs versichert, dass sein Ortsverein nicht auf den Kreditschulden sitzen bleiben werde, die er ihm eingebrockt hat. Bis zum Jahr 2019 muss der Ortsverein die Schulden zurückzahlen, doch angesichts der geringen Mitgliederzahl dürfte kaum etwas zurückfließen. Bis dahin werde er weiter Spenden sammeln, sagt der OB. Sollte am Ende nicht genug zusammenkommen, werde er die noch offene Kreditsumme in eine Spende umwandeln - also aus dem privaten Geldbeutel zahlen. Das sei vertraglich geregelt, sagt er.
Wolbergs betont stets, dass er niemals zugunsten eines Spenders Einfluss genommen habe. Womöglich reicht auch weniger, um mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Der Bundesgerichtshof hat in einem ähnlichen Fall 2007 entschieden, dass "der Anschein der Käuflichkeit" auch dann entstehe, "wenn Spender und Amtsträger davon ausgehen, dass dieser im Laufe der künftigen Amtszeit mit Entscheidungen zu diesem oder jenem Vorhaben des Spenders befasst sein wird", egal ob diese schon geplant seien oder nicht.
"Insbesondere bei Spenden von außergewöhnlicher Höhe wird es regelmäßig nahe liegen", so der BGH, dass der Spender (. . .) sich die Gewogenheit des Wahlbewerbers "auch im Blick auf eigene konkret geplante oder zu erwartende Vorhaben sichern und seine Individualinteressen fördern will". Man kann also auch ohne Nachweis der Vorteilsannahme belangt werden.

 

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Die Woche - Das kommt

Nach dem zerbröselten Semmelknödel-Weltrekord von Aldersbach lassen die Bayern nicht etwa die Köpfe hängen, sondern schreiten gleich zum nächsten Rekordversuch. Diesmal geht es um den höchsten Legoturm der Welt. Am Freitag ist Grundsteinlegung im Legoland Günzburg. Innerhalb einer Woche sollen die Besucher mehr als eine halbe Million Klötzchen stapeln (), angepeilte Höhe: 35,06 Meter.
Wer einmal eine Lego-Technic-Anleitung in der Hand hatte, weiß, dass das eine Wissenschaft für sich ist. Nur Physik ist schlimmer, jedenfalls für Leute, die in der Schule schon beim Thema Mechanik ausgestiegen sind. Für die 30 Nobelpreisträger und 402 Nachwuchswissenschaftler , die nächste Woche in Lindau über die weite Welt der Physik diskutieren, ist Mechanik natürlich Kindergarten.
Zu den Lego-Junkies und Super-Physikern gesellt sich eine dritte etwas seltsame Spezies: Computerfuzzis . 50 Softwareentwickler treffen sich am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen in Nürnberg zu einem dreitägigen "Hackathon". Ziel ist es, mit Hilfe von Schwarmintelligenz "ganz neue Konzepte für begehbare Erlebnisse von virtuellen Welten zu entwickeln". Aha. Klingt ähnlich kryptisch wie das Physikbuch aus der zehnten Klasse. Oder eine Lego-Bauanleitung.

 

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Vorra - Falsche Spuren gelegt

Den Brandanschlag auf ein fast fertiges Asylbewerberheim sollen zwei Männer einer Baufirma ausgeführt haben. Mit Hakenkreuzen und Schmierereien wollten sie einen rechtsextremen Hintergrund nahelegen
Michael Helmbrecht, damals Vorsitzender der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, hatte so eine Ahnung. Drei Tage nach dem Brandanschlag auf ein fast fertiges Asylbewerberheim im mittelfränkischen Vorra äußerte er im SZ-Gespräch den Verdacht, dass es bei dem herbeigeführten Brand auch um etwas ganz anderes gegangen sein könnte. "Womöglich hat sich da einer im wahrsten Sinne des Wortes die Handschrift von Rechtsextremisten ausgeliehen", mutmaßte Helmbrecht. Ein Gefühl nur, sagte der Professor aus Nürnberg, und nicht zum Schreiben, weil nicht zu belegen. Nun gibt es einen dringenden Verdacht, dass es exakt so gewesen sein könnte: Für den Brandanschlag im Dezember 2014 sollen zwei Mitarbeiter einer Baufirma verantwortlich gewesen sein, die offenbar eine falsche Spur legen wollten. "Kein Asylat in Vorra" und zwei Hakenkreuze waren auf die Wände an der entstehenden Unterkunft geschmiert worden.
Die beiden Männer bestreiten den Vorwurf, der Verdacht der Brandstiftung ist aber so massiv, dass beide in Untersuchungshaft genommen wurden. Offenbar hätte die Baufirma, die die drei Gebäude in Vorra für Asylbewerber herrichten sollte, diese unter keinen Umständen zum vereinbarten Zeitpunkt übergeben können. Das Landratsamt hatte erhebliche Baumängel und Fehler beim Brandschutz festgestellt. Da der Bau äußerst knapp kalkuliert war und man schon ohne Mängel gravierende Verluste habe befürchten müssen, hätte dies womöglich "den Ruin dieser Firma bedeutet", sagt der stellvertretende Leiter der Sonderkommission "Vorra", Norbert Ditzel. Ob der 50 Jahre alte Inhaber der Firma den 42 Jahre alten Bauarbeiter zu der Tat angestiftet hat, sei nicht klar. Von einem Augenzeugen beschrieben wurde lediglich ein Mann. Der Zeuge hatte eine Person in der Nacht kurz nach der Tat auf den Straßen von Vorra beobachtet. Zwischen dem Phantombild und dem 42-Jährigen gebe es eine "hohe Ähnlichkeit".
Die Tat hatte für Verstörung in Vorra gesorgt. Und auch die bayerische Polizei hatte sich massiv engagiert: Mehr als 1300-mal habe man Zeugen oder Verdächtige befragt, sagt Nürnbergs Polizeipräsident Johann Rast, mehr als 1000 Spuren wurden überprüft. Für Hinweise war eine Belohnung von 20 000 Euro ausgesetzt worden. Ein Ermittler hatte sogar für Wochen seinen Arbeitsplatz mit einem Büro in dem 1700-Einwohner-Ort getauscht. Der Ermittler sollte in die Gemeinde hineinhören, er tat sich auch an den Stammtischen um. Hinweise aus Vorra, die auf einen Täter aus dem Ort hingedeutet hätten, gab es aber keine, trotz aller Vertraulichkeit. Ein Grund, warum man die "Tathypothese vom lokalen Wutbürger" bald nahezu verworfen habe, sagt Ermittler Ditzel.
Auch gegen die primäre Tathypothese - ein rechtsextremistischer Anschlag - habe bald manches gesprochen. So wurden in vergleichbaren Fällen zumeist Brandsätze von außen in die Anwesen geschleudert. In Vorra dagegen war das Feuer im Inneren des ehemaligen Gasthofs ausgebrochen, entfacht mit Brandbeschleunigern. Auch hätten sämtliche Spuren ins rechtsextremistische Milieu in die Leere geführt. So habe man sich nach einiger Zeit auf die dritte Hypothese konzentriert, "eine Tat aus wirtschaftlichen Gründen".
Die beiden Verdächtigen sollen noch an der Sanierung nach dem Brand mitgewirkt haben. Gegen den Eigentümer des Anwesens, der von der Versicherung mit einer Million Euro entschädigt wurde, bestehe kein Verdacht, erklären die Ermittler. Der Bürgermeister von Vorra, Volker Herzog, zeigt sich erleichtert. Dass die mutmaßlichen Täter nicht aus Vorra stammen, sei eine gute Nachricht für den Ort.

 

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Pfarrkirchen - Katastrophenfall aufgehoben

Der Katastrophenfall im Hochwassergebiet Rottal-Inn ist 23 Tage nach den Unwettern aufgehoben worden. "Wir konnten mit der Ausrufung des Katastrophenfalles viel dazu beitragen, die schweren Folgen der Katastrophe besser und schneller in den Griff zu bekommen", teilte Landrat Michael Fahmüller am Freitag in Pfarrkirchen mit. Flutwellen hatten am 1. Juni im Landkreis Rottal-Inn sieben Menschen in den Tod gerissen und einen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Noch immer sei es wichtig, konzentriert weiterzuarbeiten, so Fahmüller. Von einer Katastrophe sprechen Behörden in Bayern erst, wenn bei Unwettern die Bedrohung von vielen Menschen, umfangreichen Sachwerten oder natürlichen Lebensgrundlagen so gravierend ist, dass die Kommune überfordert ist. Wird der Katastrophenfall ausgerufen, koordiniert die "Führungsgruppe Katastrophenschutz" im Innenministerium die Maßnahmen landesweit.

 

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Regensburg - Neues Leibniz-Institut

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz hat am Freitag bekanntgegeben, dass das Regensburger Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) von Januar 2017 an als eigenständige Einrichtung in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen wird. Die engen Beziehungen zwischen IOS und Universität werden auch auf personeller Ebene deutlich. Mit Ulf Brunnbauer (Geschichte Südost- und Osteuropas) und Jürgen Jerger (Internationale und Monetäre Ökonomik) sind die Direktoren des IOS zugleich Lehrstuhlinhaber an der Uni. "Für den Wissenschaftsstandort Regensburg ist die Aufnahme des IOS in die Leibniz-Gemeinschaft eine der wichtigsten Entscheidungen der letzten Jahre", erklärt Hebel, Präsident der Universität Regensburg.

 

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Gmund am Tegernsee - Raffinierter Dreh

Am Tegernsee soll ein Parkplatz im Schutzgebiet entstehen
Das Urteil des Verfassungsgerichtshofs stammt von 2008 und schien sich längst erledigt zu haben. Die Kommunen hätten "die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen", hatten die Richter der Gemeinde Gmund ins Stammbuch geschrieben. Ein Eigentümer müsse "grundsätzlich hinnehmen, dass ihm eine möglicherweise rentablere Nutzung des Grundstücks verwehrt bleibt". All diese Kritik an den damaligen Hotelplänen der Familie Schörghuber hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst, spätestens als der Münchner Gastronom Michael Käfer vor einem Jahr das Gut Kaltenbrunn am Tegernsee stattdessen wieder als Wirtshaus eröffnet hat. Doch jetzt hat die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal das Urteil wieder herausgesucht. Denn Käfer wünscht sich zusätzliche Parkplätze, und die Gemeinde will sie ihm verschaffen, mitten im Landschaftsschutzgebiet am noch vergleichsweise unberührten Nordufer des Sees.
Dass der neue Parkplatz jenseits der Bundesstraße direkt oberhalb von Kaltenbrunn im Landschaftsschutzgebiet liegt, hat die Gemeinderäte zwar nicht vollkommen kalt gelassen, doch an ihrem Beschluss hat es nichts geändert. Mit zwölf zu sieben Stimmen billigte nun das Gremium die Pläne, was für Gmunder Verhältnisse als hauchdünne Mehrheit gelten darf. Und selbst einige, die für den Parkplatz gestimmt haben, sprachen zuvor von Bauchweh und schlaflosen Nächten oder fühlen sich sogar "über den Tisch gezogen", wie die Tegernseer Zeitung aus der Sitzung berichtet. Doch Gut Kaltenbrunn ist schnell wieder wichtig geworden für die Tourismusgemeinde Gmund, und das regelmäßige wie chaotische Wildparken entlang der Bundesstraße wollen Polizei und Gemeinde auch nicht länger dulden.
Weil aber über eine Herausnahme der Parkplatzfläche für gut 120 Autos aus dem Landschaftsschutzgebiet nicht der Gemeinderat in Gmund, sondern der Kreistag in Miesbach zu befinden hätte und dieser Kreistag in solchen Fragen zuletzt weit weniger großzügig war als in den Jahrzehnten zuvor, behalf man sich im Rathaus mit einem raffinierten Dreh: Die Gemeinde widmet die Fläche nicht als privaten Parkplatz für Kaltenbrunn, sondern als öffentlichen Parkplatz auch für Wanderer und Badegäste, was einen Bauantrag sowie die Debatte im Kreistag erspart und eine Entscheidung auf dem Verwaltungsweg möglich macht.
Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal, die sich das Verhüten weiterer Bausünden zur Aufgabe gemacht hat, zeigt sich vom Vorgehen der Gemeinde entsetzt. Bisher stand der Verein mit Käfer auf gutem Fuß, weil erst seit seinem Einstieg in Kaltenbrunn die Gefahr noch viel weiter reichender Eingriffe in das historische Gut gebannt zu sein schien. Käfer hat einen terrassierten Biergarten anlegen lassen und dort sowie in den Gaststuben mehr als 1000 Sitzplätze geschaffen. Derzeit lässt er den alten Rinderstall ausbauen, der einigen Hundert weiteren Gästen Platz bieten wird, für den Pferdestall und das Gesindehaus liegen noch keine Ausbaupläne auf dem Tisch. Der zusätzliche Parkplatz für die zusätzlichen Gäste soll von Baumreihen gesäumt und nur bei Bedarf geöffnet werden. Ansonsten solle er trotz der öffentlichen Widmung mit einer Schranke abgesperrt bleiben, hieß es vor dem Beschluss im Gmunder Gemeinderat. Die Schutzgemeinschaft will dessen Entscheidung aber nicht hinnehmen, sagt die Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck. Man prüfe gerade, ob das Urteil von 2008 noch bindend sei.

 

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Familienpolitik - Freiraum für den Nachwuchs

Grüne fordern für Abgeordnete eine sechsmonatige Kinderzeit
Die Grünen fordern eine Neuerung im bayerischen Politikbetrieb: mehr Zeit für die eigenen Kinder. Anders als für Arbeitnehmer gibt es für Abgeordnete bislang keinerlei Elternzeit-Regelung. Der Landtagsfraktionschef der Grünen Ludwig Hartmann , im Jahr 2015 Vater geworden, plädiert nun für eine "Kinderzeit" von bis zu sechs Monaten, die Abgeordnete in den ersten zwei Lebensjahren ihres Kindes nehmen könnten.
Die "Kinderzeit" für Bayerns Politiker wäre allerdings keine volle Auszeit vom Job wie die Elternzeit - das wäre nach Einschätzung der Grünen auch verfassungsrechtlich schwierig, da Abgeordnete vom Volk gewählt sind und dementsprechend auch für das Volk da sein sollen. Die Abgeordneten könnten sich aber nach Hartmanns Vorstellung von der Präsidentin für die Plenar- und Ausschuss-Sitzungen beurlauben lassen.
Der Anlass: Landtagsabgeordnete haben in der Regel sehr viel längere Arbeitszeiten als die meisten Arbeitnehmer - insbesondere an den Wochenenden steht bei den Politikern eine Vielzahl von Veranstaltungen auf dem Programm, von der Gremiensitzung in der Partei bis zum Grußwort bei Verbandstagungen und Bürgerfesten.
Grünen-Landtagsfraktionschef Hartmann hat seit der Geburt seines Sohns im vergangenen Jahr die Erfahrung gemacht, die viele gestresste Eltern im Beruf haben: Die Zeit für das Kind fehlt. "Mutter oder Vater werden - das ist eines der größten Geschenke im Leben eines Menschen", sagte er. "Und natürlich möchte auch ich - wie viele Kolleginnen und Kollegen - möglichst viel Zeit mit meinem kleinen Sohn verbringen. " Sein Vorschlag zur Änderung der Landtags-Geschäftsordnung würde den jungen Vätern und Müttern unter den Abgeordneten Freiräume verschaffen, ohne die Pflichten der Abgeordneten zu verletzen.
Schon sein neun Monate alter Sohn habe begriffen: Sobald er den Pulli gegen den Anzug mit gebügeltem weißen Hemd eintausche, bedeute das: "Papa ist gleich weg", sagte Hartmann. "Ich möchte mehr Zeit mit meinem Sohn verbringen und dabei sein, wenn er seine Entdeckungen macht, wenn er lacht, weint oder auch seine ersten Worte spricht. "

 

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Die Woche - Das war

Die schlechte Nachricht zuerst: Im niederbayerischen Aldersbach ist den Köchen am Sonntag ein Semmelknödel misslungen. Er war 208,7 Kilogramm schwer, enthielt 1500 Eier und brach beim Ablegen auseinander, nachdem er mit dem Kran aus dem Kochwasser gehievt worden war. Kleiner Tipp der Redaktion: Beim nächsten Mal einfach einen Zentner Semmelbrösel in den Teig streuen. Das hält jeden Knödel fest wie Beton zusammen.
Die gute Nachricht für Regensburgs SPD-Oberbürgermeister Joachim Wolbergs: Die Koalition aus SPD, Grünen, FDP, Freien Wähler und der Piratenpartei hat ihm am Dienstag das Vertrauen ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn im Zusammenhang mit Parteispenden an die SPD wegen des Verdachts auf Vorteilsannahme. Die schlechte Nachricht für Wolbergs: Nur Politiker, die wirklich tief in der Klemme stecken, benötigen öffentliche Solidaritätsadressen. Das erinnert ein wenig an die legendäre CSU-Klausur von Kreuth im Jahr 2007, als die CSU dem Parteichef und Ministerpräsidenten Edmund Stoiber vollstes Vertrauen aussprach. Bald darauf gab er seinen Rückzug bekannt.
Und noch eine letzte gute Nachricht: Nach zwei Jahren Fahndung hat die Polizei im fränkischen Röttenbach die flüchtige Schnappschildkröte Suárez gefasst. Das Tier ließ sich unter einem Auto widerstandlos festnehmen und in die Ausnüchterungszelle sperren.
Das Landgericht Augsburg verurteilte eine Lehrerin der Glaubenseiferer Zwölf Stämme zu zwei Jahren Haft, weil sie über Jahre hinweg Schüler mit der Weidenroute gezüchtigt hat. Sie wurde noch im Gerichtssaal verhaftet - wegen Fluchtgefahr: Ihre Sekte zieht von Klosterzimmern in Schwaben nach Tschechien , wo sie unbehelligt von der deutschen Justiz ihr Treiben fortsetzen möchte.
Bayerische Referendare sollen ihre Schüler in Zukunft befragen, wie ihnen der Unterricht gefällt. Die Ergebnisse, so versichert das Kultusministerium, finden keinen Eingang in die Beurteilung der angehenden Lehrkräfte. Das Feedback ist sozusagen für den privaten Dienstgebrauch bestimmt.
Fast wäre in der ganzen Aufregung über den Brexit die Bayernpartei übersehen worden, die unverändert den Austritt aus der Bundesrepublik anstrebt und jetzt wieder einmal Morgenluft wittert: In einem Europa der Regionen könne Bayern als eigenständiger Staat einen positiven Beitrag leisten, kündigte die BP am Freitag an. Die Märkte in Asien zeigten sich davon unbeeindruckt.

 

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Rothenburg ob der Tauber - Frohe Weihnachten!

Dreißig Grad, der Himmel leuchtet wie in Fuerteventura. Dazu der Sommerhit: Es ist ein Ros' entsprungen. Aber heißt es im Lied nicht "Mitten im kalten Winter"? In Rothenburg ob der Tauber ist auch im Juni Advent. Ein Besuch in der Stadt, in der das Christkind niemals Pause hat
Felicitas Höptner hat schon am Telefon so ein Lachen, das einem andeutet: Alles gut, ich hatte da schon ganz andere Fälle. Draußen hat es an diesem Morgen um die 25 Grad, Tendenz steigend. Der Wind ist lau, der Himmel über Franken würde auch Fuerteventura gut zu Gesicht stehen. Und was es auch immer ist, irgendwas sagt einem an diesem Vormittag: Zeit, Abenteuerliches zu tun. Etwas, was man an so einem Tag nicht macht, was sich von vornherein verbietet. Anruf also bei Felicitas Höptner, der Leiterin des Deutschen Weihnachtsmuseums in Rothenburg ob der Tauber.
Drei Stunden später am Eingang zum Weihnachtsdorf. "Ah, Sie sind das", sagt eine Frau an der Kasse. Es dauert einen Moment, bis die Museumschefin hinzustößt. Der Gast steht derweil im Weg, Teilnehmer einer Gruppe aus Fernost beginnen, sich dahinter aufzureihen. Die Wege sind eng im Weihnachtsdorf von Rothenburg, aber Felicitas Höptner, legere Kleidung, warmes Lachen, ist das gewöhnt. Sie beginnt ihre Einführung gleich an der schmalen Absperrung, die verhindern soll, dass alle auf einmal ins Haus schwappen im Winter. Im Frühling und Sommer? Bräuchte es die Sperren nicht zwingend, aber die Schilder drinnen, besonders vor dem turmhohen Baum, die braucht es schon. Sie belehren, dass man im sternenzeltüberwölbten Dorf und dort besonders an den neuralgischen Weihnachtsmarktpunkten grundsätzlich nicht fotografieren darf. Auf der Balustrade hoch überm Baum würde es einfach zu eng, könnte man Fotoshootings nicht unterbinden. Panikgefahr.
Nach Rothenburg, wo etwa 11 000 Einwohner registriert sind, 2500 von ihnen in der Altstadt, fallen bis zu zwei Millionen Touristen pro Jahr ein. Es kommen auch Deutsche, die aber in der Regel erst von Oktober an, dann eben, wenn wieder Weihnachten dräut. Im Frühling und im Sommer bevölkern Japaner, Amerikaner und in letzter Zeit auffällig viele Australier die Stadt, auf letzteres kann sich Felicitas Höptner auch keinen Reim machen, so ist eben der Trend. Zwei von drei Rothenburg-Besuchern, so wird geschätzt, verbringen einen Teil ihrer Zeit bei Käthe Wohlfahrt, dem Weihnachtsimperium aus Franken.
Das Imperium zu übersehen, bedürfte es in Rothenburg einer Augenbinde. Eintritt vom Großraumparkplatz aus in die Altstadt: Käthe Wohlfahrt zur Rechten, Weihnachtsutensilien für Eilige, nur das Notwendigste. Im Stadtkern dann das Weihnachtsdorf, ein entkernter Häuserkomplex, 30 000 ausgesuchte Weihnachtsartikel. Im Bauch des Gebäudes geht es eine schmale Treppe hinauf ins Weihnachtsmuseum der Wohlfahrts. Gegenüber: ein Wohlfahrt-Fachgeschäft, ein Auszug aus dem Sortiment. Etwas weiter: Souvenirs von Wohlfahrt, um die Ecke ein Spielzeug-Laden von Wohlfahrt, etwas weiter speziell bayerische Souvenirs von Wohlfahrt. Insgesamt neun Filialen unterhalten die Wohlfahrts in Rothenburg, das ist ein Fachgeschäft auf 280 Altstadtbewohner.
Dass der Weihnachtsfachanbieter einer der wichtigsten Arbeitgeber in Rothenburg ist, versteht sich da von selbst. Und dass viele nicht zuletzt der Wohlfahrts wegen in die Stadt kommen, dürfte schwer zu bestreiten sein. Jedenfalls sieht es am Eingang des Weihnachtsdorfes nicht so aus, als würden da Passanten mit menschenunwürdigen Methoden gezwungen, sich bei mediterranen Bedingungen für den letzten Schrei auf dem Adventskalendermarkt zu interessieren, für die erzgebirgigsten Weihnachtspyramiden, das aktuelle Baumständersortiment oder neueste Entwicklungen beim Nussknackerdesign. Höptner lächelt. "Wir sind so vermessen zu behaupten, dass Rothenburg in der ersten Hälfte des Jahres maßgeblich auch wegen Wohlfahrt frequentiert wird", sagt sie. Weil es dem Menschen aus Übersee egal ist, wann er deutsche Tannenbaumgemütlichkeit ästimiert. Außerdem sind's ja nur noch ein paar Monate bis zum Fest. Felicitas Höptner hat inzwischen nach oben ins Museum gebeten, ins Allerheiligste könnte man sagen, wohin dieser Tage vor allem "unsere Hardcore-Weihnachtsfans" vorstoßen, wie sie es nennt. Anderen kann es passieren, dass sie sich absichern, ob auch wirklich keiner zuschaut, ehe sie sich bei "Es ist ein Ros' entsprungen" in die Geschichte des Christbaumschmucks unter besonderer Berücksichtigung der Engelfigur versenken. Auch die Begleitmusik verändert sich signifikant vom Erdgeschoss hinauf ins Museum. Unten, wo mehrere Tausend Besucher pro Tag nach dem ultimativen Schwibbogen stöbern, spielt eine Zither in der Dauerschleife. Es klingt etwa wie im "Dritten Mann", nur etwas lieblicher. Oben, wo sich offenbar vorwiegend die Connaisseure des Weihnachtswesens umtun, hat man sich für das übliche Liedersortiment zum Jahresende entschieden, sämtliche Klassiker am Stück.
Warum unten nicht? Felicitas Höptner legt den Kopf zur Seite, ehe sie antwortet. Das sieht so aus, als würde sie gerade überlegen, ob man diesem Besucher die Wahrheit zumuten kann. Man versuche schon, sagt sie dann, die Verkäuferinnen unten zu schützen: "Das ist ein Knochenjob", jeden Tag Weihnachten, "ein ganz spezielles Publikum. " Es habe Kolleginnen gegeben, die das nicht lange durchgehalten hätten. Das müsse man schon verstehen, sagt Höptner, und es jenen, die sich für Weihnachten am Stück entscheiden, das Leben so angenehm wie möglich machen. 30 Mitarbeiterinnen sind im Weihnachtsdorf mit angegliederten Museum tätig. Eine stammt aus Senegal , sie kümmert sich vor allem ums französischsprachige Publikum. Wie das so ist auf dem täglichen Weihnachtsrummel in westmittelfränkischer Fachwerkkulisse? "Alles gut", sagt sie. Es klingt nicht nur nach: mein Gott, ein Job eben.
Wie Dauerweihnachten nach Rothenburg kam, verrät das Museum nicht im Detail. Womöglich wäre das zu desillusionierend, schließlich ist man geneigt zu glauben, dass es da einen historischen Konnex gibt. Etwas, aus dem notwendigerweise folgt: Weihnachtskompetenz stammt aus Rothenburg. Weil das ja klar ist. Ist es nicht, das Ganze war wohl eher ein Zufall. Die Geschichte der Eheleute Wilhelm und Käthe Wohlfahrt begann in Sachsen, von dort aus brachte das Paar eine Spieldose nach Stuttgart mit. Wilhelm Wohlfahrt trat einen Job bei IBM an und als zum Weihnachtsfest 1963 Amerikaner zu Besuch kamen, wollte man den Gästen so eine Dose schenken. Stellte aber fest, dass es so was nicht gibt im Westen, jedenfalls nicht einzeln. Ein Händler verkaufte lediglich zehn Stück davon. Also ging eine der Dosen an die Gäste, den Rest versuchte Wohlfahrt, bei Soldaten in schwäbischen US-Kasernen loszuwerden. Mit ernüchterndem Erfolg: Wohlfahrt wurde arretiert, unerlaubter Haustürgeschäfte wegen. Eines aber merkte er sich: Interesse ist offenbar da. 1964 gründete das Paar in Herrenberg eine Weihnachtsfirma und wählte den Namen von Käthe Wohlfahrt dafür. Ihr Mann arbeitet vorerst weiter bei IBM.
1977 dann der Umzug nach Rothenburg, auch einer passenden Immobilie wegen. Fünf Mitarbeiter beschäftigten die Wohlfahrts in ihrem ganzjährig geöffneten Weihnachtsbasar, die Leute schlugen die Hände über dem Kopf zusammen angesichts des Geschäftsmodells. Der Laden aber lief: Zunächst kamen vorwiegend US-Soldaten aus den großen Kasernen in Ansbach, Fürth und Erlangen, die nicht wussten, ob sie zum Jahreswechsel noch in Europa sind, und also begannen, sich für die Lieben zu Hause einen schönen Vorrat an Weihnachtskrippen anzulegen. Zwei dieser Kasernen gibt es nicht mehr, braucht's aber auch nicht. Inzwischen steht Wohlfahrt im Standardprogramm für Europareisen. Beziehungsweise Rothenburg, was aber kaum voneinander zu trennen ist.
Warum besuchen Japaner, denen Weihnachten kaum etwas bedeuten dürfte, in ihrer kurzen Zeit in Europa ein Fachgeschäft für Baumschmuck? Nach fünf Stichproben gibt man es auf, eine Antwort darauf zu finden. Sie sagen es so nicht, auch in Rothenburg sind Japaner höfliche Menschen. Aber in den Augen sieht man die Frage: Was ist das denn für ein Komiker? Beim Rausgehen, zwei Stunden hat Felicitas Höptner durchs Weihnachtsareal geführt, schmiegt sich ein japanisches Hochzeitspaar an einen überlebensgroßen Nussknacker. Sie wirken sehr zufrieden.

 

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Bayreuth - Star-Tenor kontrolliert

Zwei Wachleute haben Star-Tenor Klaus Florian Vogt, 46, vor Beginn der Wagner-Festspiele in Bayreuth kontrolliert, als er eine Soldatenuniform trug - ein Kostüm. "Er wurde zur Überprüfung zur Seite genommen", sagte ein Sprecher der Festspiele am Freitag. Grund hierfür sei gewesen, dass der Künstler in der Kantine des Festspielhauses seinen Akkreditierungsausweis nicht getragen habe. Wegen eines verstärkten Sicherheitskonzepts rund um die Festspiele sei aber jeder verpflichtet, seinen Ausweis zu tragen. "Die Sicherheitsleute kannten Herrn Vogt auch nicht, und das kann man auch nicht unbedingt erwarten", sagte der Sprecher. Die Situation habe sich aber schnell aufgeklärt. Allerdings gestalteten sich Begegnungen von Sicherheitspersonal und Künstlern noch schwierig. "Es treffen da sehr unterschiedliche Menschen aufeinander", sagte der Sprecher. "Das Ganze ist noch in der Einübungsphase. "

 

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Die Woche - Held der Woche

Daheim im oberbayerischen Antdorf kommen natürlich oft Brettspiele auf den Tisch, aber manchmal sind die Kinder dann doch genervt, wenn der Papa wieder mittendrin die Regeln ändert. Dabei geht es Marco Teubner nicht ums Gewinnen, sondern darum, dass das Spiel funktioniert. "Stone Age junior" zum Beispiel, eine Auftragsarbeit nach Vorbild eines Erwachsenenspiels, funktioniert nach vielen Tests daheim und in Kindergärten so gut, dass die Jury das Spiel Anfang der Woche zum "Kinderspiel des Jahres 2016" gewählt hat.
Für den freiberuflichen Spieleerfinder ist das eine Ehre und ein Glücksfall, denn wenn sich von einem Kinderspiel gewöhnlich höchstens 10 000 Stück im Jahr verkaufen, so schnellt ein "Spiel des Jahres" im Weihnachtsgeschäft oft locker auf die zehnfache Auflage. Die stilisierte Spielfigur mit dem goldenen Lorbeerkranz für das Spiel des Jahres nennt der 1972 im fränkischen Roth geborene Teubner "Pöppel", mit hartem P, weil das eben der Fachbegriff für die klassischen Spielfiguren ist. Dass das auch der Mädchenname seiner Mutter ist, könnte man vielleicht so deuten, dass Teubner das Spielerfinden in die Wiege gelegt worden sei, aber das wäre übertrieben.
Als junger Kulturwissenschaftler hat Teuber seine Diplomarbeit über Spiele geschrieben und dann - nur zum Spaß und "eigentlich aus einer Bierlaune heraus" - mal selber eines entworfen. 2002 hat er seinen Beruf daraus gemacht, und beim Spieleautorentreffen bekam er gleich den Nachwuchspreis, obwohl noch gar keines seiner inzwischen fast 50 Spiele auf dem Markt war. Preise wie dieser haben ihm bei den Verlagen so viele Türen geöffnet, dass Teubner sich längst nicht mehr nebenbei um die drei Kinder kümmern kann. Die spielen auch gerne Klassiker wie "Mensch ärgere Dich nicht". Dazu kann der Papa kulturhistorische Vorträge halten. Aber die Regeln bleiben, wie sie sind.

 

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Ergolding - Kleinkind in Auto eingesperrt

Bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad ist ein zweijähriges Kind in einem Auto in Ergolding (Landkreis Landshut) eingesperrt gewesen. Die Mutter war auf dem Parkplatz eines Freibades aus dem Wagen gestiegen, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Dabei ließ sie ihren Autoschlüssel im Auto liegen - auf einmal verriegelten sich die Türen selbsttätig. Die Mutter erbat umgehend Hilfe, woraufhin Feuerwehrleute das Mädchen am Donnerstagabend befreiten. Vorsorglich wurde es noch von einem Notarzt untersucht, hatte aber keine Schäden erlitten.

 

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Schwangau - Zwei Leichen im Gebirge entdeckt

Als sie die Leiche eines abgestürzten Bergsteigers bargen, haben Einsatzkräfte der Bergwacht in den Ammergauer Alpen zufällig einen zweiten, bereits teilweise skelettierten Leichnam entdeckt. Bei dem einen toten Bergsteiger handele es sich um einen 52 Jahre alten Mann aus Preetz in Schleswig-Holstein, teilte die Polizei am Freitag mit. Bei der zweiten Leiche ist die Identität noch unklar. "Es könnte sich um eine Person handeln, die seit Längerem vermisst wird", sagte ein Polizeisprecher. Die Staatsanwaltschaft gab ein gerichtsmedizinisches Gutachten in Auftrag. Das Ergebnis wird in der kommenden Woche erwartet.
Ein Bergsportler hatte am Donnerstag am Tegelberg bei Schwangau (Landkreis Ostallgäu) unterhalb eines Klettersteigs eine leblose Person entdeckt und einen Notruf abgesetzt. Auf etwa 1300 Metern Höhe fanden die Bergwacht und Alpin-Kräfte der Polizei in schwer zugänglichem Gelände die Leiche des 52-jährigen Schleswig-Holsteiners. Der Mann war den ersten Ermittlungen zufolge in dem Klettersteig abgestürzt. Wie lange seine Leiche an der Stelle lag, stand zunächst nicht fest. Ebenso wenig konnte die Polizei schon sicher sagen, wie gut der Mann bei seiner Tour durch den Klettersteig ausgestattet war, der entlang einer Drahtseilsicherung durch absturzgefährdetes, felsiges Gelände führt. Üblich sind für solche Touren unter anderem ein Klettergurt mit Karabinern zum Einhaken ins Drahtseil und ein Helm. "Wie die Person ausgerüstet war, ist Gegenstand der Ermittlungen", sagte der Polizeisprecher am Freitag. Ein Hubschrauber flog die Leiche des Mannes ins Tal. Doch bei diesem Bergungseinsatz entdeckten die Helfer in unmittelbarer Nähe der ersten Leiche die zweite. Auch diese transportierten sie schließlich per Helikopter ab. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Todesfällen besteht nach ersten Erkenntnissen nicht.

 

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Film - Chinesen drehen in Bayern

Was besitzt für ein chinesisches Massenpublikum maximalen exotischen Reiz? Offenbar die bayerischen Berge! Denn im Rahmen des Filmfests München wird am Donnerstag ein deutsch-chinesischer Kinofilm vorgestellt, der zu mehr als 90 Prozent in Bayern gedreht werden soll und dabei für den chinesischen Mark bestimmt ist. Die Produktionskosten werden mit 16 Millionen Euro beziffert, geplant ist ein Start des fertigen Werkes in 5000 chinesischen Kinos. Dem Vernehmen nach soll ein Großteil der 16 Millionen Euro der deutschen Filmwirtschaft zugutekommen. Der Schauspieler Jochen Schropp und weitere deutsche Kollegen gehören neben bekannten chinesischen und amerikanischen Stars zum Cast. Der Arbeitstitel des Film lautet: "Love of Alps".

 

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Kurzkritik - Frei über die Prärie

Henri Texier und sein "Hope-Quartet" in der Unterfahrt
Ganz am Ende des Konzerts träumt Henri Texier seinen "Navajo Dream": Er entlockt seinem Bass sitar-ähnliche Klänge, lässt leere Saiten schwingen und Flageoletts schweben. Aber plötzlich geht der Traum in etwas ganz Wildes über. Über "Comanche", das aus Texiers Solomeditation hervorbricht, spielt das Hope Quartet des 71-jährigen Kontrabassisten die freieste und ekstatischste Nummer des Abends. Die zwei Bläser röhren im Kollektiv beinahe rockig, Henri Texier wühlt in seinem Bass, und Louis Moutin ist nach dem Solo, mit dem er sich, Band und Publikum in die finale Ekstase trommelt, so schweißgebadet als wäre er in einen Pool gesprungen. So klingt das also, wenn Komantschen im Free-Jazz-Galopp über die Prärie heizen.
Die Musik mit ihren zahlreichen Indianer-Assoziationen in den Titelnamen stammt an diesem Abend überwiegend aus Texiers neuestem Album, "Sky Dancer", einer musikalischen Hommage an die Kultur der Indianer, die Texier - weißer Bart, weiße Haare und auf dem Kopf so eine Art Ethno-Strick-Ski-Mütze - mit 71 Jahren nicht weniger verehrt wie damals als kleiner Junge. Auch, weil er in den Indianern, die die Wolkenkratzer Nordamerikas errichteten, ein Pendant zu Jazzmusikern sieht: Tänzer zwischen Abgrund und Himmel auf der Suche nach der musikalischen Balance. Texiers Co-Indianer an diesem Abend sind neben dem schweißgebadeten Moutin sein Sohn Sébastien Texier am Altsaxofon und den Klarinetten sowie François Corneloup am Baritonsaxofon. Die beiden bilden ein wunderbar eingespieltes Duo, dessen Lines - manchmal mit einem leichten Ethno-Twist - sich wie Efeu umranken und am erdigen Groovegerüst von Texier/Moutin rauf- und runterklettern. An der Klarinette klingt Texier junior beinahe so lyrisch wie einst Paul Desmond, während Corneloups Baritonsax manchmal wie ein zweiter, geblasener Kontrabass klingt. Ein Quartett, das zwischen erdig und zeitgenössisch, groovy und unklischiert, Improvisation und Komposition, vor allem eines ist: gut ausbalanciert.

 

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Das ist schön - Mehr Lärm als Geräusch

Für den Noise-Nachwuchs gibt es eine unwirtliche Insel
Wenn man jemanden an einen Ort wünscht, wo der Pfeffer wächst, dann ist das für den Betreffenden natürlich nicht besonders schmeichelhaft. Soll die alte Redewendung doch ausdrücken, dass man sich denjenigen ganz weit weg wünscht, auf dass er, respektive sie, für lange Zeit nicht mehr auftauche. Zwar mag dieses etwas aus der Mode gekommene Sprüchlein angesichts der Erfindung des Flugzeugs und der Beliebtheit von klassischen Pfefferländer-Reisezielen wie Indien, Vietnam oder Brasilien nicht mehr ganz kongruent mit der Realität gehen - sein Sinn erschließt sich indes bis heute.
Entsprechend selbstironisch und lässig wirkt die Zeile mit der das Feierwerk an diesem Samstag einen Abend im Sunny Red überschreibt. "Where the Pepper Grows - Movies, Noises and Drones", heißt es da mit einem subtilen Verweis auf die musikalische Landkarte, die seit Jahrzehnten von den beiden Supermächten Pop und Rock dominiert wird, während die, nun ja, "Musik", die hier zur Aufführung gebracht wird, eher dem Status einer ebenso entlegenen wie unwirtlichen Insel gleichkommt. "Noise" nennt sich dieses ausschließlich von Abenteurern besiedelte Eiland, das es einem als Nicht-Abenteurer furchtbar schwer macht, überhaupt erst dort anzulanden.
Denn klar, "Noise", das ist bekanntlich der englische Begriff für "Geräusch", "Krach" oder "Lärm". Im musikalischen Kontext steht er gemeinhin für eine Strömung, die sich grimmig gegen jegliche Form von Struktur zu behaupten weiß. Harmonien und Melodien wird man hier vergeblich suchen, einen Rhythmus nur mit ganz viel Gespür. So verwundert es nicht, dass die Soundscapes der jungen Münchner Experimentalisten namens Daniel Door, Mäander, Space Eating Dogs und Elkht, die im Verbund mit dem Wahlberliner Skrei das Sunny Red bespielen, ausschließlich sirrender, flirrender, dröhnender oder sägender Natur sind. Das tut natürlich erst mal weh im Ohr.
Und doch können, hat man den ersten Gehörschock einmal überwunden, erstaunliche Dinge mit einem passieren, deren kathartischer Effekt sich wohl am besten mit einer Art Entgrenzung, mit einer Komplettspülung für Leib und Seele beschreiben lässt. Keine Frage, schön ist diese Musik, wenn man sie so nennen will, nicht. Dass es im seit jeher umkämpften Konzert-Standort München dennoch einen Ort gibt, wo sie erklingen darf, ist dafür umso schöner.

 

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Filmfest-Tipp des Tages - Premiere im Planetarium

Der junge Magier Limbradur langweilt sich im Unterricht an der Zauberschule. Sein Interesse gilt nicht den Zaubersprüchen, sondern den großen Wissenschaftlern, und so schleicht er sich eines Nachts heimlich ins Albert-Einstein-Museum. Limbradurs Einbruch wird von Roboter Alby entdeckt, der ihn nach anfänglichen Streitigkeiten mitnimmt auf eine Reise durch das Sonnensystem. Der Regisseur Peter Popp hat mit "Limbradur und die Magie der Schwerkraft" ) einen Film für Kinder produziert, der spielerisch die Geheimnisse von Gravitation, schwarzen Löchern und Raumzeit erklärt. "Limbradur" läuft auf dem Kinderfilmfest als 360-Grad-Projektion, die das Gefühl gibt, mitten im Film zu sein, im Planetarium des Deutschen Museums.
Limbradur und die Magie der Schwerkraft , Dtl. 2016, Regie: Peter Popp, Weltpremiere, Samstag, 25. Juni, und Sonntag, 26. Juni, Vorführungen jeweils von 10 Uhr an alle zwei Stunden bis 16 Uhr, Deutsches Museum, Museumsinsel 1, ☎ 217 91, www.filmfest-muenchen.de

 

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Festspiele - Wochenendkunst

Filmfest, Galerienwochenende, Opernfestspiele: die Veranstaltungen drängen sich
Es ist das große Aufbäumen der Kultur vor der langen Sommerpause. Quer durch die Genres bündeln sich die Veranstaltungen zu Festivals. Das Filmfest verteilt sich mit seinem ausufernden Programm über die Kinos der Stadt. Ebenfalls zu einem Fest des Sehens soll das sechste Münchner Kunstwochenende werden - eine Leistungsschau der Galerien, deren Spektrum von renommierten Künstlern bis zu jungen Entdeckungen reicht. Dass die Ausstellungen durch Gespräche und Konzerte ergänzt werden, versteht sich fast von selbst. Wer das Gesamtkunstwerk sucht, wird auf alle Fälle bei den Münchner Opernfestspielen fündig. Schon am Freitag durch die Unicredit-Festspiel-Nacht eröffnet, geht es am Samstag weiter mit "Tosca" und am Sonntag der Premiere von "La Juive" im Nationaltheater. Karten gibt es noch für die "La Juive"-Aufführungen am 30. Juni, 4. und 8. Juli. Schon am Montag gemeinden die Opernfestspiele das Tanztheater ein - mit Pina Bauschs "Für die Kinder von gestern, heute und morgen". Foto: Wilfried Hösl

 

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Vorschlag-Hammer - Wiederauferstehung

Die Oper "La Juive" erlebte eine höchst erfolgreiche weltweite Aufführungsgeschichte - dann kamen die Nazis an die Macht
Am Sonntag wird sich der Vorhang bei den diesjährigen Münchner Opernfestspielen im Nationaltheater über einem Stück heben, das seit 1931 hier nicht mehr zu sehen war. Nicht, weil es bedenkliche musikalische oder dramatische Schwächen hätte. Nein, "La Juive" ("Die Jüdin") wurde vom Franzosen Jacques Fromental Halévy 1835 komponiert und erlebte eine höchst erfolgreiche weltweite Aufführungsgeschichte. Aber bei den Nazis waren ein jüdischer Komponist und ein jüdisches Thema unmöglich und verfemt. Dabei schätzte der große Antisemit Richard Wagner Halévys Partitur ebenso wie Giuseppe Verdi. Erst seit 1999 erlebt die einst so viel gespielte Oper ihre internationale Wiederauferstehung. Man sieht, wie lange die rassistischen Verdikte der NS-Zeit vorhalten und wie viele ihrer giftigen Vorurteile unterschwellig wirksam sind nicht nur in jenen Generationen, die schwer kontaminiert jene Zeiten überstanden haben. Man denke nur ans fatale Geschwätz von angeblich kalten Virtuosen im Gegensatz zu den wahrhaft Musikalischen, bei denen Technik - vermeintlich - unwichtig sei. So klingt es dann meistens auch.
Wer sonst noch Musik erleben möchte, sollte sich den Donnerstag, 30. Juni, vormerken. Da spielt das exzellente polnische Apollon Musagete Quartett im Nymphenburger Hubertussaal. Und beim BR-Symphonieorchester spielt ein anderer exzellenter Pole Klavier: Piotr Anderszewski. Außerdem dirigiert John Eliot Gardiner. Was der wohl vom Brexit hält?

 

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Kabarett - Staatsfragende Institution

Mit 60 Jahren ist die Lach- und Schießgesellschaft beinahe so alt wie die Bundesrepublik, an der es immer viel zu bekritteln gab. Gefeiert wird das mit einem Festakt in den Kammerspielen
Vor kurzem ist eine ausgezeichnete Doktorarbeit über die "Elf Scharfrichter" erschienen. Auf 460 Seiten wird alles über Münchens - und schließt man Ernst von Wolzogens kurz zuvor gegründetes Berliner "Überbrettl" aus definitorischen Gründen aus, auch Deutschlands - erste Kabarettbühne ausgebreitet, was man heute noch wissen kann. Geht es danach, müsste eine Arbeit über die Lach- und Schießgesellschaft abertausende Seiten umfassen, denn während das Etablissement der "Elf Scharfrichter" an der Theresienstraße damals nach der Wende zum 20. Jahrhundert nur dreieinhalb Jahre existierte, feiert die Lach- und Schießgesellschaft an der Ursulastraße in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag.
Und das standesgemäß: In den Münchner Kammerspielen findet am nächsten Montag die große Gala zum Jubiläum statt. Quasi ein Kabarett-Staatsakt also, zu dem die kabarettistisch noch aktiven ehemaligen Ensemble-Mitglieder Henning Venske und Ecco Meinecke ebenso ihr Scherflein beitragen wie natürlich die aktuellen. Aber auch viele andere Kabarettisten, die dem "Laden" auf die eine oder andere Art eng verbunden sind.
Josef Hader zum Beispiel, den in seinen Anfängen 1987 niemand in Deutschland buchen wollte, bis auf die Lach- und Schieß-Granden Dieter Hildebrandt und Cathérine Miville, die ihm auch nach ersten Verrissen die Treue hielten. Ein paar Jahre lang war für Hader Auftreten in Deutschland nahezu gleichbedeutend mit Auftreten im Münchner "Laden", mindestens bis zu "Im Keller" 1993. Oder sein österreichischer Landsmann Werner Schneyder, der nach der ersten großen Krise und Pause des Ensembles mit Dieter Hildebrandt jenes legendäre Duo bildete, das zum Vorbild für ein formal und inhaltlich erneuertes Kabarett wurde. Oder Konstantin Wecker, der, von Sammy Drechsel persönlich engagiert, noch vor seiner fulminanten Liedermacher-Karriere hier das erste abendfüllende Programm seines Lebens spielte. Wecker war schon damals klar, dass er kein Kabarettist ist, der Lach- und Schießgesellschaft blieb er aber als Musiker wie als Freund bis heute verbunden. Oder der Kabarett-Pensionär Georg Schramm, immer noch der unerreichte Tiefenpsychologe der Szene. Oder der "Hauszeichner" (und SZ-Karikaturist) Dieter Hanitzsch, dessen Porträts der wichtigsten Lach- und Schieß-Köpfe seit Jahrzehnten den Saal zieren.
Repräsentieren sie beim Jubiläumsabend gewissermaßen die Vergangenheit, so sind auch Vertreter der Gegenwart präsent, zuvorderst mit Claus von Wagner und Max Uthoff, die nicht nur neue politische Schärfe, sondern auch das Kunststück fertiggebracht haben, eine neue Art Ensemblekabarett, und das auch noch im Fernsehen zu kreieren. Dazu stoßen einige, die aus verschiedenen Spielzimmern der Branche grüßen: Eine Luise Kinseher etwa, weniger als "Mutter Bavaria" denn als eine der immer noch wenigen erfolgreichen Frauen im Kabarett-Betrieb; ein Michael Mittermeier als Abgesandter der gehobenen Comedy; schließlich Pigor & Eichhorn als Kollegen von der literarisch-poetisch-musikalischen Abteilung.
Alle ihre Biografien wären ohne die Lach- und Schießgesellschaft mehr oder weniger anders verlaufen, und oft nicht nur die beruflichen. Natürlich stehen hinter der Institution Lach- und Schießgesellschaft vor allem Menschen und Namen. Zuallererst natürlich Sammy Drechsel, der Gründer und Chef, ein unwiederholbares Unikum, einer, der stets an mehreren Enden gleichzeitig brannte: Als Sportreporter und Fußballvernarrter - der von ihm gegründete FC Schmiere, dem er als Mittelstürmer auch zu einer beachtlich positiven Spielstatistik verhalf, war ja noch bis vor gar nicht so langer Zeit untrennbar mit der Lach und Schieß verwoben, mitunter sogar ein Einstellungsgrund fürs Ensemble, wenn der Kandidat ein tauglicher Fußballer war. Drechsel galt als begnadeter Strippenzieher, Alle-Welt-Kenner und gewiefter Geschäftsmann ebenso wie als fürsorglicher, mitunter auch strenger Übervater seiner Kabarett-Truppe. An seiner Seite von Anfang an natürlich Dieter Hildebrandt , der nach und nach zum Synonym für die Lach- und Schieß wie für das gesamte politische Kabarett in der Republik wurde, und dessen Anwesenheit im Laden man noch heute spürt, zweieinhalb Jahre nach seinem Tod. Ein Klaus Peter Schreiner gehörte als jahrzehntelanger Haustexter zu diesem innersten Zirkel, aber auch eine Gerti Schmid, bis vor einigen Jahren das buchstäbliche Mädchen für alles im und für den Laden und eine Art ideale persönliche Assistentin Hildebrandts.
Dank ihnen und vieler anderer hat die Münchner Lach- und Schießgesellschaft die Geschichte der - kaum älteren - Bundesrepublik nicht nur fast lückenlos kritisch begleitet und kommentiert, sie ist selbst ein Teil davon geworden. Schon deshalb ist die ewige Frage, was das Kabarett bewirken könne, sinnlos. Die Lach- und Schießgesellschaft hat nicht mehr - aber auch nicht weniger - bewirkt als andere Institutionen der Gesellschaft, mit der sie untrennbar verwoben sind. Wie die von ihr kritisierten Politiker, Bosse und Bürger hatte die Lach- und Schießgesellschaft ihre Einsichten und Irrtümer, ihre Triumphe und Krisen. So wie die Republik hatte sie ihre historischen Phasen.
Die erste währte quer durch die muffigen Sechzigerjahre bis 1972. Die große Zeit, als die Lach- und Schießgesellschaft vor allem durch die Fernsehausstrahlungen ihrer Programme das wohl bekannteste deutsche Ensemble wurde. Bis die gesellschaftliche Liberalisierung mit der 68er-Bewegung und einer sozialliberalen Regierung als Speerspitzen das altväterliche Nummernkabarett überholt hatten. Vier Jahre währte die erste Zeit ohne eigenes Ensemble, bis man einen Neuanfang wagte. Der dauerte mit vielen Auf und Abs und nach einem längeren finalen Siechtum exakt bis zum 30. Dezember 1999. Das Ensemble-Kabarett alter Art hatte sich da in der neuen Medien- und Informationsgesellschaft, aber auch gegen die Konkurrenz durch die vielen Solo-Kabarettisten, schon längst überholt.
Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends gab es dann auch eine neue Lach- und Schießgesellschaft mit neuer Gesellschafterstruktur und dem dynamischen, bereits am Lustspielhaus erprobten Till Hofmann als Chef, mit renoviertem und umgebautem Innenraum und mit der endgültigen Fokussierung auf das Kerngeschäft als Gastspielstätte für die kritisch-kreative Elite des deutschsprachigen Kabaretts. Im Kleinkunstimperium des Till Hofmann hat der Laden so seinen Platz zwischen Vereinsheim und Lustspielhaus eingenommen, ohne sein Renommee zu verlieren oder seine - inzwischen sogar wieder mit einem hochinteressanten und neuartigen Ensemble gepflegte - Tradition zu verleugnen.
Damals wie heute gilt frei nach Frank Sinatra das Motto: Wenn du es in die Lach-und Schieß schaffst, dann schaffst du es überall hin. Das beweisen nicht zuletzt die Gäste des Jubiläumsabends. Der gewissermaßen "neutrale", weil nie mit der Münchner Szene verbandelte Moderator Christian Ehring soll durch einen Abend führen, der ebenso lustig wie kritisch und ebenso nostalgisch wie vorausblickend zu werden verspricht. Die Mixtur, die in wechselnden Anteilen schon immer das Wesen des "Ladens" ausmachte. Und dies nach heutigem Stand auch noch einige Zeit machen wird.

 

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Macher mit Macht - Ein Mann räumt auf

Mit dem Abschied von Reinhard G. Wittmann, Mitgründer und jahrzehntelang Leiter des Literaturhauses, geht eine Ära zu Ende
Ein Mann räumt auf. Reinhard G. Wittmann sitzt in diesen Wochen in seinem Büro und nimmt Abschied. Er sichtet, er schichtet - Bücher, Kataloge, Broschüren. Und er sichert: all jenes Material aus fast zwei Jahrzehnten als Literaturhaus-Chef, das ihm wertvoll erscheint. Manches schickt er an Archive, anderes wird er wohl mitnehmen müssen. Zum Beispiel das Oktoberfest-Herz mit der verschnörkelten Zuckerguss-Schrift "Wir lieben unseren Chef", das in der nüchternen Atmosphäre seines großen, lichten Arbeitszimmers ein bisschen fremd wirkt.
Dieses Chefzimmer hat er sich hart erarbeitet. Denn eines muss man sich immer wieder klar machen: Es ist mitnichten selbstverständlich, dass Wittmann im Jahr 1997 am Salvatorplatz ein Literaturhaus mit eröffnen und anschließend 19 Jahre leiten konnte. Nun ist seine Amtszeit fast vorbei, am 1. Juli wird die Verlegerin Tanja Graf die Geschäfte übernehmen. Aus der Programmplanung hat sich Wittmann bereits zurückgezogen, er zieht nun Bilanz. Und es sind die schwierigen Anfänge, auf die er selbst als erstes zu sprechen kommt und von denen er in einem noch schnelleren Redetempo als sonst erzählt, so als wäre ihm ständig bewusst: Er muss sich beeilen, er hat nicht mehr viel Zeit.
Dabei gibt es so vieles zu erwähnen, wenn man mal in den Erinnerungen kramt. "Die härteste Phase" sei die im Vorfeld der Gründung des Literaturhauses gewesen, sagt Wittmann. Sie begann, wenn man großzügig rechnet, bereits 1989. Als Wittmann damals als Abteilungsleiter für Literatur, Film und Medien ins Münchner Kulturreferat kam, hatte der Niederbayer mit dem gewinnenden Lausbuben-Lächeln bereits Stationen in Berlin und Hamburg hinter sich und ein Lebensziel: "das literarische Leben einer Stadt vernünftig zu durchdenken und durchzuorganisieren". Das war in den Achtzigerjahren offensichtlich auch nötig: "Trostlos", dieses Wort fällt gleich dreimal im Abschieds-Gespräch - immer dann, wenn Wittmann sich an unprofessionelle Lesungen in Buchhandlungen erinnert, an schlechten Ton und unbequeme Stühle.
Also ging er damals unter Kulturreferent Siegfried Hummel ehrgeizig daran, das Münchner Literaturwesen umzukrempeln und "die Szene sichtbar zu machen". Er ordnete die Preise und Stipendien neu, er führte allerhand ein vom Literaturblatt bis zum Literatur-Telefon, vom Comicfest bis zur Internationalen Frühjahrsbuchwoche, er machte sich für das Archiv Monacensia stark und die Künstlervilla Waldberta. Im Hinterkopf hatte er bereits die Idee eines Literaturhauses als zentralem Ort für das Buch; eine Idee, die damals gerade deutschlandweit populär wurde. In Hamburg war Wittmann bereits an der Gründung einer solchen Institution beteiligt gewesen, und auch in München warb er unermüdlich dafür - und suchte fieberhaft nach einem passenden Ort.
Wittmann hatte Glück, und er wusste es mit Geschick zu nutzen: Er überzeugte erst den Oberbürgermeister Georg Kronawitter - der ihn "zu Kaffee und Plätzchen" bat - und später dessen Nachfolger Christian Ude von der Idee. Er bekam von einer Stadträtin den Tipp, dass die ehemalige Mädchenschule am Salvatorplatz frei werde, ein "von vielen Seiten begehrtes Haus". Und er fand - "ein Glücksfall" - im ehemaligen Bertelsmann-Kulturmanager und baldigen Stiftungs-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Wechsler einen wichtigen Verbündeten, der unter anderem dabei half, die Akademie des Deutschen Buchhandels nach München und als Mieterin ins neue Haus zu holen. "Das war schon spannend", sagt Wittmann über diesen jahrelangen Prozess, und: "Da musste man schon auch taktieren. "
Und das hat er, ein gewiefter Stratege und Strippenzieher, denn auch erfolgreich getan. Natürlich rumpelte es, vor allem anfangs, schon mal im just renovierten Gebälk; Ursula Haeusgen zum Beispiel, die mit ihrem Lyrik-Kabinett einziehen sollte, suchte sich lieber andere Räume. Doch mit jedem Jahr schafften es Wittmann und sein Team besser, mit einem "breiten Ansatz" das geradezu einschüchternd repräsentative Gebäude zu beleben. Eine "Einrichtung, die gleichberechtigt ist mit Theatern und Museen", sollte es sein, "nicht verschroben und hinterwäldlerisch". Zu Recht kann Wittmann heute sagen: "Das haben wir erreicht. "
Stolz ist Wittmann auch auf die Literatur-Ausstellungen, die zu "Marken" geworden seien: "Seit zehn Jahren läuft es richtig gut. " Hat er mit Hermann Hesse , Loriot oder Thomas Mann allzu sehr auf große Namen gesetzt? Nein, findet er, "das muss man immer wieder machen". In der Gerhard-Polt-Ausstellung zum Beispiel hätten "Trachtler aus dem Oberland neben Hans Magnus Enzensberger" gestanden: "Dadurch erweitert man den Kreis der Interessenten, das tut dem Haus gut - es lebt dadurch auch tagsüber und am Wochenende. " Auch persönlich hat Wittmann die Arbeit an den Ausstellungen genossen: "Man kann sich mal intensiver mit einem Thema beschäftigen - unser Geschäft ist sonst ja sehr flüchtig. "
Und es ist ständiger Veränderung unterworfen. Das "erzählende Sachbuch" zum Beispiel sei in den vergangenen Jahren in den Verlagen wichtiger geworden, sagt er, daher habe man immer mehr Veranstaltungen und Reihen dazu angesetzt, zuletzt gar ein "Historisches Quartett". Auch für junge Leser brauche man "immer wieder neue Formate", mal ganz abgesehen von den Schüler-Workshops und der längst etablierten Bayerischen Akademie des Schreibens. Sogar mit Speeddating hat Wittmann experimentiert in den vergangenen zwei rastlosen Jahren, in denen er es noch einmal allen zeigen wollte, und mit einem Literaturhaus-Magazin zur besseren Selbstdarstellung. Auf gute Außenwirkung ist er ohnehin bedacht: "Wir müssen uns wie ein Hotel verstehen", sagt er, spricht von "Gastfreundschaft" und hat fast schon das Wort "Willkommenskultur" auf der Zunge - das kommt ihm, mit dem man leidenschaftlich über Politik streiten kann, dann aber doch nicht ganz glatt über die Lippen.
Und was hat seiner Meinung nach nicht so gut geklappt in diesen Jahren? Mit Negativem hält sich Wittmann nicht gern auf: "Ich kann gar nicht sagen, dass etwas nicht so geworden ist. " Es gehe ja immer darum, Lösungen zu finden: "Man hat ja keine fixe Vorstellung! " Auch an Kritik mag er sich kaum erinnern. Es gab sie natürlich, als Szene-Gemurmel im Hintergrund. Das ist wohl unausweichlich bei einer so exponierten Position, in der man selten Verleger, Autoren und Besucher gleichermaßen zufriedenstellt; "man muss nein sagen können", hat Wittmann gelernt, "Freunderl-Wirtschaft geht nicht".
Und es hat natürlich auch mit seiner Person zu tun: Wittmann ist ein Macher, ein Macht-Mensch auch; er ist einer, der zum Beispiel - wie kürzlich bei einer Internationalen Bodenseekonferenz im Kreise anderer Literaturhaus-Chefs - den Erfolg einer Veranstaltung über den Büchertisch definiert: "Wenn ein Abend gut ist, kaufen die Leute danach das Buch. " Für diese Art von Pragmatismus wird man von intellektuellen Feingeistern nicht heiß geliebt. Dafür müssen die am Ende des Jahres niemandem Rechenschaft über die Auslastung der Räume geben. Wittmann übergibt ein gut bestelltes Haus: Der Laden läuft, die Zahlen stimmen.
Dafür hat der Literaturhaus-Leiter, so sagt er, persönliche Neigungen hintangestellt. Eigentlich möge er ja "schräge Schriftsteller, besessene Typen" wie zum Beispiel Einar Schleef, "ein irrer Autor". Doch einen Saal mit 300 Plätzen bekommt man eher mit Groß-Schriftstellern vom Schlage eines Martin Walser voll. An die Zusammenarbeit mit Walser, den er zu Hause am Bodensee besuchte, erinnert sich Wittmann ohnehin besonders gern. Oder an den emotionalen Moment bei einer Lesung von Herta Müller, kurz nachdem sie den Nobelpreis erhalten hatte - als so viele Exil-Rumänen zum Signieren anstanden, dass die Schriftstellerin, "überwältigt, mit Tränen in den Augen", erst mal eine Zigarettenpause brauchte.
Jetzt also heißt es loslassen für Reinhard Wittmann, und Tränen weint jemand wie er wohl nicht in der Öffentlichkeit. Er sei schon auch ein bisschen froh, die große Verantwortung bald abzugeben, sagt der 66-Jährige. Er möchte noch frei weiterarbeiten, Konzepte machen, "kuratieren, so sagt man doch". Genaue Pläne hat er noch keine: "Ich muss wahrscheinlich alles erst verarbeiten", sagt er, und es blitzt, ganz kurz, jenes schalkhafte Lächeln auf, das man in entspannteren Momenten öfter bei ihm sieht. Noch aber ist Reinhard Wittmann in der arbeitsreichen Übergangs- und Abschiedsphase. Noch hat er nicht genug geräumt, um aufgeräumt zu wirken.

 

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Jahreswirtschaftsbericht - Der Stadt fehlen Gewerbeflächen

Bis zum Jahr 2030 werden bis zu 166 weitere Hektar benötigt
Wohnungen ja, aber bitte auch die Gewerbeflächen nicht vergessen: Bürgermeister Josef Schmid (CSU) mahnt dringend die Ausweisung neuer Areale für die Wirtschaft an. Aktuell gebe es keine freien Gewerbeflächen mehr, bis 2030 würden aber zwischen 48 und 166 Hektar zusätzlich benötigt. Im städtischen Wirtschaftsreferat, dessen Leiter Schmid in Personalunion ist, haben sich allein zwischen Januar 2015 und Februar diesen Jahres 227 expansions- oder zuzugswillige Unternehmen vorgemerkt, die allein etwa 40 Hektar zusätzlichen Grund brauchen könnten. Auch freie Büroflächen seien kaum noch zu haben.
Auslöser der großen Nachfrage ist der anhaltende Boom in der Landeshauptstadt, deren Wirtschaft im vergangenen Jahr deutlich stärker gewachsen ist als im bayerischen oder auch deutschen Durchschnitt. Münchens größter Vorteil ist dabei das außerordentlich breite Branchenspektrum, so Schmid bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts für 2015. "Vielfalt erzeugt Stabilität. " Nahezu alle für die deutsche Volkswirtschaft bedeutenden und als besonders zukunftsfähig betrachteten Wirtschaftszweige seien in München vorhanden - und bildeten sogar die Branchenschwerpunkte. Viele Betriebe konzentrierten zudem ihre Forschung und Entwicklung in München. Besonders bedeutsam seien Elektrotechnik, Mediensektor, Automobilbau, Medizintechnik und Biotechnologie. Bei der Kultur- und Kreativwirtschaft "wird München von der EU-Kommission in einem Atemzug mit Paris und London genannt", berichtet Schmid. Dem CSU-Politiker liegt speziell der Ausbau der Start-up-Szene am Herzen, die nicht so auf Berlin zentriert sei, wie es immer heiße.
Das Münchner Bruttoinlandsprodukt beträgt 94,3 Milliarden Euro - die Zahl stammt allerdings von 2013, da das Statistische Landesamt die regionalen Werte nur mit Verzögerung liefert. Dies entspricht einem Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bayernweit liegt die Steigerung bei nur 2,7 Prozent, bundesweit bei 2,4 Prozent.
Die gute wirtschaftliche Lage hat zur Folge, dass die Münchner deutlich mehr Geld zur Verfügung haben als alle anderen deutschen Großstadtbewohner: 30 786 Euro pro Jahr und Einwohner, das sind 38 Prozent mehr als der bundesdeutsche Schnitt. Die Nummer zwei, Düsseldorf, kommt auf 25 937 Euro, der Dritte Frankfurt auf 24 668 Euro. Die Zahl der Arbeitsplätze konnte Schmid zufolge nicht mit dem Wirtschaftswachstum mithalten. Dennoch habe München mit fast 800 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen neuen Rekord erreicht.
Mit spürbaren Nachteilen durch den Brexit rechnet Schmid nicht. Zwar sei es "sehr bedauerlich", dass die Briten einen Schritt zurück gemacht hätten. Die Münchner Wirtschaft verfüge aber über ein breites Fundament, der Handel mit Großbritannien sei vergleichsweise überschaubar. Knapp 6000 Briten lebten in München - das sind 2,8 Prozent der EU-Ausländer und 1,5 Prozent der Ausländer insgesamt.

 

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Neue Zentrale: Siemens bekennt sich zu seinen Wurzeln

Bei der Eröffnung der neuen Zentrale geht es Konzernchef Joe Kaeser und Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht nur um die ehrgeizige Architektur.
Natürlich ist das hier alles nur Stahl und Beton und Glas und noch vieles andere. Und doch soll es so viel mehr sein: Ausdruck von Selbstbewusstsein, ein Sinnbild dafür, was der Hausherr ist oder gerne wäre. "Eine weltoffene Stätte der Begegnung", wie es Siemens-Chef Joe Kaeser formuliert, ein Ort des "hierarchiefreien Dialogs" in seiner Firma (der ja oft genug noch das Image der Großbehörde anhaftet), ein Vorzeigeobjekt für umweltfreundliches Bauen, schließlich nicht weniger als ein "Bekenntnis" zu den Wurzeln von Siemens.
Und am Ende ganz einfach "ein neues Zuhause". Siemens ist wieder zurück: Nach gerade mal sechs Jahren Planungs- und Bauzeit hat der Konzern seine neu erbaute Firmenzentrale am Wittelsbacher Platz eröffnet.
Es müsste sich unter der Last der Erwartungen biegen, könnte man nicht davon ausgehen, dass das dänische Büro Henning Larsen Architects offenkundig ein recht stabiles Gebäude entworfen hat, das künftig 1200 Mitarbeitern Platz bieten wird. "Ein Team ist etwas anderes als eine Chat-Gruppe", sagt Kaeser, deshalb brauche es auch heute noch Firmenzentralen.
Und der neue Bau soll nun die Weltoffenheit eines weltweit tätigen Konzerns ausdrücken, die Transparenz eines Unternehmens, das sich nach der tiefen Krise seiner Korruptionsaffären neu erfinden will. Und das Geschäfte machen will mit den Techniken der Zukunft, mit sparsamem Energieverbrauch zum Beispiel. 90 Prozent weniger Strom, 75 Prozent weniger Wasser soll die neue Zentrale brauchen, verglichen mit dem alten Siemens-Häuser-Wirrwarr an selber Stelle.
Und zigfach fällt bei der Eröffnungsfeier am Freitag das hehre Wort "Bekenntnis": "Damit erneuern wir unser Bekenntnis zu Bayern und zu unserem Standort in Deutschland", sagt Kaeser. Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht lieber vom "Bekenntnis zu München", wiewohl er zugeben muss, dass die Stadt doch irgendwie zum Land gehört. "Siemens und München - das passt immer noch sehr gut zusammen", lobt der OB.
Darin klingt freilich an, dass sich manches gewandelt hat. Einst war der Konzern der größte Steuerzahler und Arbeitgeber an der Isar, an die 50 000 Menschen arbeiteten in den besten Zeiten hier für ihn, München soll mal der weltgrößte Lieferant von digitaler Kommunikationstechnik gewesen sein. Doch in den Neunzigerjahren setzte ein langsamer Niedergang ein. Telefone und Handys, Netzwerke und Chips, Computer und Licht - Geschäftsbereich um Geschäftsbereich wurde verkauft, verkleinert, dicht gemacht.
Und dass das wie die Telefone ausgerechnet das historische Herz des Konzerns betraf, ließ München als Siemens-Stadt im Bewusstsein noch mehr schrumpfen, als sie es faktisch ohnehin schon tat. Heute sitzen die Geschäftsfelder mit Zukunft zumeist anderswo, in Erlangen zum Beispiel, wo heute je nach Rechnung 25 000 bis 35 000 Siemensianer arbeiten.
In München sind es nur noch 8500. Viele Standorte sind längst aufgegeben, auf dem einst weltweit größten Produktionsstandort in Obersendling entstehen Wohnungen, fast nur noch der Name der S-Bahn-Station verrät, was hier einst war: die "Siemenswerke". Und dass im Deutschen Museum Preziosen wie Werner von Siemens' Dynamomaschine von 1856 zu sehen sind, macht München allein auch nicht zur Siemens-Stadt.
Umso wichtiger war für die Stadt, als Siemens vor sechs Jahren unter seinem damaligen Chef Peter Löscher (der zur Feier im Übrigen nicht geladen war) beschloss, seine Firmenzentrale abzureißen und neu zu bauen sowie das in den Komplex integrierte historische Palais Ludwig Ferdinand grundlegend zu sanieren. "Das weiß die Stadt sehr zu schätzen", sagt Reiter; dass München heute ein derart starker Wirtschaftsstandort sei, liege auch an Siemens.
Zumal der Konzern auch noch all die "städtebaulichen Anregungen" aus dem Rathaus aufgegriffen habe: Da die Zentrale im Erdgeschoss nun frei zu durchqueren ist, besteht endlich eine direkte Verbindung vom Odeonsplatz zum Pinakotheken-Viertel. (Sofern man unfallfrei den Altstadtring überquert.) Kaeser und Reiter lobten sich gegenseitig für die professionelle Zusammenarbeit von Stadt und Konzern. Dass es freilich gerade mal ein Jahr dauerte, bis der sein gewünschtes Baurecht bekam, das könnte die Oberen im Rathaus in Vergleichsfällen künftig gehörig unter Druck setzen.
Derlei Entgegenkommen war für Siemens aber nicht der einzige Grund, in München zu bleiben, wenn man Kaeser Glauben schenkt. "Die ganze Stadt München ist unser Campus, ein Campus voller Schätze", sagt er. Mit all den Konzernen und Mittelständlern, mit den Start-ups und Hochschulen. "Wir wollen mittendrin sein in dieser Stadt, mitten im Leben, vor allem aber auch mitten in der Gesellschaft. "
Genau da, mittendrin in München, hat der Stadtrat dem Konzern den Gefallen getan, einen Teil der Finkenstraße, an der die neue Zentrale liegt, um- und nach seinem Gründer zu benennen: Auf den Briefbögen ist der Schritt noch nicht vollzogen, künftig aber residiert der Konzern nicht mehr am Wittelsbacher Platz 2, sondern an der Werner-von-Siemens-Straße 1. Und er ist weiterhin daheim in 80333 München.

 

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Amtsgericht - Mann muss Fenster wieder austauschen

Fenster, die als Bestandteil der Fassade zum Gemeinschaftseigentum gehören, dürfen von Wohnungseigentümern nicht auf eigene Faust ausgetauscht werden. Das Amtsgericht München hat einen Eigentümer zum Rückbau verurteilt. Zwar weise die Gemeinschaftsordnung hier den Eigentümern die Pflicht zur Instandhaltung zu. Dabei sei aber der Außenanstrich ausdrücklich ausgenommen. "Behält sich die Gemeinschaft schon den Außenanstrich vor, gilt dies erst recht für die vollständige Erneuerung", sagt nun das Gericht. "Mit einer solchen Regelung wollen die Wohnungseigentümer nämlich die einheitliche Außenansicht des Gebäudes sicherstellen", heißt es in der Urteilsbegründung.
Der Mann hatte im neunten und zwölften Stockwerk eines Mehrfamilienhauses in der Titurelstraße im Herzogpark die alten Holz-Alu-Fenster ohne Mittelsteg aus- und weiße Kunststofffenster mit Mittelsteg eingebaut. Die Eigentümergemeinschaft hatte daraufhin verlangt, dass er die neuen Fenster beseitigt und den alten Zustand wiederherstellt. Der Eigentümer meinte jedoch, der Rückbau der Fenster sei aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen mit einem immensen technischen Aufwand verbunden und deswegen unverhältnismäßig. Der Richter winkte ab: Da der Eigentümer keinen Anspruch auf die von ihm durchgeführten Baumaßnahmen habe, sei das Beseitigungsverlangen auch nicht rechtsmissbräuchlich. Das Urteil (Az.481 C 12070/14 WEG) ist rechtskräftig.

 

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Nach langer Suche - Neues Domizil

Das alternative Projekt Stattpark Olga zieht um
Das lange Hin und Her beim neuen Standort des alternativen Wohn- und Kulturprojekts "Stattpark Olga" hat ein Ende. Nachdem die Stadt der Initiative nach deren Auffassung zuletzt "nur Flächen wirklich weit draußen", die für Kulturarbeit deshalb unattraktiv waren, angeboten hatte, ging plötzlich doch alles ganz schnell. Unter dem Druck des Baustarts der Berufsschule an der Tumblingerstraße, dem bisherigen Areal der Olga-Siedlung, hat das Kommunalreferat nun eine Freifläche an der Boschetsrieder Ecke Aidenbachstraße in Obersendling zur Miete freigegeben. Schon am letzten Juni-Wochenende soll der Umzug der 17 bewohnbaren Anhänger, Wagen und Transporter beginnen.
Von der Entscheidung fühlt sich der zuständige Bezirksausschuss (BA) übergangen. Man sei vom Umzug überrascht worden, sagt BA-Vorsitzende Ludwig Weidinger (CSU). Die Olga-Aktiven wollen ihr Projekt deshalb so bald wie möglich in der BA-Sitzung vorstellen: "Uns ist sehr viel an einem guten Verhältnis gelegen", bekräftigt Andrés Schmidt, ein Sprecher des Olga-Projekts.
Ganz glücklich ist man auch bei Olga über die Entwicklung nicht: "Sehr schade ist, dass wir dort auch nur bis September 2018 bleiben können", sagt Schmidt. Rund sechs Wochen planen er und seine Wohngruppe nun für Umzug und Wiederaufbau. Sobald der Glaspalast, alle Wagen und die Feuertonne wieder stehen, will die Initiative die neue Nachbarschaft zu einem Willkommensfest einladen. Von Ende Juli an können auch immer donnerstags die wöchentlichen Platzcafés mit Konzerten, Karaoke, Filmvorführungen, Lesungen, aber auch Friseursalons und Werkstätten wieder stattfinden. Die nächsten Termine entfallen wegen des Umzugs; stattdessen freuen sich die Wagenkolonie-Bewohner von 1. Juli an über zahlreiche Umzugshelfer.

 

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Beim Überholen - Motorradfahrerin stirbt nach Unfall

Im Münchner Straßenverkehr ist das neunte Todesopfer in diesem Jahr zu beklagen: Am Donnerstagabend starb nach einem Unfall in Forstenried eine 48-jährige Motorradfahrerin. Die Münchnerin war nach Polizeiangaben mit ihrer Maschine des Typs Ducati Monster gegen 20.35 Uhr auf der Herterichstraße stadtauswärts unterwegs. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist dort auf 30 Stundenkilometer beschränkt. Die 48-Jährige setzte laut Polizei unmittelbar vor einer leichten Rechtskurve zum Überholen des vor ihr fahrenden Pkw an. Dabei übersah sie offenbar das entgegenkommende Auto eines 55-jährigen Münchners. Sie wich noch nach links aus, touchierte dennoch das Auto, durchbrach einen Gartenzaun mit Betonsäule und prallte gegen eine angrenzende Hausecke. Die 48-Jährige erlitt durch den Unfall schwerste innere Verletzungen und starb kurz darauf im Krankenhaus. Nach Zeugenaussagen soll sie kurz zuvor auf der Liesl-Karlstadt-Straße einen leichten Verkehrsunfall mit einem Radfahrer gehabt haben soll. Die Polizei sucht nun Zeugen, insbesondere den Radfahrer, die bei der Rekonstruktion des Unfallhergangs helfen können. Das Unfallkommando ist unter der Telefonnummer 089/62 16- 33 22 erreichbar.

 

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Während des CSD - Trambahnen ohne Regenbogen-Flaggen

Regenbogen-Flaggen wird es zum Christopher-Street-Day (CSD) an den Trambahnen nicht geben. Einen Antrag der Grünen-Stadtratsfraktion lehnt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ab. Zum einen würde die Ausstattung aller Trambahnen etwa 2500 Euro kosten. Zum anderen ist die Beflaggung der Straßenbahnen fast ausschließlich der Oktoberfest-Zeit vorbehalten. Außerdem schränken Veranstaltungen wie der CSD den Trambetrieb ein: Kaum jemand würde die Flaggen sehen.

 

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Erzbistum München-Freising und seine 6,3 Milliarden Euro - Kirche der Armen - mit Speckgürtel

Manche Leser verteidigen die Kirche wegen ihrer sozialen Leistungen - andere kritisieren, dass eine so reiche Kirche noch Geld vom Staat bekommt
"Selig die Reichen" vom 22. Juni, "Erzbistum München besitzt 6,3 Milliarden", "Reich gesegnet" sowie Kommentar "Geld ist dafür da, Gutes zu tun" vom 21. Juni:
Jetzt wird wieder auf die ach so reiche Kirche gedeutet, aber bei der Kirche ist das Vermögen noch vergleichsweise gut aufgehoben. Besser jedenfalls, als bei irgendeinem Konzern in der Konsumgüter-Kapitalverwertung. In früheren Zeiten, etwa im Mittelalter, hatte die Kirche tatsächlich zu viel Vermögen und Macht, heute ist eher das Gegenteil der Fall. Die karitative Arbeit, welche die Kirche leistet, ist gesellschaftlich weit wertvoller als die Arbeit, die so mancher viel reichere Konzern leistet. Friedhelm Buchenhorst, Grafing
Es gibt merkwürdige und geheimnisvolle Dinge zwischen Himmel und Erde, gewiss. Bei der Katholischen Kirche häufen sie sich allerdings - in einer ganz ungewöhnlichen Vielzahl. Auf die Frage (im Zusammenhang mit dem lustigen Bischof von Limburg) nach der Größe des Vermögens des Erzbistums München und Freising wusste die Kirche selbst keine Antwort. Stets habe man nur die Einnahmen und Ausgaben gewusst. Den Besitz habe man nicht erfasst. Man sei selbst überrascht gewesen am Ende darüber, wie viel die Kirche eigentlich hat.
Auf die Frage, ob die katholische Kirche nun reich sei, scheute der zuständige Verwaltungsleiter, ein Generalvikar, dieses Wort, ist in dem Artikel zu lesen. Man sei lediglich "leistungsstark". Ein Teil - allerdings nur 1,93 Milliarden von insgesamt 6,2 Milliarden Euro - werde in Stiftungen verwaltet. Die Kirche wolle damit "das Geld vor sich selbst schützen".
Eine Kirche, die ihr Geld "vor sich selbst schützen" will, die vorgeblich ihren immensen Reichtum gar nicht kennt und deren Verwaltungsgeistlicher sich "scheut", sich reich zu bekennen - wer kann das glauben? Da ist es wieder, das mit dem Glauben, wenn auch in einem etwas weltlicheren Sinn. Mit Klarheit und Offenheit kommt und kam man in der katholischen Kirche nie weit. Aber mit dem Glauben. Darf man da zum Schluss sagen: Gelobt sei. . .? Ich lasse es lieber. Gerhard Faßrainer, München
Den Autoren ist mannigfach zuzustimmen, so dass es wieder Debatten über den Reichtum der Kirche geben wird. Wie aber richtig festgestellt wird, stehen auch zahlreiche Verpflichtungen gegenüber; in vielen Fällen müsste das sonst vom Staat alleine geschultert werden (Kindertagesstätten, Schulen und anderes). Außerdem hat die Kirche viele Kunstschätze, die sonst nicht erhalten worden wären.
Bevor man eine überflüssige Diskussion hinsichtlich des Reichtums der Kirche beginnt, sollte man dann vergleichend den Reichtum des Staates gegenüberstellen. Mir ist nicht bekannt, dass der Bund, ein Land oder eine Gebietskörperschaft in analoger Weise das Vermögen offengelegt hat. Immerhin handelt es sich da um das Vermögen von uns Staatsbürgern! Beim Kirchenvermögen allenfalls um das der Kirchenmitglieder.
Würde der Staat in analoger Weise sein Vermögen offenlegen, glaube ich, dass kein Mensch mehr von einer Staatsverschuldung reden würde und dann Begehrlichkeiten der Staatsbürger zu Recht bestehen würden; eine Steuersenkung wäre die zwangsläufige Folge. Also nicht nur unbedacht gegen die Kirche herziehen! Wolfgang Guter, Wolfratshausen
Die Kirche ist nach wie vor sehr, sehr reich, wenn man an die Flüchtlinge, die Hartz-IV-Empfänger und an die rund 795 Millionen Menschen in der Welt denkt, die hungern müssen, sowie an die zig-tausend Kinder, die jährlich an Hunger sterben! Es ist daher nicht nachvollziehbar, warum Bischöfe rund 120 000 Euro jährlich aus der Staatskasse erhalten, in Luxuswohnungen wohnen und sich mit Dienstwagen umherkutschieren lassen. Wozu braucht der Erzbischof von München noch einen "Palazzo Marx" in Rom für rund 10 Millionen Euro (SZ vom 13. März 2012)? Die Pensionen für Bischof Mixa und andere in Höhe von rund 7000 Euro monatlich sind ebenfalls unverständlich, auch die hohen Gehälter von Pfarrern. Es scheint so, dass diese Herren alle gelernt haben, mit der Scham der Ungerechtigkeit zu leben!
Bereits Goethe kritisierte die Geistlichkeit heftig: "Aber sie will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen" (siehe Eckermann, "Gespräche mit Goethe", Leipzig, 1836).
Bei Licht betrachtet, hat für die reich dotierte Geistlichkeit die Satire von Erasmus von Rotterdam über den Soldatenpapst (Julius II.) "Julius vor der verschlossenen Himmelstür" ihre Aktualität wohl nicht verloren? Auf die letzte Frage, ob er nun bitte schön die Himmelstür für ihn aufschließen wolle, würde Petrus sicherlich auch heute antworten, dass die hohe, reich dotierte Geistlichkeit wohl über unermessliche Geldmittel verfüge, und so wären diese Herren gute Bauherren und könnten ihr eigenes Paradies errichten . .. Volkmar Marschall, Frankfurt
Die Auflistung des Vermögens der Erdiözese München ist nur ein kleiner Mosaikstein auf dem Weg zu einer umfassenden Aufklärung über das gesamte Kircheneigentum. Die weitaus meisten Werte liegen nämlich in Pfarrgemeinden, örtlichen Kirchenstiftungen, aber auch in externen kirchlichen Vermögens- und Rechtsträgern. Der Kirchenfinanzexperte Dr. Carsten Frerk hat als Gesamtumfang des Kirchenbesitzes schon im Jahr 2000 die Summe von mindestens 662 Milliarden Euro ermittelt, wobei etwa 60 Prozent auf die katholische Kirche entfielen. Inzwischen sind aber die Immobilienwerte enorm gestiegen. Da jede der beiden Kirchen in Deutschland etwa 4500 Quadratkilometer (4,5 Milliarden Quadratmeter) Grund besitzt - jeweils mehr als die Fläche von Berlin, Bremen und Bremerhaven, Hamburg und des Saarlandes zusammen - lässt sich allein dessen Verkehrswert unschwer erahnen. Einschließlich der Gebäude liegt das Immobilien-Gesamteigentum mittlerweile mit Sicherheit jenseits von einer Billion Euro. Ist es unter solchen Umständen zu viel verlangt, wenn die Kirchen künftig wenigstens ihre Theologen- und Priesterausbildung selbst finanzieren und nicht mehr dem Staat aufbürden? Gerhard Rampp, Augsburg
Wir haben in der Taufe und der Firmung und fünf weiteren Sakramenten den Geist Gottes empfangen und ein "unauslöschliches Merkmal" bekommen - gratis. Der Evangelist Markus bringt Jesu Botschaft auf den Punkt: "Die Zeit ist gekommen, das Gottesreich ist nah. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! " (Mk. 1,15) Da steht nichts von Kirche, Konkordat und Kohle! O wundersames Konkordat, du verbindest die Welt und das Reich Gottes. Übrigens, lieber Bischof Marx , Sie sind doch einer der acht Kardinäle, die den Papst, der für die Kirche der Armen eintritt, beraten. Was sagt er zu Ihrem Speckgürtel? Hermann Rosenkranz, Augsburg
Wenn man bedenkt
"Erzbistum München besitzt 6,3 Milliarden" (21. Juni):
Exakt so viel kostete in US-Dollar der letzte Flugzeugträger der US-amerikanischen Nimitz-Klasse (laut Wikipedia). Michael Mieslinger, Eichenau
Leserbriefe stellen keine redaktionelle Meinungsäußerung dar, dürfen gekürzt und digital veröffentlicht werden. Anonyme Briefe sowie Briefe ohne Nennung des vollen Namens werden nicht veröffentlicht. Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Das Leserforum des SZ-Ressorts "München-Region-Bayern" erreichen Sie per E-Mail unter forum-region@sueddeutsche.de, per Fax unter 089/2183-8295 oder postalisch unter: Süddeutsche Zeitung, Leserforum Region, Hultschiner Straße 8, 81677 München. SZ

 

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Null Acht Neun - Tausche Messi gegen Ministranten

Denn diese Woche hat die Erzdiözese Einblicke in ihr Vermögen gewährt. Es umfasst mehr als sechs Milliarden Euro. Die Kirche sollte jetzt an Wiedereinstiegsprämien für Ausgetretene denken
Die Männer, die einmal das Drehbuch für katholische Messen geschrieben haben, die sogenannte Liturgie, haben das geschickt eingefädelt: Erst das Sündenbekenntnis, dann die Frohe Botschaft, danach die Predigt, das Glaubensbekenntnis, gefolgt von den Fürbitten, und dann, Herrschaften, kommen wir kurz zum Geschäftlichen - die Geldsammlung. Das Prinzip dahinter war, dass der Zahlende immer etwas für seine Kirche tut und letztendlich die Zeit im Fegefeuer verkürzen kann. Vor sehr langer Zeit haben das die Leute jedenfalls geglaubt und der Kirche viel Geld gegeben oder ihr Hab und Gut vermacht.
Man darf gespannt sein, wie es diesen Sonntag laufen wird in den Kirchen. Gleich nach den Fürbitten werden die Ministranten ausschwirren, während das Volk "Was uns die Erde Gutes spendet" singt, klassisches Gotteslob-Liedgut zur Gabenbereitung. Und sie werden umfunktionierte Körbe in die Bankreihen tragen. Die interessante Frage betrifft nun den Inhalt der Körbe. Sie werden doch hoffentlich nicht wieder leer sein, damit die Leut' es mit Zwanzgerln oder Fuchzgerln füllen? Die Pfarrer werden, wenn sie nicht komplett unsensibel sind, diesmal geweihte Schokoriegel hineinlegen, eine frische Breze oder eine Kaminwurzn, mit Zetteln dran: Danke, ihr habt erst mal genug gespendet!
In dieser Situation ist die ganze Kreativität des Klerus gefragt. Denn diese Woche hat die Erzdiözese Einblicke in ihr Vermögen gewährt. Es umfasst mehr als sechs Milliarden Euro. Die Geistlichkeit war selbst überrascht, hat nun aber Möglichkeiten, verlorene Sympathien für die Kirche von München und Freising zurückzuerobern. An Wiedereinstiegsprämien für Ausgetretene wäre zu denken. Auch an Win-win-Geschäfte: Wir bauen euch einen Konzertsaal, dafür verpflichtet sich jeder Konzert-Abonnent, wieder an den Sakramenten teilzunehmen, inklusive Beichte. Wir kaufen dem FC Bayern den Fußballer Messi und den Löwen ein Stadion, dafür verpflichten sich die Fanklubs beider Vereine, in jeder Dorfkirche vier Burschen als Ministranten abzustellen. Früher mussten die Leute Geld mitbringen, um ihre Seelen vorm Fegefeuer zu bewahren. Heute kann die Kirche sie dafür bezahlen, wenn sie kommen. Das Seelenrettungsgeschäft ist schließlich ihr verdammter Auftrag.

 

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Weitere Briefe - Sir Paul, Hellabrunn und Noten für Lehrer

Auf dem Programmheft wirbt der Tierpark Hellabrunn bei der "Langen Nacht der Biodiversität" (SZ-Bericht "Wenn die Affen ratzen" vom 6. Juni) mit dem Slogan: Erlebe den Tierpark bei Nacht! Was habe ich erlebt: Zwölf Musikbühnen im ganzen Park verteilt, und auf der Hauptbühne Radio Arabella. Die Künstler hatten elektronische Verstärker. Dass bei der Lautstärke die Tiere nicht beeinträchtigt wurden, kann nicht möglich sein. Ich kann mich noch gut an die Anregung des Tierparkdirektors Herr Baban vor einem Jahr erinnern, die seit je her grillenden Münchner an der Isar in Thalkirchen zu verbieten - das störe die Tiere in ihrer Nachtruhe. Und jetzt holt er sich den Lärm selbst in den Zoo. Ab circa 21 Uhr war von den Tieren außerhalb der Häuser wegen der Dunkelheit nichts mehr zu sehen. Ich frage mich deshalb, muss jetzt auch noch der Tierpark eine "Lange Nacht" anbieten? Biodiversität sieht für mich anders aus. Ulrike Reiche, Ismaning
Was für eine kleinkarierte Suche nach dem Haar in der Suppe! Kann man nicht einfach einen wunderbaren Sommerabend mit unvergesslichen Hits des letzten noch aktiven der legendären Beatles genießen ("Schwebende Legende" vom 13. Juni und die Leserbriefe "Sir Paul und seine Artillerie" und "Sir Paul und seine Stimme" vom 20. Juni)? Wohl wissend, dass er und auch seine Stimme nicht mehr 25 Jahre jung sind, Paul aber mit 73 noch eine Show bietet, die ein Stadion mit 30 000 Jung-, Mittel- und Alt-Fans (ausgenommen die beiden Leserbrief-Nörgler) in Begeisterung versetzt? Wir haben es in vollen Zügen genossen, aus voller Kehle mitgesungen und sind glücklich nach Hause gegangen. Franziska Paeslack-Spandau, München
Die Idee einer Bewertung des Unterrichts durch die Unterrichteten ("Schüler sollen ihre Lehrer benoten", 22. Juni) ist nicht neu: Sie war an den Universitäten schon in den neunziger Jahren ein Thema der allgemeinen Hochschuldidaktik als Antwort auf den (leider unvermeidlichen) Massenfrontalunterricht. Dessen Ansatz war ein möglichst engmaschiges, vertrauliches Feedback durch die Unterrichteten, ähnlich einem Testat. Ziel des Verfahrens war eine Art Effizienzkontrolle für den Unterrichtenden, in der Annahme, dass er durch Erfolge motiviert und durch Misserfolge zu Verbesserungen veranlasst würde. Bei der Umsetzung dieses hehren Konzepts kam dann, ähnlich wie beim Bologna-Prozess, ein von Bürokratenhirnen völlig pervertiertes Verfahren heraus. Nach deren Intention wird das Verfahren zur Effizienzsteigerung der eingesetzten Mittel, also einer Art Output-Leistungskontrolle benutzt, nach dem Motto: welche Lehrperson vermittelt ein Lehrprogramm am vollständigsten an die vorgegebene Schülerzahl. Guter Unterricht lebt aber nicht vom Leistungsdruck, sondern von der Motivation der zu Unterrichtenden durch den Lehrer - ein Wechselspiel, das sich kaum normieren lässt! Prof. Dr. Dieter Häberle, München
Leserbriefe stellen keine redaktionelle Meinungsäußerung dar, dürfen gekürzt und digital veröffentlicht werden. Anonyme Briefe sowie Briefe ohne Nennung des vollen Namens werden nicht veröffentlicht. Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Das Leserforum des SZ-Ressorts "München-Region-Bayern" erreichen Sie per E-Mail unter forum-region@sueddeutsche.de, per Fax unter 089/2183-8295 oder postalisch unter: Süddeutsche Zeitung, Leserforum Region, Hultschiner Straße 8, 81677 München. SZ

 

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Kunstaktion - Weiße Koffer der Erinnerung

Aktionskünstler Kastner erinnert an Opfer des Nationalsozialismus
Sie wirken zunächst wie versehentlich stehengelassen, wie eilig gepackt, dann vergessen - hingen da nicht die kleinen Zettel an den Griffen der Koffer, versehen mit den Namen von Toten. Von diesem Montag an werden bis 20. November weiße Koffer vor vier Wohnhäusern in der Maxvorstadt sowie vor der evangelisch Markuskirche an der Gabelsbergerstraße stehen. Der Aktionskünstler Wolfram P. Kastner möchte mit ihnen an ehemalige jüdische Bewohner der Häuser erinnern, die im Nationalsozialismus fliehen mussten oder in ein Konzentrationslager gebracht und ermordet wurden. Von ihrem Haus, von ihrem vergangenen Leben blieb ihnen nicht mehr als nur ein Koffer. Dazu wird Kastner Info-Tafeln stellen mit Porträts und kurzen Lebensläufen von einigen der Opfer.
Kastner hat mit diesen Koffern in den vergangenen Jahren bereits an ehemalige jüdische Einwohner Sendlings (2008) und Neuhausens (2013) aufmerksam gemacht. In der Maxvorstadt werden die Koffer nun an der Karlstraße 49, stehen, an der Richard-Wagner-Straße 11, an der Schellingstraße 9 und an der Steinheilstraße 20. Geplant war auch, vier Koffer vor das Haus am Odeonsplatz 1 zu stellen. Das Gebäude, in dem sich heute unter anderem eine Apotheke befindet, liegt aber innerhalb der polizeilichen Sicherheitszone um das bayerische Innenministerium. Die schickte deshalb im März eine Absage: Wie im Umkreis des Landtags sind Installationen hier verboten - zum Ärger Kastners. "Die Sicherheit des Innenministeriums wird von den dort befindlichen Blumentrögen, Zeitungskästen und Fahrrädern nicht gefährdet, aber scheinbar durch die Erinnerung an jüdische Bewohner des Hauses", sagt er. Seinen Vorschlag, die Koffer an einer anderen Seite des Hauses aufzustellen, lehnte die Polizei ebenfalls ab. Auch ein Brief an Innenminister Joachim Herrmann half nicht. Dankenswerterweise, sagt Kastner, erhalte die Erinnerung aber nun an der Markuskirche Kirchenasyl.

 

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Dienstschluss - Alles in Ordnung

Wilfried Blume-Beyerle war länger KVR-Chef als Kohl Kanzler. In den vergangenen 18 Jahren hat er seine Behörde auf Toleranz und Service getrimmt - und zum liberalen Klima der Stadt beigetragen
Man könnte das durchaus als Affront empfinden. Wäre der Redner nicht Wilfried Blume-Beyerle , der mit Augenzwinkern und subtilem Humor ins Mikrofon spricht: Wie sinnvoll es doch gewesen sei, dass sowohl Christian Ude als auch Dieter Reiter in Ordnungsfragen stets dem Profi freie Hand gelassen hätten. Also ihm, dem Kreisverwaltungsreferenten Blume-Beyerle selbst. Es folgt eine Anekdote aus alter Zeit, garniert mit einem Blick in die Reihen der Grünen: "Herr Krause, Sie erinnern sich". Dominik Krause ist 25 Jahre alt, der Jüngste im Stadtrat. Als der nun scheidende Kreisverwaltungsreferent seine Amtsgeschäfte übernahm, war er noch in der Grundschule. Es ist ein Witz ganz nach dem Geschmack des Mannes, den alle im Rathaus "Blub" nennen.
Die Abschiedsrede im Kreisverwaltungsausschuss ist einer der aktuell sehr vielen Termine, die dem Behördenchef aus der Ruppertstraße sichtlich schwer fallen. Viel schwerer, als er selbst es erwartet hat. Es geht um den Abschied von Freunden, Kollegen und politischen Weggefährten. Von einer Position, die der 67-jährige Jurist als berufliches Lebensziel, als Traumjob bezeichnet. Blume-Beyerle geht. Nach 18 Jahren kann man das getrost als Ende einer Ära bezeichnen. "Blub" war länger im Amt als Helmut Kohl und fast so lange wie Christian Ude.
Beinahe wären es sogar 23 Jahre geworden. 1993 war Blume-Beyerle seinem Lieblingsreferat schon ganz nah. Dann aber teilte ihm der damalige zweite Bürgermeister Ude mit: OB Georg Kronawitter will, dass Hans-Peter Uhl im Amt bleibt. Blume-Beyerle, einst Büroleiter Kronawitters und danach Leiter des Direktoriums, wurde mit dem Personalreferat abgefunden. Seine Stunde schlug erst 1998. Da übernahm der für seine liberale Haltung geschätzte Parteilose eine Behörde, der die beiden Ordnungs-Hardliner Peter Gauweiler und Hans-Peter Uhl ihren Stempel aufgedrückt hatten. Und die er erst einmal entwaffnen musste. Damals hatte jeder Abteilungsleiter eine Schusswaffe in der Schreibtischschublade. Das erschien Blume-Beyerle riskanter als der komplette Verzicht auf das ohnehin nie benötigte Instrument der Selbstverteidigung. Die Klage eines überzeugten Waffenträgers nahm er in Kauf.
Das nervige Chaos in den Fluren des Bürgerbüros überschattet heute die Revolution, die der verheiratete Vater zweier Kinder seiner Behörde verordnete. Aus einem obrigkeitsstaatlichen Amt wurde ein Dienstleister für den Bürger. Servicedesks wurden eingerichtet, damit niemand umsonst anstehen musste. Die einst so muffigen Räume bekamen einen freundlicheren Anstrich. "Das habe nicht ich erfunden", räumt Blume-Beyerle ein. Damals hatte längst das Gros der deutschen Behörden damit begonnen, sich am Dienstleistungscharakter der Wirtschaft zu orientieren. Nur das Münchner KVR eben nicht. In zahllosen Gesprächen, Veranstaltungen und auch Einzelfallentscheidungen bemühte sich der neue Referent, ein liberales und weltoffenes Klima in der Ruppertstraße zu installieren. Das galt ganz speziell auch für das Ausländeramt, dem damals der Ruf des "administrativen Rassismus" anhaftete, wie SPD-Leute im Rathaus noch heute bemängeln. Blume-Beyerle trimmte seine insgesamt mehr als 3000 Mitarbeiter auf Kooperation und Toleranz. In der Riesen-Behörde, die neben dem klassischen Ausweisbereich für zahlreiche kommunale wie auch staatliche Aufgaben zuständig ist, sollte nun eher ermöglicht als verhindert werden. Als nach der Jahrtausendwende bayernweit die Sperrzeit für Gaststätten fiel, nutzte München seinen Ermessensspielraum voll aus. Zugunsten eines großstädtischen Nachtlebens. Allerdings immer unter strikter Einhaltung der Gesetze. Wer gehofft hatte, der liberale Jurist nähme es im Detail nicht immer so genau, wurde eines Besseren belehrt.
Natürlich gab es auch Niederlagen in den 18 Jahren. Diejenige, die Blume-Beyerle noch immer am meisten wurmt, ist das Verbot der Ausstellung "Körperwelten", das 2003 vom Gericht kassiert wurde. Der Plastinator Gunther von Hagens durfte seine Leichen im Olympia-Radstadion ausstellen, obwohl Blume-Beyerle mit immenser Leidenschaft an die Würde der Toten erinnert hatte. "Das war die wichtigste und traurigste Entscheidung", so der Referent. Auch beim Kampf gegen Rechts ging vieles schief vor Gerichten, die den Nazi-Aufmarsch Heldengedenktag ermöglichten, rechtsradikale Proteste gegen die Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums zuließen und immer wieder pro Pegida-Demos entschieden. Das Kreisverwaltungsreferat hatte all das verhindern wollen.
Es gibt Stimmen im Rathaus, die sich eine noch entschiedenere Haltung gewünscht hätten. Lieber ein Zeichen setzen und dann einen Prozess verlieren, als einfach nachzugeben, lautet deren Credo. Blume-Beyerle ist das eher fremd. Er hat kein gutes Gefühl, wenn eine Ordnungsbehörde sehenden Auges eine Entscheidung trifft, die vor Gericht keinen Bestand hat. Aktuell probiert er einen neuen juristischen Kniff aus, um die Gerichte doch noch zu überzeugen: Eine Abwägung der Grundrechte von Dauer-Demonstranten mit denen der betroffenen und genervten Geschäftsleute und Anwohner.
Ein Problem, das Blume-Beyerle an seinen Nachfolger Thomas Böhle übergibt, sind die stundenlangen Wartezeiten im Bürgerbüro. Probleme mit der IT, Personalmangel und eine stetig steigende Bevölkerungszahl - diese Melange hat zur Folge, dass viele der früheren Erfolge im Bürgerservice nicht mehr zu spüren sind.
Blume-Beyerle arbeitet seit 40 Jahren im öffentlichen Dienst, am 30. Juni ist sein letzter Arbeitstag. Rathaus, Verwaltung, Kommunalpolitik - dieser Bereich ist sein Steckenpferd, seit er als Jurastudent zum Zuhören in Gemeinderatssitzungen kam. Warum alles so früh aufs KVR hinauslief? Es gebe eine seriöse und eine ehrliche Antwort, sagt er. Die seriöse: Als Jurist hat man das Bedürfnis, das friedliche Zusammenleben der Menschen zu regeln. Ehrlich ist aber auch: Es ist einfach spannend. Der Kreisverwaltungsreferent kramt eine Ausweiskarte hervor. "KVR" steht darauf, und der Satz, der als Türöffner bei allen Gelegenheiten dient: Der Inhaber verfüge über ein "umfassendes Betretungs-, Überprüfungs- und Anordnungsrecht". Diese Klausel ist selten, sie ermöglicht es, "überall seine Nase reinzustecken", so Blume-Beyerle. Hinter die Kulissen zu gucken.
Im Juli soll dann das ruhigere Leben beginnen. Weg aus der Verantwortung, allenfalls noch ehrenamtliche Arbeit kann sich Blume-Beyerle vorstellen. Er will Segeln lernen. Und Klavier spielen.

 

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Sehbehinderung - "Am meisten vermisse ich das Lächeln"

Gregor Cordes verlor durch eine Krankheit sein Augenlicht. Ein Tag im Leben eines Blinden
Plötzlich liegt Gregor Cordes im Gleisbett der U-Bahn. Unter seinem Körper vibrieren die Schienen, am Brustkorb fühlt er einen stechenden Schmerz. Cordes zögert nicht. Hastig erhebt er sich und tastet nach der rettenden Kante. Mit aller Kraft stemmt er sich nach oben auf den Bahnsteig - in Sicherheit.
Gregor Cordes, 52, erinnert sich noch sechs Jahre später an diese Geschichte. Er steht in der U 6 nach Fröttmaning, seine blauen Augen sind glasig und in die Ferne gerichtet. Auf dem Kopf trägt er eine olivgrüne Cap. An seiner Jeans glänzt eine silberne Gürtelschnalle. In der rechten Hand hält er einen weißen Stock, ohne den er niemals das Haus verlässt. Er führt ihn seit dem Tag mit sich, als er auf das Gleis gestürzt ist. Denn das war der Tag, den er immer gefürchtet hatte. Es war der Tag, an dem ihm endgültig klar wurde, dass er blind ist.
Cordes hatte schon immer eine Sehschwäche, sie war aber lange Zeit kein Problem für ihn. Er war ja nur kurzsichtig. Mit 25 erhielt er dann die Diagnose: Retinitis Pigmentosa (RP). Eine Augenerkrankung, bei der die Netzhaut nach und nach degeneriert. Ein erstes Symptom ist Nachtblindheit. Mit der Zeit kommt es zu einer Kontrast- und Farbblindheit und das Sichtfeld verengt sich. Viele Patienten erblinden. Ein schleichender Prozess, der sich über viele Jahre hinziehen kann.
Für Cordes war die Diagnose ein Schlag. Er hatte seine Ausbildung zum Bankkaufmann erst wenige Jahre zuvor abgeschlossen und befand sich mitten im Berufsleben. Seine Zukunftspläne musste er komplett ändern, Kinder waren keine Option mehr. Die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit zu vererben, war zu groß. Er dachte viel nach. Auch über den Tod: "Irgendwann kommst du nach Hause und siehst, wie deine Eltern in der Küche sitzen und weinen", erzählt er, "da überlegt man sich auch: Wie bringst du dich um? "
Schon im Jugendalter hatte es Anzeichen für seine Erkrankung gegeben: Bei Dunkelheit sah er nichts. Cordes störte sich nicht daran, sondern versuchte, stets vor der Dämmerung zu Hause zu sein. Er hielt es für normal, einen Vergleich mit seinen Mitschülern hatte er nicht: "Ich war damals sehr introvertiert", erzählt er.
Später hatte er dann zwei Autounfälle: Zwar bekam er immer recht, weil er auf der Vorfahrtstraße gewesen war, doch wegen seines verengten Sichtfelds hatte er die Autos wohl gar nicht erst gesehen. Erst als er einen Beitrag über RP im Radio hörte, wurde er stutzig. Nachdem er seinem Augenarzt davon erzählt hatte, schickte der ihn in die Uniklinik nach Kiel. "Ich war 20 Jahre lang zu meinem Arzt gegangen", sagt er. "Und ich musste ihm erst von der Krankheit erzählen, ehe er etwas bemerkte. "
Cordes hatte zum Zeitpunkt der Diagnose nur zehn Grad Gesichtsfeld übrig. Ein gesunder Mensch hat 180. Mit der Zeit verblasste sein Augenlicht immer mehr. Zuerst verschwand nach und nach seine Sehschärfe. Als letztes folgte die Farbwahrnehmung. Das war 2008. "Heute erkenne ich gar keine Farben mehr", erzählt er. "Ich sehe nur noch Grauschattierungen. "
In einem Mobilitätstraining lernte er unter anderem den Umgang mit dem Blindenstock. Am Tag seines Gleissturzes hatte er seinen Stock zwar dabei - jedoch eingeklappt in der Tasche. Ein wenig konnte er damals ja noch sehen: "Aber ich habe den Stromabnehmer auf der anderen Seite des Gleises für den Sicherheitsstreifen gehalten", erzählt er. "Der Stromabnehmer ist auch hell, daran habe ich mich orientiert. "
"13-14-15", flüstert Cordes sich selbst zu. Er steht vor einer Treppe des U-Bahnaufgangs der Station Universität. Seinen weißen Stock hält er in der rechten Hand. Kurz berührt er damit die erste Stufe, ehe er einen Schritt nach oben macht. Der Stock streift an der Wand entlang. Das Kratzen verrät ihm, dass er richtig geht. Nur noch wenige Stufen, dann hat er es geschafft.
Cordes bleibt stehen und lächelt. Sonnenstrahlen scheinen ihm aufs Gesicht. Er spürt gerne die Wärme auf seiner Haut. Dann geht er weiter, den Blindenstock schwenkt er vor sich her: links und rechts und links und rechts. Plötzlich knallt es - ein Laternenpfahl. Er weicht dem Hindernis aus, geht ein paar Schritte, ehe der Stock erneut hängen bleibt. "Vorsicht, das ist ein Postrad", sagt eine Frauenstimme, "haben Sie sich wehgetan? " Cordes schüttelt den Kopf: "Nein, ist schon gut. " Er nickt in Richtung ihrer Stimme und setzt seinen Weg fort. Auf den Straßen gibt es so viele Hindernisse, die ihm das Leben unnötig schwerer machen.
Cordes holt sein iPhone aus der Tasche. Sprachassistentin Siri spricht zu ihm: "Eingang Königinstraße in 20 Metern", sagt sie. Ein Zugang zum Englischen Garten. Eine Straße trennt ihn noch vom sicheren Grün. Er hält inne: Motorengeräusche. Sind sie nah oder fern? Plötzlich sind die Laute weg. Hat das Auto für ihn gestoppt oder ist es woanders hingefahren? Cordes zögert kurz, überquert dann die Straße. Als sein Stock den Bordstein gegenüber berührt, atmet er erleichtert auf. Hinter ihm ertönen die Geräusche wieder: Das Auto fährt vorbei. Es hatte für ihn angehalten. "Ein netter Fahrer", murmelt er und geht weiter.
Eine große Hilfe war es, als Cordes auf Pro Retina, eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Augenerkrankungen, stieß. Der Verein wurde 1977 gegründet und hat heute rund 6000 Mitglieder. Pro Retina bietet psychologische Beratung, organisiert Stammtische und Patiententreffen und klärt über Augenkrankheiten auf. "Sie gaben mir Tipps für die Jobsuche", sagt Cordes. Noch im Jahr der Diagnose schulte er um: Vom Bank- zum Datenverarbeitungskaufmann. Jetzt kann er am Computer arbeiten. Eine Software liest ihm seine Eingaben vor. "Die Tastatur beherrsche ich blind", sagt er und lacht.
Der weiße Stock kratzt auf dem Trampelpfad im Park. Manchmal ist das Geräusch weich: Hier hat er Gras oder Erde gestreift. Ab und an platscht es, dann taucht der Stock in eine Pfütze. Cordes geht ein wenig nach rechts, er will sich keine nassen Füße holen. Aus seiner Hosentasche sagt Siri, dass es 13 Uhr ist. Cordes geht zurück zur U-Bahn. Er möchte noch zum Marienplatz.
Den Weg zur U-Bahn findet er ohne Mühe. Er ist ihn schon oft gegangen. Falls er eine Linie nicht kennt, fragt er beim Einstieg in die U-Bahn laut nach der Nummer. Genauso macht er es bei Busfahrten. Einmal brauchte er drei Versuche, ehe ihm jemand antwortete. Dabei blieb er die ganze Zeit halb in der Tür stehen und hielt so den Betrieb auf: "Bei so etwas bin ich ganz dreist. "
Cordes steigt am Marienplatz aus. Er hält sich entlang der Rillen im Boden. Dass ihm die Menschen am Bahnsteig ausweichen, sieht er nicht. Das System hier mag er besonders gern. Die Rillen folgen einer festen Struktur und verlaufen zentral. Ganz anders ist es am Karlsplatz. Dort sind die Rillen manchmal zentral, manchmal verlaufen sie aber am Rand. Cordes ist damit nicht zufrieden: "Das System ist da völlig durcheinander", sagt er.
In der Kaufingerstraße geht Cordes langsamer als im Englischen Garten. Auch den Stock hält er etwas näher an sich, die Menschen könnten sonst drüber stolpern. "Im C & A ist 50 Prozent Rabatt", hört er ein Mädchen sagen. Seit er blind ist, sagt er, achtet er viel mehr auf Informationen, die er in seiner Umgebung hört.
Cordes ist die Selbsthilfe heute sehr wichtig. In seiner Freizeit engagiert er sich im Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB). Er sitzt im Bezirksausschuss, plant Veranstaltungen mit und organisiert einen monatlichen Stammtisch. Der BBSB hat rund 1550 Mitglieder in der Bezirksgruppe Oberbayern-München. Insgesamt lebten 2015 circa 6000 blinde oder sehgeschädigte Menschen in München.
Um sich fit zu halten, versucht Cordes stets, 600 Stufen am Tag zu steigen, und nutzt dabei jede Gelegenheit: die Treppe auf dem Weg zur U-Bahn oder die Stufen in der Arbeit. Er fährt auch gerne Fahrrad - natürlich nur mit Tandempartner. Cordes ist im Leitungsteam der "Tandemerer", einer Gruppe von Tandem-Enthusiasten, die mit blinden oder sehbehinderten Menschen fahren. Auch reist er oft, vor allem nach Asien. Er hat sich eine taktile Landkarte der Region gekauft. Im Winter nahm er an einer Indienreise teil, organisiert von "VisionOutdoor", einem Anbieter mit Angeboten für blinde und sehbehinderte Menschen. Cordes schwärmt von Land und Leuten: "Ich habe dort nur gute Erfahrungen gemacht", erzählt er. "Die schlechten habe ich wegen meiner Blindheit vermutlich gar nicht mitbekommen. "
Zu Hause holt er als Erstes die Post aus dem Briefkasten. Zunächst öffnet er das Kuvert, dann legt er den Inhalt auf seinen Scanner. Am Computer wandelt er die Datei in ein PDF. Ein Klick auf der Tastatur und schon liest ihm eine Software den Inhalt vor. Drei bis vier Minuten pro Brief dauert dieses Prozedere. "Am meisten hasse ich Werbung, die als Brief verpackt ist", erzählt er. "Das ist verschwendete Zeit. "
Cordes weiß, dass er wohl nie wieder sehen wird. Zwar gibt es Netzhautchips und Kameraimplantate, aber die Technik ist noch nicht ausgereift. Seinen Alltag kann er bewältigen. Aber "mir fehlt die Gestik der Menschen. Die Fähigkeit, jemanden nur anhand seiner Körpersprache einschätzen zu können", sagt er. "Aber am meisten vermisse ich das Lächeln. "

 

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CSU München - Schlagbauers Erbe

Die CSU streitet vor allem darüber, wer neuer Kreischef in München-Mitte werden soll
Spektakulärer als der CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer hat sich kaum jemand aus der Münchner Stadtpolitik verabschiedet. Sein Rücktritt nach der Drogen- und Rotlicht-Affäre riss in seiner Partei zudem eine massive Lücke mitten im Stadtzentrum. Zu vergeben sind nun drei attraktive Posten: der Kreisvorsitz, der Posten des Wiesnstadtrats und die Kandidatur für ein Landtagsmandat, das in einem neuen Stimmkreis im Zentrum 2018 zum ersten Mal vergeben wird. Die Stadtspitze der CSU hat schon ganz konkrete Pläne: Stadtrat Hans Theiss soll der neue starke Mann im Zentrum werden, er soll den Kreisvorsitz und die Kandidatur übernehmen.
"Ich werde für den Kreisvorsitz kandidieren", bestätigte der Mediziner Theiss am Freitag. Den Verband im Zentrum zu leiten sei eine "tolle und extrem spannende Aufgabe". Das sieht aber nicht nur er so. Wenige Stunden vor ihm erklärte Nicola Mayerl, die Ortsvorsitzende in der Schwanthalerhöhe, ihre Kandidatur. "Mein Ziel ist ein Kreisverband, in dem Mitgestaltungsmöglichkeiten für alle Mitglieder bestehen. "
Zwei Kandidaten für ein attraktives Amt in der CSU, das klingt zuerst einmal harmlos. Doch beide kommen relativ schnell auf den Punkt Geschlossenheit zu sprechen, wo nicht nur sie Defizite sehen. Der Kreisverband im Herzen Münchens, auf den naturgemäß die Stadt blickt, fiel in den letzten Jahren eher nicht durch harmonisches Händchenhalten auf. Da wurde mit harten Bandagen gekämpft, um Posten und um die Frage, wie liberal die CSU sein soll.
Als Schlagbauer vor drei Jahren zum Kreischef gewählt wurde, hatte er einen Gegenkandidaten, den er nur hauchdünn besiegte: Günther Westner. Seine Gegner in der CSU sehen Mayerl als dessen Kandidatin, mit der er der Münchner CSU-Führung Kontra geben will. Der frühere Münchner JU-Chef und jetzige Ortsvorsitzende in der Maxvorstadt bereitet den Münchner Granden seiner Partei bis heute Bauchschmerzen. Westner bezeichnet sich selbst nicht als Gegner von Bürgermeister Josef Schmids Kurs, beschreibt sich aber "als konservativ". Er macht keinen Hehl daraus, dass er schon Schlagbauer als Kandidat der Bezirksspitze empfand, der zuerst der Basis von oben aufgedrückt wurde und dann ob der Fülle seiner Ämter die Arbeit als Kreischef im besten Fall nebenbei erledigt hat.
Nun soll Schlagbauer einer folgen, den Westner nicht viel anders einschätzt: Theiss sei angepasst, inhaltlich schwer greifbar, einer, der sich gleich um das nächstbeste Amt bewirbt. "An der Basis ist er nie groß aufgefallen als einer, der sich besonders engagiert. " In der CSU-Spitze , in der Theiss als kompetenter, tatkräftiger Stadtrat gilt, fürchtete mancher bis Freitag, dass Westner selbst gegen Theiss antreten werde und somit der gespaltene Kreis weiter auseinander driften werde. Besonders da der Ortschef in der Maxvorstadt bewiesen hat, dass er unbequeme Mehrheiten organisieren kann. Wohl deshalb fiel der damals schon amtierende Stadtrat Theiss 2015 in seinem eigenen Ortsverband, den Westner leitet, bei der Wahl für die Delegierten zur Kreisvorstandswahl durch.
Diese Sorge der CSU-Spitze ist jedoch erledigt. Westner sagt: "Ich werde nicht als Kreischef kandidieren und interessiere mich auch nicht für das Landtagsmandat. " Aber er gibt eine Linie vor, die mehrere Ortsvorsitzende teilen. Man müsse diese Ämter ja nicht auf eine Person konzentrieren. Dazu sei er mit mehreren Ortsvorsitzenden im Gespräch. Eine von diesen kandidiert nun, Mayerl gilt als nicht so konservativ wie Westner und deshalb vielleicht auch der anderen Seite als vermittelbar.
Bezirkschef Ludwig Spaenle sagt, dass er nicht eingreifen werde. Er sei aber eingeladen, am 6. Juli als Moderator die Sitzung der Ortsvorsitzenden in der Stadtmitte zu leiten. Dort soll das weitere Vorgehen beschlossen werden. Nicht als Moderator eingreifen müssen wird Spaenle wohl bei den anderen beiden Posten. Dass der liberale und weltoffene Theiss als profilierter Stadtrat der beste Kandidat für den stark rot-grün geprägten künftigen Landtags-Stimmkreis in der Stadtmitte ist, bestreiten nicht einmal seine Gegner. Der Posten des Wiesnstadtrats könnte ebenfalls im Kreisverband Mitte bleiben. Im Gespräch ist der langjährige Chef Richard Quaas. Allerdings zeigt auch Manuel Pretzl, Fraktionsvize im Stadtrat, Interesse. Die Entscheidung soll in den kommenden beiden Wochen fallen.

 

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Popkonzerte: Jetzt werden die Handys weggepackt

"Könnten Sie bitte aufhören, mich zu filmen? Ich stehe wirklich leibhaftig hier", sprach Adele vor ein paar Wochen während eines Konzerts in Verona zwischen zwei Songs ins Mikrofon, an eine Frau im Publikum gewandt. "Das ist nämlich keine DVD, das ist ein richtiges Konzert. Ich wünsche mir, dass Sie meine Show genießen, denn draußen stehen eine Menge Leute, die das auch gerne würden, aber keine Karte mehr bekommen haben. "
Wie die Angesprochene reagiert hat, ist nicht überliefert. Doch eigentlich hätte die Frau ja genau mit dem Argument weiterfilmen können, das Adele ihr gegenüber benutzt hat: Gerade weil Konzerte häufig ausverkauft sind und eine Menge Leute eben draußen bleiben müssen, fotografieren und filmen die Reingekommenen das Geschehen auf der Bühne und posten es gleich hinaus in die sozialmediale Welt.
Oder etwa nicht? Tun die, tun wir das vielleicht zumindest auch für die Likes auf Facebook und Instagram? Um damit denen da draußen an den Smartphones unter anderem zu sagen: "Ätsch, ich bin drinnen und ihr nicht, und es ist sooo super! "
Aber ist es das wirklich, wenn ein Großteil der Konzertbesucher heute mehr damit beschäftigt zu sein scheint, den Augenblick mit dem Handy zu dokumentieren , als tatsächlich den Augenblick zu erleben, in dem Moment, da er geschieht? Brechen sie nicht selbst das Versprechen, dass ein Live-Erlebnis etwas Unmittelbares, also nicht medial Vermitteltes ist, wenn sie eine Situation schaffen, in der sie selbst und alle Umstehenden erkennen müssen, dass sie Teil eines Medienereignisses sind? Und sind wegen des ganzen Gefilmes und Gepostes nicht nur die Musiker auf der Bühne längst genervt, sondern eben auch diejenigen Leute im Publikum, die denen da oben einfach nur zuhören wollen? Ja, kann man denn heutzutage nicht mal in Ruhe Axl Rose beim Durchquengeln eines Konzerts von Guns N' Roses zusehen, ohne dass einem Hunderte emporgereckter Handys den Blick auf das ganze verdammte Desaster versperren?
Das fragten sich wohl auch Guns N' Roses selbst und erklärten im April ihr Reunion-Konzert im ehrwürdigen Musiksaal Troubadour in West Hollywood zur telefonfreien Veranstaltung. Wobei: Vermutlich sollte doch eher verhindert werden, dass in Ton und Bild dokumentiert und gleich in die Welt hinausposaunt werden konnte, wie es um den Frontmann bestellt ist, nicht nur stimmlich. Relativ schlecht nämlich.
Aus den besseren Zeiten der Band gibt es freilich auch Konzertmitschnitte, beispielsweise von 1986 aus dem Troubadour, heimlich mit dem Kassettenrekorder unter der Jacke aufgenommen. Solche Bootlegs, die früher zunächst auf Vinyl oder Kassette, später auch auf CD an den offiziellen Vertriebswegen der Plattenfirmen vorbei verkauft wurden, waren selbstverständlich illegal. Heute ist die Aufnahme aus dem Jahr 1986 als Audio-Stream selbstverständlich auf YouTube zu finden, neben unzähligen Handyfilmchen aktuellerer Auftritte von Guns N' Roses. Das Netz ist viel zu groß, um alles Unerlaubte wieder einzufangen. Und wir empfinden es ja auch gar nicht so, als täten wir etwas Verbotenes beim Veröffentlichen oder Anschauen ungenehmigter Fotos oder Videos, die halbwegs bekannte Menschen zeigen, bei welchen Verrichtungen auch immer. Diese Leute haben das Recht an ihrem eigenen Bild scheinbar verwirkt. Also halten wir, die ansonsten unsichtbare Masse, voll drauf.
Und immerhin, denken wir, bedeutet zum Beispiel das Mitfilmen eines Konzerts ja keinen Eingriff in die Privatsphäre von Musikern. Die machen das da oben auf der Bühne beruflich, also sollen sie sich nicht so anstellen.
Tun sie nun aber doch, und wie zuvor Guns N' Roses lässt nun Alicia Keys auf ihrer aktuellen Tour die Smartphones von Konzertbesuchern am Eingang gleichsam versiegeln: Sie werden den Leuten zwar nicht abgenommen, aber in verschließbare Handytäschchen gepackt, die man nur an speziellen Unlock-Stationen außerhalb des Saals wieder öffnen kann. Wenn jemand doch mal telefonieren muss, kann er oder sie vor die Tür gehen und sich vom Personal das Täschchen aufmachen lassen; das verschließt es dann aber gleich nach Gebrauch wieder.
Das neue System stammt von einem Silicon-Valley-Start-Up namens Yondr und wurde in den vergangenen Monaten zunächst bei Comedy-Shows in den USA erprobt, etwa bei Auftritten von Dave Chapelle und Louis C. K., die damit verhindern wollten, dass ihr neues Witzematerial sich über Handyvideos im Internet verbreitet. Mitschnitte von Auftritten kann man außerdem als Komiker ja auch selbst digital vertreiben, Louis C. K. etwa tut das über seine eigene Website und dürfte damit viel Geld verdienen.
Für Musiker wie Alicia Keys hingegen dürfte der finanzielle Anreiz der Handysperre nicht ganz so groß sein. Außer sie hoffen, damit ein Revival einer in den vergangenen Jahren etwas verschwundenen Albengattung auszulösen, die des Livealbums. Doch der parallel geschehene Aufschwung der Konzertbranche zeigte ja gerade, dass die Menschen eben fürs Erlebnis Liveshow gern bezahlen wollten, an dessen konservierter Form Livealbum aber kaum noch Interesse hatten. So sind auch alle Versuche gescheitert, den Leuten hastig zusammengebastelte Mitschnitte entweder schon beim Verlassen des Konzerts am Merchandise-Stand zu verkaufen oder sie ihnen gegen Geld hinterher nachzuschicken.

 

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Unwetter im Südwesten: Meterhohe Überschwemmungen nach Starkregen

Die ersten erwarteten Unwetter haben den Südwesten Deutschlands erreicht und am Nachmittag in weiten Teilen Deutschlands Anwohner, Feuerwehr und Rettungskräfte in Atem gehalten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte die größte Unwettergefahr in einem breiten Streifen von Rheinland-Pfalz bis Mecklenburg-Vorpommern erwartet. "Der Schwerpunkt war von der Eifel rüber bis zum Westerwald", sagte ein DWD-Sprecher. Über den Umfang der Schäden liegen bisher keine genauen Informationen vor.
Wegen teils meterhoher Überschwemmungen lösten die Behörden in Stromberg im Hunsrück den Katastrophenalarm aus. Einsatzkräfte retteten Bewohner mit Booten aus ihren Häusern. Umliegende Orte seien aber nicht betroffen, sagte ein Sprecher des eingerichteten Krisenstabs.
Auf der Bahnstrecke Wiesbaden-Koblenz kam es wegen Unwetterschäden im Mittelrheintal zu Beeinträchtigungen. Beiderseits des Rheins seien die Gleise unterspült worden, sagte eine Bahnsprecherin. Betroffen sei linksrheinisch der Abschnitt zwischen Niederheimbach und Bingen, rechtsrheinisch der Abschnitt zwischen Lorch und Kaub.
Um auf eventuelle Dammbrüche an der Issel zu reagieren, bereitete sich die gemeinsame Feuerwehrbereitschaft der Städte Mülheim, Essen und Oberhausen auf einen Katastropheneinsatz im Kreis Wesel vor. Die Einsatzkräfte sollen vor allem im Bereich Hamminkeln eingesetzt werden. "Es ist das gleiche Szenario wie bei den Regenfällen vor ein paar Wochen", sagte ein Feuerwehrmann aus Mühlheim. Bereits Anfang Juni war die Issel nach starken Regenfällen angeschwollen.
Bereits in der Nacht zum Freitag waren schwere Gewitter über das Land gezogen. In Nordrhein-Westfalen stürzten Bäume um und Keller liefen voll. In Norddeutschland traf das Unwetter das Festival "Hurricane" in Scheeßel, wo daraufhin Konzerte abgesagt wurden.

 

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Kölner Polizei nahm 27-Jährigen mit Rohrbombe fest

Die Rohrbombe sei laut Polizei selbst gebaut und funktionstüchtig gewesen. Aufgefallen sei er aber aufgrund seines "FCK CPS"-Shirts (Fuck Cops).
24.06.2016 | 18:44 | 
( DiePresse.com )
Eine Polizeistreife hat in der Kölner Innenstadt einen 27-Jährigen festgenommen, der eine selbst gebaute funktionstüchtige Rohrbombe bei sich trug. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, wurde der Mann aus Dortmund am Vorabend gefasst. Er und drei Begleiter seien wegen der Aufschrift "FCK CPS" (Fuck Cops) auf dem T-Shirt des Bombenbesitzers ins Visier der Streife geraten.
"Im Fall einer Explosion hätte für Menschen im unmittelbaren Umfeld erhebliche Gefahr bestanden", erklärte die Polizei. Der Sprengkörper sei im Rucksack des Manns in einem Plastiksack entdeckt worden, der auch "kleine Mengen einer synthetischen Partydroge" enthalten habe.
Der 27-Jährige war laut Polizei bereits im Jahr 2011 "durch eine politisch motivierte Gewalttat in Erscheinung getreten". Er sollte am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen der Vorbereitung eines Explosionsverbrechens dem Haftrichter vorgeführt werden.
(APA/AFP)

 

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Europa: Europäerin seit 7.01 Uhr

Womit identifizierst du dich? Deiner Heimatstadt? Deutschland? Europa? Unsere Autorin wusste es. Dann kam der Brexit.
Mein Radiowecker klingelte heute um 7.01 Uhr. Der Morgen begann mit der Nachricht des Tages, des Monats, vielleicht des Jahres – Großbritannien will raus. Ich war wach. Und konnte es nicht fassen. Brexit war für mich –  wie die Wahl von Donald Trump es immer noch ist – absolut unmöglich. Über Wochen wurden die Briten aufgeklärt, gewarnt, angeheizt. Sie wussten, welche Konsequenzen ein Austritt aus der EU haben würde. Sie hatten die Wahl.
Vor allem die Älteren, die die langfristigen Folgen des Austritts weniger betreffen werden, entschieden sich, die Schwierigkeiten und Schwächen der EU zu sehen, nicht ihre Vorzüge. Millionen verlieren nun einen Teil ihrer Identität. Mir wurde klar, dass die EU für mich selbstverständlich war, ein System, in das ich hineingeboren wurde. Und erst jetzt, zum ersten Mal überhaupt, regte sich in mir das Gefühl, Europäerin zu sein.
Noch vor ein paar Monaten habe ich bei der Umfrage Generation What mitgemacht. Die Jugend Europas soll darin beantworten, wie sie denkt, wie sie leben will und ob sie politisch ist. Ich wurde auch gefragt: "Wem fühlst du dich zugehörig? "
Zur Auswahl standen: die Region, aus der ich stamme. Das Land, in dem ich geboren bin. Und Europa, das politische Konstrukt, von dem sich die Gründer und Verwalter versprechen, dass es Menschen hervorbringt, die sich nicht mehr als Deutsche, Spanier oder Briten verstehen, sondern als Europäer. EU-Bürger, die die Ländergrenzen immer mehr als unbedeutende Details auf den Landkarten betrachten und schlechte Zeiten gemeinsam überstehen.
Ich klickte bei der Umfrage an jenem Nachmittag nicht auf Europa, sondern auf meine Stadt: Bremen. Ein Underdog, bekannt für schlechte Pisa-Ergebnisse, eine hohe Arbeitslosenquote, die Salafisten-Szene und rote Zahlen im Haushalt. Überall, wo ich gefragt werde, erzähle ich stolz, es sei eine unterschätzte Stadt mit vielen Problemen, aber noch mehr guten Seiten, beschützenswert trotz all ihrer Makel.
Selbst wenn ich mehrere Antworten hätte anklicken können, Europa wäre damals nicht meine zweite Wahl gewesen. Das Ideal eines EU-Bürgers verkörperte ich nicht. Ich schätzte die EU, aber im Grunde war ich ausschließlich Lokalpatriot. Dieser Morgen und das Referendum in Großbritannien haben daran etwas verändert.
Um Bremen richtig schätzen zu lernen, musste ich wegziehen, an der Alster sitzen und die Weser vermissen. Um Europäerin zu werden, musste ich erst die Gefahr spüren, dass die EU tatsächlich auseinanderbrechen kann, weil andere nicht mehr an sie glauben. Dass etwas, das für mich selbstverständlich war, durch eine unbekannte Zukunft abgelöst werden könnte. Ich musste erst Angst davor bekommen, dass sich diese Gemeinschaft zurückentwickelt zu Einzelkämpfern.
Wenn ich heute ins Bett gehe, dann zumindest ein bisschen als Bürgerin Europas. Und falls es noch mehr Menschen der EU geht wie mir, ist das vielleicht das einzig Gute, was der Brexit hervorbrachte: die europäische Identität in den Ländern zu stärken, die Großbritannien zurückgelassen hat.

 

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Gespräch mit Finanzwissenschaftler Otte: "Ich freue mich über den Brexit"

Europa in der Brexit-Krise? Mitnichten, meint der Finanzwissenschaftler Max Otte im Interview mit tagesschau.de. Ohne die Briten gebe es die Chance, mit Kerneuropa schneller voranzukommen. Auch die Gefahren für die Finanzmärkte seien handhabbar, für Deutschland böten sich neue Chancen.
tagesschau.de: Was bedeutet der Brexit für Europa?
Max Otte: Ich bin sehr überrascht, aber ich freue mich über den Brexit. Wir haben jetzt die Chance, mit den anderen Nationen Europas, die etwas ähnlicher ticken, schneller voranzukommen. 1994 hat Wolfgang Schäuble ein Kerneuropa vorgeschlagen und diese Chance haben wir jetzt. Natürlich haben wir in vielen Nationen auch viele sehr europaskeptische Parteien. Aber dadurch, dass wir jetzt ein homogeneres, also gleichartigeres Resteuropa haben, werden die Skeptiker vielleicht auch ein wenig beruhigt.
Zur Person Max Otte unterrichtet als Professsor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Worms und Professor für quantitative und qualitative Unternehmensanalyse und –diagnose an der Universität Graz. 2006 veröffentlichte er das Buch "Der Crash kommt", das sich monatelang auf den Bestsellerlisten hielt.
tagesschau.de: Welche Rolle hatten denn die Briten in ihren Augen bislang?
Otte: Großbritannien war nie wirklich Teil von Europa, zumindest nicht des Kontinents. Das sehen die Briten so und haben es jetzt ja auch bestätigt. Sie haben sich immer viele Sonderrechte herausgenommen, Entscheidungsprozesse verzögert und waren oftmals die Bremser in Europa.
tagesschau.de: Welche Auswirkungen sehen Sie für Deutschland?
Otte: Für Deutschland ist dieser Brexit zunächst einmal auch eine Belastung, unser Handel wird natürlich etwas zurückgehen. Aber letztlich wird es Deutschlands Rolle in der Europäischen Union weiter stärken: Bisher war der Finanzplatz Frankfurt ausgetrocknet, die Deutsche Bank hat einen Engländer als Chef und ihr Investment-Banking sitzt in London. Gerade für den Finanzplatz Frankfurt ist das eine Riesenchance, wieder zur alten Stärke zurückzufinden.
tagesschau.de: Welche Marktreaktionen erwarten Sie? Steuern wir auf eine weitere Finanzkrise zu?
Otte: Ich glaube, dass die Gefahren in Bezug auf Finanzmärkte und Finanzkrise übertrieben sind. Die Notenbanken tun alles, damit keine neue Finanzkrise kommt. Wir haben das unter Kontrolle, aber es könnte einige Unsicherheit und einige Unruhe an den Märkten geben.
tagesschau.de: Für wie groß halten Sie das Risiko des Domino-Effekts?
Otte: Die Europäische Union war in den vergangenen Jahren eigentlich schon immer erpressbar, ob es durch Griechenland war oder jetzt durch England oder Nachahmerländer. Aber ich glaube, die Tatsache, dass tatsächlich mal jemand geht, heisst auch, dass man seine Karten überreizen kann und irgendwann raus ist aus dem Club. Und das kann auch eine Warnung sein.
Das Interview führte Verena Bünten, WDR, für tagesschau.de

 

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Brexit: Britische Sportler sind geschockt – nur die EM-Spieler schweigen lieber

Brexit? Nicht bei der EM! "Dürfen Nordirland, Wales und England jetzt eigentlich weiter in Frankreich mitspielen? ", lautete am Freitag der wohl häufigste - und schlechteste - Witz zum EU-Austritt Großbritanniens. Denn während sich die britischen Inseln politisch noch weiter von Europa entfernten, sorgen ihre Fußballteams derzeit auf dem Festland geschlossen für Furore.
Und das historische EM-Hoch wollen sich die Kicker dann auch nicht von den Nachrichten aus der Heimat kaputtmachen lassen. Vor allem das englische Nationalteam hält seine unpolitische Linie und will sich nicht zum Brexit äußern. "Ich denke, dass keiner von uns genug darüber weiß, um es zu kommentieren", sagte Stürmer Harry Kane am Freitag im EM-Quartier von Chantilly. "Ich weiß nicht genug darüber, um besorgt zu sein. Und ich denke, den anderen geht es genauso. "
Die Konzentration liege auf dem Turnier statt auf dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, betonte der Torschützenkönig der Premier League am Tag nach dem Referendum. "Ich bin aufgewacht und habe die Nachricht gesehen. Die Jungs reden darüber, aber wir sind nicht allzu fokussiert darauf. Wir versuchen, bei der EM weiterzukommen. " Auch die Frage, ob nun weniger gute Spieler in die Premier League kommen werden, ließ der 22-Jährige unbeantwortet: "Niemand weiß, was wirklich passieren wird. Ich warte ab, was passiert. " Während der EM-Zeit hatten bereits Kapitän Wayne Rooney und Verteidiger Ryan Bertrand eine Positionierung in der Brexit-Frage tunlichst vermieden. Der Verband hatte den Spielern ermöglicht, per Briefwahl abszutimmen.
Auch Wales-Trainer Chris Coleman will vor dem EM-Achtelfinale gegen den britischen Rivalen Nordirland will keinen Gedanken an den Brexit verschwenden. "Noch sind wir in Europa. Über alles andere reden wir, wenn wir zuhause sind", sagte der Coach. 
Spieler hätten Brexit-Briefwahl machen sollen 
Nordirlands Trainer Michael O'Neill bedauerte, dass seine Spieler keinen Einfluss auf das Brexit-Votum nehmen konnten. Es ärgere ihn im Nachhinein, "dass ich den Spielern nicht die Chance zur Briefwahl gegeben habe", sagte O'Neill. Seine Spieler seien wegen des Brexits nicht besorgt, sondern auf das Spiel gegen den britischen Nachbarn konzentriert. 
Während die aktuellen Fußballer lieber schweigen, hielten einige andere Sportler und auch Ex-Kicker mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. "Bloddy hell", lautete die erste, geschockte Reaktion von Ex-Nationalspieler und Twitter-Ikone Gary Lineker. Er schäme sich für seine Generation, schrieb Lineker in einem späteren Tweet: "Wir haben unsere Kinder und deren Kinder im Stich gelassen. "
Der frühere Stürmerstar Michael Owen hatte nach eigener Aussage "nicht damit gerechnet, mit solchen Nachrichten aufzuwachen. " Was er vom Votum seiner Landsleute hält, drückte er in einem Hashtag aus: #sceptical (skeptisch). Der frühere ManUnited-Profi Phil Neville forderte gar eine Neuwahl. Er habe noch mit niemandem gesprochen und auch niemanden im Fernsehen gesehen, der für den EU-Austritt gestimmt habe, twitterte Neville.
Auch der tschechische Nationaltorwart Petr Cech, der seit langem in London lebt und dort nach Jahren beim FC Chelsea nun für den FC Arsenal spielt, machte seinem Ärger Luft. "Es sieht so aus, als sei die bedeutendste Entscheidung in der Geschichte dieses Landes auf der Basis einer Kampagne von Fälschungen und Lügen getroffen worden", schrieb der Routinier.
Überrascht von der Entscheidung der Briten gegen die EU zeigte sich der deutsche Nationaltorwart Manuel Neuer. "Ich kann nur sagen, dass man immer so ein Einheitsgefühl hatte und dass es ein bisschen schade ist, dass jetzt Großbritannien bzw. auch England nicht mehr dazu gehört. " Italiens Abwehrspieler Giorgio Chiellini sieht im Votum der Briten das "Symptom einer generellen Unzufriedenheit in ganz Europa". Der Profi von Juventus Turin sorgt sich nun um den "Domino-Effekt, den diese Entscheidung auslösen könnte. "
"Für mich ist es etwas, das mich im Moment nicht betrifft und eine Sache, von der ich nicht viel verstehe. Von daher ist es mir egal", sagte Spaniens Stürmer Nolito.
Folgen dürften verheerend sein
Die Folgen den Bexit auf den britischen Sport sind noch nicht gänzlich abzusehen, dürften aber verheerend sein. Alleine die Premier League wird den Brexit - unabhängig von zu erwartenden arbeitsrechtlichen Beschränkungen für Fußball-Profis aus dem bislang gemeinsamen EU-Raum - teuer bezahlen müssen. Weil das britische Pfund spätestens nach Vollzug des Abschieds vom gemeinsamen Europa gegenüber dem Euro spürbar an Wert verlieren dürfte, wird bei den Shoppingtouren der englischen Klubs auch der bislang unschlagbare Wettbewerbsvorteil ihrer umgerechnet 3,2 Milliarden Euro an TV-Geldern zusammenschmelzen.
Die Vereine werden allerdings zusätzlich Geld verlieren: Weil nach einem EU-Austritt Talente voraussichtlich erst ab 18 Jahren - und nicht wie momentan durch die EU-Freizügigkeit schon zwei Jahre früher - verpflichtet werden dürfen, gehen bei einem Weiterverkauf Manchester United, dem FC Arsenal und Co. künftig Millionen-Einnahmen für ihre Ausbildungsleistungen durch die Lappen. Millionen, die nun weitgehend Rivalen vom Kontinent wie Real Madrid, FC Barcelona oder Bayern München einsacken könnten.
Doch damit womöglich noch nicht genug: Für den Fall einer von den meisten Experten für den EU-Austritt vorausgesagten Rezession auf der Insel müssen sich die Klubs der Premier League auf Einnahmerückgänge auch beim noch florierenden Verkauf von Merchandising-Artikeln oder Eintrittskarten einstellen.
Ein Problem könnten auch Wales' Superstar Gareth Bale und sein Verein bekommen. Der Führende der Torschützenliste bei der EM spielt für Real Madrid. In Spanien sind pro Verein nur drei Nicht-EU-Ausländer erlaubt. Sobald der Brexit umgesetzt ist, wäre Bale einer davon.

 

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Das Ergebnis ist absolut inakzeptabel

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Verkehrsunfall: Die knifflige Frage nach Schadensersatz

ist seit 2003 als Anwalt tätig, 2006 qualifizierte er sich zum Fachanwalt für Verkehrsrecht weiter. In seiner Kanzlei in München berät er Mandanten in allen Fragen des Verkehrsrechts und Verkehrsstrafrechts und vertritt deren Interessen auch vor Gericht.

 

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Was kommt nach dem Brexit? Vier Modelle für die Zeit danach

Das Modell „Norwegen“
Das skandinavische Land ist durch das sogenannte EWR-Abkommen eng an die EU angebunden. Vorteil für Norwegen ist der freie Zugang zum Binnenmarkt der EU. Um von diesem Privileg profitieren zu können, muss das Land allerdings auch die EU-Regeln zur Bewegungsfreiheit für Arbeitnehmer und den freier Dienstleistungsverkehr respektieren. Zudem muss Norwegen derzeit die 15 am wenigsten wohlhabenden Länder der EU mit EWR-Fördergeldern in Höhe von jährlich 388 Millionen Euro unterstützen. Weiterer Minuspunkt des Modells: Trotz des EWR-Abkommens besitzt Norwegen innerhalb der EU in den entscheidenden Organen kein Stimmrecht. Das Land muss hat also auf für sie geltendes EU-Recht kaum Einfluss.
Das Modell „Schweiz“
Die engen Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz werden durch ein dichtes Netz von rund 120 Abkommen geregelt. Das Alpenland hat zum Beispiel einen direkten Zugang zu etlichen wichtigen Sektoren des EU-Binnenmarktes. Wie Norwegen muss sich allerdings auch die Schweiz dafür an zahlreiche EU-Regeln halten und auch finanzielle Beiträge leisten. Zum Beispiel zahlt sie für ihre Einbindung in den Europäischen Forschungsraum und für Projekte zur „Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in der erweiterten EU“. Das Modell „Schweiz“ könnte für Großbritannien interessant sein, vor allem wenn es zusätzlich den Zugang zum Sektor Finanzdienstleistungen ermöglichen würde. In EU-Kreisen gilt es allerdings als äußert unwahrscheinlich, dass die EU noch einmal einem Land ein ähnliches Modell zugesteht. Es gilt als zu komplex.
Das Modell „Kanada“
Das Freihandelsabkommen, das die EU mit Kanada ausgehandelt hat, ist umfassender als alle vorher geschlossen Verträge dieser Art. Es umfasst allerdings nicht den für Großbritannien so wichtigen Bereich der Dienstleistungen.
Das „WTO“-Modell
Wenn sich die beiden Parteien auf kein anderes Modell einigen können, würde der Handel künftig nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) ablaufen. Der Zugang Großbritanniens zum EU-Binnenmarkt wäre so beschränkt wie zum Beispiel der eines Landes wie Neuseeland. Vor allem für die britische Finanzbranche wäre dieses Modell vermutlich katastrophal. (dpa)

 

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Ein Zahnarzt und ein 'alter Schwede'

Gegen Island zu spielen, ist so angenehm wie eine Wurzelbehandlung - das weiß niemand besser als Heimir Hallgrímsson, der Nationaltrainer der EM-Sensation. Hallgrímsson ist von Beruf Zahnarzt und mit seinem gleichberechtigten Kollegen Lars Lagerbäck das Duo hinter dem aufsehenerregenden fußballerischen Erfolg der kleinen Atlantikinsel.
"Meine Berufserfahrung hilft mir im Trainerjob", sagt Hallgrímsson. Die meisten Leute hätten ja Angst, wenn sie zu ihm kämen, er müsse auf jeden Patienten individuell eingehen. "Das ist im Umgang mit Fußballern ähnlich", meint er. Einen seiner Spieler hat er aber noch nicht behandelt, "und nein, ich habe auch keine Reisepraxis hier in Frankreich", sagt Hallgrímsson und lacht.
Seine Praxis in Heimay, einer der ständig von Vulkanausbrüchen bedrohten Westmännerinseln südlich von Island, leitet derzeit ein Kollege. Hallgrímsson hat ja auf dem Kontinent zu tun. Überhaupt hat er zuletzt nur noch einen halben Tag pro Woche dort gearbeitet, "um in der Übung zu bleiben". Wenn er im Sommer komplett von Lagerbäck übernimmt, lässt er seinen Beruf gänzlich ruhen.
Zusammen ein guter Coach
Hallgrímsson (49) wird den "alten Schweden" vermissen. "Zusammen sind wir ein guter Coach", sagt er über den 67-Jährigen. Sie haben sich kennengelernt, als Hallgrímsson in England seine A-Lizenz erwarb. Als Lagerbäck Island im Herbst 2011 übernahm, wurde Hallgrímsson sein Assistent, nach der erst in den Play-offs verpassten Qualifikation für die WM 2014 rückte er zum Partner auf.
"Wir sind sehr unterschiedlich", sagt Hallgrímsson, sein Kollege sei eher konservativ. Der Jüngere, der stets ein schelmisches Grinsen im Gesicht hat, gilt als hervorragender Analyst, Mehmet Scholl würde ihn einen "Laptop-Trainer" nennen. Der Ältere setzt auf Grundsätze wie Eigenverantwortung, Wille und Zusammenhalt, die sich über Jahrzehnte bewährt haben - Lagerbäck spielte mit Schweden und Nigeria sechs große Turniere. "Er hat alles erlebt - auf und neben dem Platz", sagt Hallgrímsson.
Dessen Verdienst ist es, die Fans hinter die Mannschaft gebracht zu haben. Vor Heimspielen besucht er traditionell den Fanklub Tólfan (Zwölf) in einem Pub in Reykjavik, um die Anhänger über Startelf und Taktik zu informieren. Anfangs kam ein gutes Dutzend, inzwischen sind es mehr als 400 Leute. "Die Kultur hat sich verändert", sagt Hallgrímsson. Neben den Handballern sind nun auch die Kicker in.
Lagerbäck, der für seine Motivationsreden berühmt ist, riss die Spieler mit. "Vor einem Amateur aus Island hätten sie nicht denselben Respekt gehabt wie vor Lars", sagt Hallgrímsson. Doch auch der Ältere lernt vom Jungen, wenngleich Lagerbäcks Isländisch noch immer zu wünschen übrig lässt, wie Hallgrímsson schmunzelnd bemerkt. "Bei der Hymne bewegt er zwar seine Lippen", sagt er, "aber da kommen nur sehr seltsame Worte aus seinem Mund. "
Lagerbäck erlebt trotzdem "einen der besten Momente" seiner Trainerkarriere. Nächster "Patient" des "alten Schweden" und seines Zahnarztes: England, im EM-Achtelfinale am Montag (21 Uhr/Live-Ticker) in Nizza.

 

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35,4 Grad in Innsbruck: Hitzerekord noch einmal geknackt

Der heutige Freitag war der bisher heißeste Tag des Jahres. Den österreichweiten Spitzenwert registrierte die ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) mit 35,4 Grad in Innsbruck. Damit wurden in der Landeshauptstadt 0,2 Grad mehr als Tags zuvor in Imst gemessen. Auf Innsbruck folgten am Freitag die Wiener City und Hohenau an der March mit jeweils 34,6 Grad.
Heiß war es am Freitag in ganz Österreich. An 185 von 265 ZAMG-Messstationen wurde am Nachmittag die 30-Grad-Marke erreicht oder überschritten. Sogar in großen Höhen war es ziemlich warm: So wurden am Sonnblick 10,6 Grad und am Pitztaler Gletscher 13,4 Grad gemessen. (TT.com, APA)
Mehr zum Thema:
> Donnerwetter nach Kurzsommer: Innsbruck sagt Bergsonnwend ab

 

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Neue Vorwürfe im Abgas-Skandal: Erste Sammelklage gegen General Motors

Im Abgas-Skandal gerät nun auch der Opel-Mutterkonzern GM in den Fokus. Autobesitzer reichten eine Sammelklage wegen des Chevrolet Cruze ein. Der auf der gleichen Plattform aufgebaute Opel Zarifa wird bereits überprüft.
Von Peter Hornung, NDR
Auch der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) ist nun Ziel einer Sammelklage von Autobesitzern. In einer in Kalifornien eingereichten Klageschrift wird dem Konzern nach Informationen des NDR vorgeworfen, ähnlich wie Volkswagen die Abgaswerte mit einer illegalen Abschaltvorrichtung manipuliert zu haben.
Betroffen sei der Kompaktwagen Chevrolet Cruze, den GM als "sauberen Diesel" beworben habe. Das Auto stoße jedoch eigenen Tests der Kläger zufolge im Straßenbetrieb deutlich mehr Stickoxide aus als auf dem Prüfstand. Damit seien die Käufer getäuscht worden. Ein GM-Sprecher wies die Vorwürfe zurück: "Diese Anschuldigungen sind haltlos, und wir werden uns dagegen vehement verteidigen. GM ist überzeugt, dass der Turbodiesel im Cruze alle Abgasbestimmungen" der US-Behörden erfülle.
Überprüfung beim Opel Zafira
In der Klageschrift wird auch auf den Opel Zafira verwiesen, der auf der gleichen Plattform gebaut werde wie der Chevrolet. Opel war von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vorgeworfen worden, im Zafira eine illegale Abschaltvorrichtung verwendet zu haben. Diese Vorwürfe werden derzeit im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums geprüft.
DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch bezeichnete die neue Klage als "konsequent", da der Zafira einen GM-Motor habe. Resch sagte, er sei "ausgesprochen gespannt, wie die deutsche Bundesregierung nun reagiere. " Möglich sei ein Ruhen der Zulassung der betroffenen Fahrzeuge oder ein amtlicher Rückruf: "Das heißt, dass die Fahrzeuge, die noch reparierbar sind, so schnell wie möglich in einen sauberen Zustand versetzt werden. " Ein Opel-Sprecher wies die Vorwürfe der DUH erneut zurück: "Wir bei Opel setzen keine illegale Software ein. "
Klage auch gegen VW
Die Klageschrift wurde von der Kanzlei Hagens Berman im Namen von fünf Autobesitzern aus mehreren US-Bundesstaaten eingereicht. Die Rechtsanwälte aus Seattle hatten im vergangenen September nur drei Tage nach Bekanntwerden des Abgasskandals auch die erste Sammelklage gegen den VW-Konzern vorgelegt.

 

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Wie im Sudan die Bekämpfung der Fluchtursachen ad absurdum geführt wird

Zu Recht konstatierte der französische Philosoph Alan Badiou jüngst, dass „zwei zum Scheitern verurteilte Denkweisen unsere Öffentlichkeit bestimmen: auf der einen Seite marktwirtschaftlicher Konsens und universelle Kommerzialisierung, auf der anderen Seite eine verkrampfte Rückbesinnung auf Identität und Nation, die gegen diese Globalisierung einen reaktionären Damm errichten will.“
Massenhafte Flüchtlingsbewegungen gab es immer, zumal in den vergangenen Dekaden; die Hauptlast haben bei geschätzten 60 Millionen Flüchtlingen etwa im Jahre 2014 Drittweltländer zu tragen, 9 von 10 Geflüchteten bleiben in ihren Regionen. Dennoch werden allenthalben reaktionäre Dämme errichtet, nicht nur von nationalpopulistischen Bewegungen, sondern auch von den Regierungen wird das Problem irrational angegangen.
Alle wissen, dass viele Fluchtgründe auch internationale Ursachen haben, seien es die Folgen der Kolonialisierung, das ungerechte Welthandelssystem oder repressive Regime und Kriege. Zwar werden diese Auswirkungen der Globalisierung und die notwendige Bekämpfung von Fluchtursachen hierzulande breit diskutiert. Und was wäre besser, als dafür zu sorgen, dass Menschen nicht mehr durch Armut, Gewalt und Verfolgung gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen? Die durch die Begegnung mit den Geflüchteten ausgelöste Mitmenschlichkeit wird jedoch zunehmend durch die Forderung nach Abschottung, die ihren Ausdruck in den Wahlerfolgen von AfD und anderen neurechten Parteien findet, verdrängt. Dies wirkt sich dann in fataler Weise in der praktischen Migrationspolitik aus.
Drastischstes Beispiel ist die Umsetzung des sogenannten Khartoum-Prozesses. Seit Oktober 2014 kooperiert die EU mit Eritrea, Äthiopien, Somalia, dem Süd-Sudan, Sudan, Kenia, Ägypten und Tunesien mit dem Ziel einer besseren Kontrolle der Migration aus Nord- und Ostafrika. Einzelne Projekte verfolgen dabei durchaus positive Zwecke, etwa Berufsausbildungsprogramme für Geflüchtete. Ein Hauptfokus der Initiative ist jedoch die Zusammenarbeit in den Bereichen Grenzkontrolle sowie Bekämpfung von irregulärer Migration und Schleuserkriminalität – und das mit Staaten, von denen einige zu den schlimmsten Diktaturen der Welt gerechnet werden.
In Kairo, in einem Land mit über 50.000 politischen Gefangenen, ist die Errichtung eines Polizeitrainingszentrums geplant. In Eritrea, das auch das Nordkorea Afrikas genannt wird, sollen die institutionellen Kapazitäten der Behörden gestärkt werden. Im Mai 2016 wurde bekannt, dass die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit federführend an der Umsetzung eines EU-Projektes zur Kontrolle der Grenze zwischen dem Sudan und Eritrea beteiligt sein wird. Zur Erinnerung: Der Sudan wird von Omar al-Bashir regiert, der vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord gesucht wird. Eigentlich ist deshalb die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Sudan ausgesetzt. Doch da es sich um ein EU-Projekt handelt, soll dies in diesem Fall nicht gelten.
Offensichtlich ist man sich auf EU-Ebene der Brisanz dieser Zusammenarbeit durchaus bewusst: Ein Dokument vom April 2015 enthielt den Verweis, der Inhalt dürfe auf keinen Fall an die Öffentlichkeit gelangen. Die entscheidenden Unterlagen zum Khartoum-Prozess wurden erst durch Recherchen an die Öffentlichkeit gebracht.
Der Khartoum-Prozess zeigt, wie sich die EU und ihre Mitgliedsstaaten der eigenen Verantwortlichkeit durch eine Auslagerung der Grenzkontrollen an Drittstaaten zu entziehen versuchen. Die Rede von der Bekämpfung der Fluchtursachen wird so pervertiert – die Gewaltherrscher werden so in die Lage zu versetzt, jegliche Flucht aus ihrem Machtbereich zu unterbinden, um die Schattenseite der Globalisierung rasch wieder aus der europäischen Lebenswelt zu verbannen.

 

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Brexit-Wortführer Boris Johnson – der nächste Premierminister?

Es gibt mindestens zwei Boris Johnsons. Einer tritt am Freitag nach Bekanntwerden des Brexit-Votums und der Rücktrittserklärung von Premierminister David Cameron vor die Kameras. Staatsmännisch erklärt er, dass Großbritannien trotzdem "im Herzen Europas" sei. Er ist gebildet, höflich und eloquent. Hass auf Migranten ist ihm zuwider.
Und dann gibt es noch den anderen Johnson. Der behauptet, die EU wolle einen Superstaat errichten – wie einst Napoleon und Hitler. Auf dem Höhepunkt der Affäre um den deutschen Fernsehsatiriker Jan Böhmermann schreibt er ein Schmähgedicht über einen "jungen Kerl aus Ankara" und gewinnt damit einen zweifelhaften Wettbewerb für das "beleidigendste Gedicht über Präsident Erdogan".
Es ist nicht leicht, den Mann mit dem blonden Schopf zu durchschauen:
Mal scheint er sich absichtlich dumm zu stellen, um unbeholfen und harmlos zu wirken. Mal brilliert er in TV-Debatten mit großem rhetorischen Talent und lässt seine Gegner alt aussehen.
Johnson hat Grund, selbstbewusst zu sein. Immer wieder wurde er in Umfragen zum beliebtesten Politiker Großbritanniens gekürt. Wäre er noch einmal angetreten, er hätte wohl kaum Schwierigkeiten gehabt, die Bürgermeisterwahl in London für sich zu entscheiden.
Doch Boris Johnson, so glauben viele, strebt nach Höherem. Dass er sein Gewicht in die Waagschale der Brexit-Befürworter warf, dürfte wohl kaum ohne Hintergedanken geschehen sein.
Das Votum der Briten für einen Austritt aus der EU geht zu einem nicht unerheblichen Teil wohl auch auf sein Konto. Dabei ist es noch nicht lange her, dass sich Johnson entschied, für einen Austritt Großbritanniens aus der EU zu werben.
An einem Sonntag im Februar trat er vor seinem Haus im Norden Londons mit gesenktem Kopf vor die Kameras. Er war damals noch Bürgermeister der britischen Hauptstadt. Er stammelte etwas vom "schwerem Herzen", und dass er nichts gegen Premierminister David Cameron und die Regierung unternehmen wolle. Aber er habe, dem Volk zuliebe, keine andere Wahl. Seinen konservativen Parteifreund Cameron soll er erst wenige Minuten vorher per SMS über den Schritt informiert haben.
Johnson gehört wie Cameron zum britischen Establishment, beide gingen auf das Elite-Internat Eton. Anders als der stets gepflegt auftretende Premier versteht es Johnson aber, den einfachen Mann anzusprechen. Er schneidet Grimassen, flucht, stolpert, stürzt und pöbelt. Doch all das scheint ihm nicht zu schaden. Im Gegenteil, Umfragen zufolge schenken die Briten Johnson sehr viel mehr Glauben als dem Premier. Das hat sich nun ausgezahlt.
Johnson hat wohl gute Chancen, nach dem Amt des Regierungschefs zu greifen. Die Frage ist nur: wann? Cameron wird noch drei Monate im Amt bleiben. Ergreift Johnson dann seine Chance?
Hier finden Sie unser Protokoll des Tages zum Brexit.
Mehr über den Brexit lesen Sie hier.

 

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Frankreich: Frankreichs Konservative widerstehen Le Pen

Kommt nach dem Brexit der Frexit? Die Frage stellte sich in Paris am Tag nach dem britischen EU-Ausstieg fast von selbst: Unüberhörbar ertönten die Siegesrufe des Front National (FN) auf allen französischen Kanälen. Ausgerechnet FN-Vize Florian Philippot durfte als Erster in Frankreichs populärster Radiomorgensendung auf RTL den Brexit kommentieren: " Die Europäische Union ist dabei zu sterben. Das Europa der freien Völker kommt zurück", jubelte der FN-Führer und forderte zugleich ein Frexit-Referendum nach britischem Modell. Seine Parteiführerin Marine Le Pen setzte auf einer Pressekonferenz am Vormittag nach: Der Brexit gäbe ihr "zusätzliche Legitimität, die gleiche Debatte in Frankreich zu führen". Denn: "Auch die Franzosen müssen die Wahl haben können. "
Genau diese Siegerposen der Rechtsextremisten hatte man im Fall eines Brexits erwartet. Genauso wenig konnte die Ankündigung von Präsident François Hollande überraschen, dass Europa nun "einen neuen Schub" bekommen müsse und er sich deshalb am Montag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin treffe.
Nein, die eigentliche Überraschung lieferten am Tag nach dem Brexit Frankreichs Konservative. Die gewöhnlich eher vielstimmigen Republikaner boten ausnahmsweise ein Bild der Geschlossenheit. "Wir dürfen jetzt nicht den Kopf hängen lassen und müssen aus der Krise eine Gelegenheit machen", kommentierte Brice Hortefeux, engster Mitarbeiter von Ex-Präsident und Parteichef Nicolas Sarkozy. Ganz ähnlich reagierten andere führende Parteimitglieder auf den Brexit. Motto: Nicht aufgeben, stattdessen die EU neu begründen. Keiner redete Le Pen das Wort, was alles andere als selbstverständlich war.
Tatsächlich vergeht derzeit kein Tag, an dem sich das Dutzend Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, die im Herbst zu parteiinternen Vorwahlen des Parteikandidaten antreten, nicht in die Haare kriegen. Der Streit unter den Kandidaten besteht nicht zuletzt darin, wie man sich zu den Positionen des FN verhält. Gerade in diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Favoriten der Republikaner, Sarkozy und der liberale Ex-Premierminister Alain Juppé. Sarkozy ist den Argumenten des FN gegenüber sehr viel offener als Juppé. Er teilt gewöhnlich die rechtsextremistischen Parolen um innere Sicherheit, lasche Grenzkontrollen und zu viele Ausländer. Und er kritisiert das Schengenabkommen scharf. 
Umso wichtiger also, dass sich Sarkozy und seine Leute nach dem Brexit eindeutig für die EU positionierten und Le Pen mit ihren Frexit-Rufen allein ließen. Sogar Nadine Morano, eine ehemalige Ministerin Sarkozys und am rechten Rand der Partei positioniert, sprach sich gegen ein Frexit-Referendum aus und forderte eine Vertiefung der Europäischen Union hin zu einer Sozial- und Steuerunion.
Für Berlin könnte das noch zum Problem werden: Viele Pariser Stimmen sprachen sich nach dem Brexit ohne viel Zaudern für mehr Europa aus. Man analysiert nicht lange, sondern zieht für die vermeintlich richtige Idee in den Kampf. Nicht ohne den Hintergedanken, dass Frankreich dann wieder seine alte Rolle als Führungsnation der europäischen Einigung zuwachsen könnte. Was in Berlin vielen ein Schrecken wäre, weshalb die Mahnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, jetzt Ruhe und Besonnenheit zu bewahren, wohl vor allem auch an die Franzosen gerichtet war.
Und doch lautete die eigentliche französische Frage am Ende des Tages, wie lange die Einmütigkeit der etablierten Pariser Politik gegen den Frexit halten würde. "Ganz klar, das Nein (zur EU, d. Red.) würde siegen", bemerkte einer der Präsidentschaftsanwärter der Republikaner, Ex-Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire, auf die Frage, wie die Franzosen heute über einen EU-Austritt Frankreichs abstimmen würden.
Die FN-Chefin wird den Brexit trotzdem im heraufziehenden Präsidentschaftswahlkampf für sich zu nutzen wissen: Als Einzige verspricht sie den Franzosen, in der Europafrage per Volksabstimmung entscheiden zu können. "Die Demokratie ist stärker als die Märkte", sagte sie. In dieser populistischen Formel liegt eine große Versuchung. Der Republikaner Le Maire jedenfalls will die Franzosen künftig auch mitreden lassen. "Wir werden die Franzosen nicht fragen, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht. Wir werden ein neues europäisches Projekt mit Deutschland und den anderen Gründungsstaaten der EU ausarbeiten: Das Projekt eines stabilen, handlungsfähigen Europas mit klaren Grenzen. Dann werden wir die Franzosen entscheiden lassen, ob sie diese neue Zielsetzung für Europa unterstützen, " sagte Le Maire. Und tappte damit direkt in die Referendumsfalle von Le Pen.

 

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Papst: Genozid an Armeniern war Beginn einer Katastrophenserie

Eriwan/Vatikanstadt - Bei einem Besuch in Armenien hat Papst Franziskus die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich zu Zeiten des Ersten Weltkriegs erneut als „Völkermord“ eingestuft.
„Diese Tragödie, dieser Genozid hat leider den Beginn der traurigen Serie von riesigen Katastrophen im vergangenen Jahrhundert markiert“, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Freitag bei einem Treffen mit dem armenischen Präsidenten Serzh Sarksyan in Eriwan.
2015 hatte die Türkei kurzzeitig ihren Botschafter aus dem Vatikan abberufen, nachdem Papst Franziskus schon damals von einem Genozid gesprochen hatte.
Nach armenischer Darstellung starben ab dem 24. April 1915 bei der Verfolgung und Vertreibung der Armenier auf dem Gebiet der heutigen Türkei bis zu 1,5 Millionen Armenier im Zuge einer gezielten Vernichtungskampagne. Betroffen waren zudem Aramäer und Griechen.
Die Türkei spricht entgegen der Ansicht der meisten Historiker dagegen von 300.000 bis 500.000 getöteten Armeniern und ebenso vielen Toten aufseiten der Türken bei bürgerkriegsartigen Kämpfen und Hungersnöten. Mehr als 20 Einzelstaaten und internationale Institutionen, darunter der österreichische Nationalrat im Vorjahr zum 100. Jahrestag der Ereignisse per gemeinsamer Erklärung aller Fraktionen, haben den Völkermord anerkannt. (APA/AFP)

 

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Europameisterschaft: Manchmal nicht mal dritte Liga

Spielzeuge sind etwas Schönes. Die den Fußball begleitenden Medien überbieten sich regelmäßig darin, neue Analysetools und interaktive Spielchen zu erfinden. Der Guardian lässt seine Nutzer knifflige Schiedsrichterentscheidungen in einem Comic entscheiden. Auch wir sind , was das angeht, nicht untätig. Die Fernsehsender haben sich für das laufende EM-Turnier auch neue Gadgets ausgedacht. Im Internet kann man bei ihnen die Spiele aus den verschiedensten Kameraperspektiven schauen. Sie ermöglichen es, für große Momente den gewohnten Blick zu verlassen und sie von der Krankamera, von der Ersatzbank oder mit Blick auf die Ehrentribüne zu erleben, wo die Funktionäre sitzen.
Aber es hakt an einer Stelle: Es gibt kaum große Momente. Es gibt auch kaum geschickte Manöver, für die es sich lohnen würde, die 20 Kameras anzuschmeißen. Ein schneller Konter zum 2:0 für Deutschland – okay. Ein Freistoßtor von Gareth Bale – nett, aber haltbar. Alles kein Stoff, aus dem hochglänzende Imagefilme gedreht werden.
Dieses Turnier lahmt. Es fehlt an Höhepunkten, an Tempo. Doch nicht nur das, es fehlt auch an spielerischen Neuerungen. Das Niveau dieser Vorrunde war selten hoch, oft bescheiden. Wie ein kaltes Freitagabendspiel im November. Das hat natürlich Gründe.
Alle Spiele der Fußball der Fußball-EM finden Sie hier in unserem Live-Ticker. Zum sich ständig aktualisierenden Spielplan geht es hier entlang. So verpassen Sie kein Tor. Dort finden Sie auch alle Informationen zu den Mannschaften und ausführliche EM-Statistiken.
24 Mannschaften treten bei der Fußballeuropameisterschaft an. Für jede hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE, DIE ZEIT oder dem ZEITmagazin die Patenschaft übernommen. Unsere EM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Alle Texte der Patenserie gibt es hier.
Wahrscheinlich haben Sie gestern auch über die deutschen Tore gestaunt. Aber haben Sie auch gut genug aufgepasst? Wo genau ging der Ball ins Tor? Mit unserem EM-Torschusstool können Sie die Tore noch einmal schießen. Klicken Sie auf die Stelle, an der der Ball Ihrer Meinung nach die Torlinie überquert hat. Unser Game berechnet die Entfernung zum tatsächlichen Treffer und zeigt Ihnen an, wo andere Spieler den Ball vermuteten. 
Möglicherweise drücken Sie bei der EM dem Team ihres Heimatlandes die Daumen. Das ist nur fair. Aber vielleicht ist das ja gar nicht die richtige Mannschaft für Sie. Womöglich steckt in Ihnen ja ein Island-Fan. Oder Sie entdecken Ihr Faible für Albanien. Mit unserem Nation-O-Mat können Sie herausfinden, welches der 24 EM-Teams wirklich zu ihnen passt.
Bei Europa- und Weltmeisterschaften spielen zwar die besten Spieler, aber nicht die besten Mannschaften. Vereine trainieren häufiger, können ihre Kader zusammenkaufen, ihre Teams entwickeln, wenn sie gute Trainer und Manager haben. Nationalmannschaften sind nicht so gut organisiert, sie treffen sich nur wenige Male im Jahr. Die besten Teams aus Spanien, England, Deutschland oder Frankreich erreichen ein höheres sportliches Niveau als Länderteams. Würde der FC Bayern gegen Deutschland spielen, würde er wohl gewinnen. Die Champions League ist deutlich besser als eine EM.
#EURO2016 Vorrunde:
0:0 ⚽⚽⚽⚽
1:0 ⚽⚽⚽⚽⚽⚽⚽⚽⚽⚽
1:1 ⚽⚽⚽⚽⚽
2:0 ⚽⚽⚽⚽⚽⚽
2:1 ⚽⚽⚽⚽⚽⚽
3:0 ⚽⚽⚽
2:2 ⚽
3:3 ⚽
Quote: 1,92 (Vgl. Bundesliga 15/16: 2,83)
Dieser Befund sagt nicht unbedingt etwas über die Spannung aus. Die WM in Brasilien erreichte auch nicht die Qualität von Spielen der besten europäischen Vereinsmannschaften. Aber dafür sah man schon in der Vorrunde spektakuläre Partien wie Holland gegen Spanien, Italien gegen England oder die deutschen Duelle mit Portugal und Ghana. Es geschah oft Überraschendes, Dramatisches. Stürmer kamen öfter und freier zum Schuss als in Liga- oder Europacupspielen mit ihren Vereinen.
Die Vorrunde in Frankreich war dagegen äußerst zaghaft. Es gab Ausnahmen, wie das Finale der Gruppe F mit dem hektischen 3:3 von Portugal gegen Ungarn oder den italienischen 2:0-Sieg über Belgien. Generell spielten die Teams aber erkennbar defensiver. Wie prognostiziert hatte das vor allem mit der Aufstockung des Turniers von 16 auf 24 Mannschaften zu tun. Weil nur acht Mannschaften ausschieden, wussten viele, dass ihnen wahrscheinlich Platz drei genügen würde. Im Zweifel war es also besser, Tore zu verhindern, statt eigene zu schießen. Island hätte das Siegtor gegen Österreich nicht gebraucht, das Team wäre auch sieglos ins Achtelfinale eingezogen (was nun Portugal gelang). Wer mit drei Remis den größten Erfolg seiner Verbandsgeschichte erzielen kann, agiert eben verhalten.
Zudem sind die großen Teams nicht in bester Verfassung. Deutschland offenbarte in den ersten zwei Spielen Schwächen in der Abwehr, im Mittelfeld und im Angriff. Das mag man zu voreilig und nörgelig finden, ist aber einer der Befunde der Vorrunde. Man muss nur den Selbsttest machen: Welche Szene der ersten Halbzeit vom Remis gegen Polen ist in Erinnerung geblieben? Welche überhaupt?

 

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Club Kir: Selbst bei Ausrastsound noch cool

Warum verschwinden coole Clubs, Kneipen, Diskotheken einfach so? Jan Freitag geht dieser Frage in Hamburg nach und stellt fest: Es hat häufig auch etwas mit Veränderungen in der Straße, dem Häuserblock, dem Viertel zu tun. Wir wollen eine kleine Serie daraus machen. Bisher erschienen: das Onkel Pö, der Mojo-Club , die Ernst-Merck-Halle , das Grünspan , das Trinity , das Heinz Karmers , die Weltbühne , das Posemuckl , das Front und das Tiefenrausch.

 

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Reaktionen aus europäischen Hauptstädten: Merkel spricht von "Einschnitt für Europa"

In Brüssel sucht man jetzt händeringend nach dem Plan B. Der Schock über den Brexit steht Europas Politikern ins Gesicht geschrieben. Die Angst vor Kettenreaktionen ist groß. Kanzlerin Merkel rief zu Besonnenheit auf - und erinnerte an das "Friedensprojekt Europa".
Großbritannien wird aus der EU austreten und erschüttert damit den Staatenbund in seinen Grundfesten. Es ist die größte Krise der EU in ihrer bisherigen Geschichte. Jetzt greift Plan B, doch gibt es den überhaupt? Bislang scheint niemand genau zu wissen, wie es weitergeht, der Schock steht den führenden Politikern Europas ins Gesicht geschrieben.
Doch jeden Anschein von Panik will man in Brüssel, Paris oder Berlin vermeiden. Wir sind vorbereitet, heißt es unisono aus Brüssel. Motto: Ein Land will raus, wir stehen zusammen. "Wir sind entschlossen, unsere Einheit zu 27 zu bewahren", sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk. Es sei nicht der Augenblick für hysterische Reaktionen.
Aber auch nicht für Hängepartien. Die Spitzenvertreter der EU forderten Großbritannien auf, "so schnell wie möglich" Konsequenzen aus dem Brexit-Referendum zu ziehen. "Jede Verzögerung würde die Unsicherheit unnötig verlängern", teilten EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Parlamentschef Martin Schulz und der niederländische Regierungschef Mark Rutte in Brüssel schriftlich mit. Der Abschied eines Mitgliedslandes aus der Staatengemeinschaft ist in Artikel 50 des Vertrages von Lissabon geregelt.
Mit Großbritannien verliert die EU die Finanzhauptstadt der Welt, seine zweitgrößte Volkswirtschaft und das Land mit der drittgrößten Bevölkerung. Zudem ist das Land, zusammen mit Frankreich, einer von zwei EU-Staaten mit Atomwaffen und Ständigem UN-Sicherheitsratssitz.
Von einem "Einschnitt für Europa und für den europäischen Einigungsprozess" sprach Kanzlerin Angela Merkel nach Beratungen im Kanzleramt. Sie warnte zugleich davor, jetzt "schnelle und einfache Schlüsse zu ziehen". Ruhe und Besonnenheit seien jetzt angesagt. Merkel appellierte an die Einheit der 27 EU-Staaten. Gemeinsame Beschlüsse seien nötig, die Europa nicht weiter spalteten.
Deutschland habe eine besondere Verantwortung und ein großes Interesse daran, dass die europäische Einigung gelinge. Sie habe daher für Montag EU-Ratspräsident Donald Tusk sowie den französischen Präsidenten Francois Hollande und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi nach Berlin eingeladen. Vor dem EU-Gipfel am Dienstag werde sie im Rahmen einer Sondersitzung des Bundestags über die Haltung der Bundesregierung informieren. Auch eine Regierungserklärung ist geplant.
In ihrer kurzen Erklärung erinnerte Merkel außerdem "Friedensprojekt Europa". Diese Idee sei einst Gründungsgedanke Europas gewesen.
Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte wegen der Brexit-Entscheidung seine Reise nach Moskau für nächste Woche ab. Am Montag werden nach seinen Worten Gespräche führender europäischer Sozialdemokraten in Paris stattfinden, an denen er teilnehmen werde.
In Europa geht die Angst um - vor einer Rückkehr der Nationalstaaten und einem Erstarken der Rechtspopulisten. Das Brexit-Votum der Briten könnte Schule machen, eine Kettenreaktion auslösen. In mehreren Mitgliedsstaaten forderten rechtspopulistische Bewegungen ein Referendum nach britischen Vorbild. Dazu zählten in Frankreich der rechtsextreme Front National und in den Niederlanden der Rechtspopulist Geert Wilders. Rechtspopulisten sind in fast allen EU-Staaten im Aufwind, auch wegen einer kritischen Haltung zur EU, die als bürgerfern wahrgenommen und der eine Stärkung nationaler Interessen entgegengesetzt wird. Aus diesem Grund müsse sichergestellt werden, dass die Bürger konkret spüren könnten, wie die EU ihr Leben verbessere, sagte Merkel dazu.
Ein "Weiter so" in Europa kann es nach dem Brexit kaum geben. Reformen sind nötig - aber welche? Europa müsse sich "auf das Wesentliche konzentrieren", meinte Frankreichs Staatspräsident Hollande. Er nannte die Bereiche Sicherheit und Verteidigung, Investitionen sowie steuerliche und soziale Harmonisierung. Europa müsse "von seinen Bürgern verstanden und kontrolliert werden".
Wenn eines der größten EU-Mitgliedsländer aus der EU austrete, könne "kein Stein auf dem anderen bleiben", sagte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz im ORF. Es sei nötig, dass sich die EU schnell neu aufstelle, wenn sich ein solches Referendum nicht in einem anderen EU-Land wiederholen solle. Tempo und Ausmaß dieser Veränderung müssten "enorm" sein.
Polens EU-Minister Konrad Szymanski warnte, sollte sich die EU nicht reformieren, werde sie in den kommenden fünf oder sechs Jahren ein oder zwei weitere Mitglieder verlieren.

 

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Wiedersehen mit Darth Vader in „Star Wars“-Spin-off

Los Angeles – Er ist wohl einer der bekanntesten Filmbösewichte aller Zeiten: Im Dezember dürfen sich Fans auf ein Wiedersehen mit dem dunklen Sith-Lord Darth Vader freuen. Er soll im „Star Wars“-Spin-off „Rogue One“ zu sehen sein. Allerdings werde man ihn recht „sparsam“ einsetzen, so Produzentin Kathleen Kennedy gegenüber „Entertainment Weekly“. Der Film soll am 15. Dezember in den heimischen Kinos starten.
„Rogue One: A Star Wars Story“ ist der erste von zwei geplanten Ablegern und zwischen Episode III und IV angesiedelt. Darin geht es um eine Gruppe an Rebellen, die die Baupläne des gefürchteten Todessterns - einer vom Imperium konstruierten gigantischen Raumstation - stehlen will. Die Stimme wird Vader im englischen Original, wie schon in der Ursprungsreihe, von James Earl Jones geliehen.
Erst im Vorjahr erfuhr die mittlerweile von Disney übernommene Franchise eine mehr als erfolgreiche Wiederbelebung, hat Regisseur J. J. Abrams doch mit „Das Erwachen der Macht“ der legendären Weltraumsaga eine siebente Episode verpasst, die den Auftakt einer neuen Trilogie markierte. Zudem ist ein Film über Han Solo geplant. (APA/Reuters)

 

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Eine gefährliche Fahrt in eine ungewisse Zukunft

Auch wenn die Prognosen weit auseinander gehen: Der Brexit wird Europas Wirtschaft schaden. Die Verfechter von Markt und Wettbewerb in der EU sind geschwächt.
24.06.2016 | 17:21 |  von Karl Gaulhofer
( Die Presse )
Wien. Verwirrend konträr wirkten am Freitag die spontanen Einschätzungen über die wirtschaftlichen Folgen des Brexit. An der „Grenze des Wahrnehmbaren“ würden sie für Österreich sein, sogar der heurige Schalttag habe einen größeren Effekt gehabt: So beruhigte Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung in Wien. Für Anton Börner hingegen, der die deutschen Exporteure vertritt, ist der Austritt der Briten aus der EU eine „Katastrophe“, die „Europa zerreißen“ könnte. Und für den Chefvolkswirt der Ing-Diba-Bank ist mit dem „Leave“-Votum der „schlimmste Alptraum Europas wahr geworden“.
Wer hat nun recht? In gewissem Sinn wohl alle. Bei der Konjunkturprognose von Wifo und IHS am Donnerstagsetzten beide Institute die unmittelbaren Folgen niedrig an: Nur um 0,1 Prozent würde ein Brexit das Wachstum in Österreich dämpfen. Aber sie betonten: Das sei eben das, was sich in ihren Modellen leicht berechnen lässt, anhand der eher schwachen Verflechtung der beiden Volkswirtschaften. In diesem Sinn kalmierte auch die Bundesregierung.
Nicht so leicht absehen lassen sich hingegen die indirekten Folgen: Mehr Unsicherheit ist Gift für die Konjunktur, weil Unternehmen von Investitionen ablassen. Somit sei einBrexit im gerade zaghaft einsetzenden Aufschwung „so nötig wie einen Kropf“, sagte Wifo-Chef Karl Aiginger. Die Bank Austria hat deshalb „allein aus der Unsicherheit heraus“ ihre Prognose fürs heimische Wachstum viel deutlicher gekappt: von 1,5 auf 1,0 Prozent im nächsten Jahr.
Die Deutschen sind stärker betroffen: Großbritannien ist ihr drittgrößter Auslandsmarkt. Die Autobauer etwa haben dort Werke: BMW für Mini und Rolls Royce, VW für Bentley, Opel mit der Schwester Vauxhall. Maschinenbauer fürchten starke Auftragsrückgänge, wenn die Wirtschaft auf der Insel stagniert oder schrumpft. Aber wird es dazu kommen? Die längerfristigen Folgen hängen davon ab, ob die Briten einen freien Zugang zum Binnenmarkt behalten können und für den EU-Import ihrer Produkte weiter keine Zölle zahlen müssen – wie das EWR-Mitglied Norwegen und teilweise die Schweiz. Diese beiden Länder mussten dazu freilich viele Regeln übernehmen und die Freizügigkeit der Arbeitnehmer mitmachen. Brüssel steckt hier in einem schweren Dilemma: Wenn die EU eine solche freundschaftliche Scheidung zulässt, womöglich mit einem neuen „Briten-Rabatt“ bei den Regeln, ermuntert sie weitere Staaten zum Austritt.
Laufen die Verhandlungen aber auf einen schmutzigen Rosenkrieg und die Errichtung von Zollschranken hinaus, schneidet sich Rest-Europa wirtschaftlich ins eigene Fleisch. Jedenfalls haben die Briten ökonomisch mehr zu verlieren: Auch ein Freihandelsabkommen würde typischerweise vor allem auf materielle Waren abzielen und weniger auf Dienstleistungen, die in der britischen Wirtschaft dominieren. Die Finanzdienstleister der Londoner City verlieren ihren „Passport“, mit dem sie bisher Geschäfte in der ganzen EU machen können. Zudem ist Großbritannien, dessen Leistungsbilanz ein chronisch hohes Defizit aufweist, zum Ausgleich auf Kapitalzufuhr und damit Investitionen angewiesen – und diese werden zumindest in den zwei Jahren des unsicheren Übergangs massiv zurückgehen.
Die Bestürzung in Deutschland hat einen zusätzlichen Grund: Mit dem Brexit verschiebt sich der Schwerpunkt der Macht in der EU weiter nach Süden. Der drittgrößte Nettozahler fällt weg, allein Deutschland müsste laut Bertelsmann-Stiftung 2,5 Mrd. Euro zusätzlich an innereuropäischer Umverteilung schultern. Wenn es um liberale Wirtschaftsreformen, Freihandel, Wettbewerb und Eigenverantwortung bei den Staatsfinanzen ging, waren die Briten in Brüssel verlässliche Verbündete der Nordländer. Mit Deutschland, den skandinavischen Staaten und den Niederlanden reichte es für eine Sperrminorität, um die Union auf einem marktwirtschaftlichen Kurs zu halten.
Nun werden die Südeuropäer noch vehementer auf gemeinsame Haftung und die weitere Aufweichung des Stabilitätspaktes drängen. Umso mehr, wenn die Parlamentswahl in Spanien am Sonntag wie erwartet zu einem Linksruckführt. Die stärker isolierten Deutschen müssen umso kräftiger dagegen halten – und sich dabei bei der Mehrheit der verbleibenden EU-Mitglieder unbeliebt machen.
Sicher: Bei vielem standen die Briten auch auf der Bremse. Eine politische Vertiefung der Union wäre ohne sie leichter umzusetzen. Aber angesichts des mächtig gestärkten Anti-EU-Lagers werden sich die Regierungen hüten, hier Initiativen zu ergreifen. Es geht in Europa nicht mehr nach vorn, nur noch zurück: Das ist der Eindruck, den Amerikaner und Asiaten gewinnen müssen. Sie werden deshalb im Zweifelsfall lieber in einem anderen Erdteil investieren. Und dieser Bedeutungsverlust dürfte der Wirtschaft auf längere Sicht am meisten schaden – auf beiden Seiten des Ärmelkanals.
[MHUCS]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2016)

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